Nutzer-Tracking Gesundheitswebseiten teilen Daten mit Tech-Konzernen

Spuren, die Nutzer auf Gesundheitswebseiten und bei Online-Apotheken hinterlassen, geraten offenbar teilweise an Tech- und Werbefirmen. Dazu gehören auch sensible Informationen über Krankheitsbilder oder Medikamente.

Nutzerabfragen im Internet können viel über Krankheiten und Beschwerden verraten
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Nutzerabfragen im Internet können viel über Krankheiten und Beschwerden verraten


Dutzende britische Gesundheitswebseiten geben einer "Financial Times"-Recherche zufolge Daten wie Abfragen zu medizinischen Symptomen und Krankheitsbildern an Internetriesen wie Google, Amazon, Facebook und Oracle weiter, aber auch kleinere Vermarkter wie Scorecard und OpenX.

Die Zeitung hatte 100 populäre britische Webseiten mit Fokus auf Gesundheit und Medizin untersucht. 79 Prozent der Websites hinterließen demnach Cookies, mit denen Drittunternehmen das Verhalten von Nutzern im Internet analysieren können, wie die Abfrage von medizinischen Symptomen, Diagnosen, Arzneimittelnamen und Informationen zu Menstruation und Fruchtbarkeit. Die Weitergabe dieser Daten erfolgt laut der Zeitung ohne ausdrückliches Einverständnis der Nutzer und steht damit im Widerspruch zur Rechtslage in Großbritannien.

Hauptnutznießer des Datentransfers ist dem Zeitungsbericht zufolge der Google-Ableger für Werbung, DoubleClick. Daten würden über Cookies aber auch an andere mögliche Verwerter weitergeleitet.

Bedenken auch bei Online-Apotheken

Auch Online-Apotheken etwa verwalten sensible Nutzungs- und Gesundheitsdaten über ihre Kunden. Bei der Bestellung von Medikamenten können über Cookies auch Daten an Drittfirmen fließen, die etwa Rückschlüsse auf Krankheiten zulassen.

"Es muss verhindert werden, dass Gesundheitsprofile erstellt und ohne Wissen der Betroffenen zum Beispiel mit Facebook-Daten verknüpft werden", sagte Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte bei der Linksfraktion dem SPIEGEL. "Es kann nicht sein, dass Menschen durch einen Standardklick beim Aufruf der ersten Seite einer Internetapotheke einwilligen, dass sensible Gesundheitsdaten erhoben und weitergeleitet werden."

In einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung kritisierte die frühere Apothekerin mit weiteren Abgeordneten bereits im Februar den mangelnden Datenschutz im Arzneimittel-Versandhandel. Beim Online-Bestellen von Medikamenten würden "notwendigerweise Gesundheits- und andere Sozialdaten übermittelt". Auch würden einige Nutzungsdaten mit Cookies bereits erhoben, sobald Nutzer die Seiten aufriefen - selbst wenn sie nichts bestellten.

Auch die wenigen Nutzer, die sich zuvor durch die Datenschutzerklärungen arbeiten würden, hätten Gabelmann zufolge kaum eine Chance, sich ein hinreichendes Bild von Art und Umfang der Datenverarbeitung zu machen. Eine ausdrückliche und informierte Einwilligung liegt ihrer Einschätzung zufolge somit nicht vor.

Umstrittene Partnerschaft in den USA

Der digitale Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten wird derzeit weltweit heftig diskutiert. In Deutschland zeigen sich Datenschützer empört über die von Gesundheitsminister Jens Spahns (CDU) vorgesehene erweiterte Nutzung von Behandlungsdaten für Forschungszwecke. In den USA rief eine Partnerschaft zwischen Google und der Organisation Ascension die US-Behörde für Bürgerrechte im Gesundheitsministerium auf den Plan. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, will die Behörde für Bürgerrechte sicherstellen, dass die Gesundheitsdaten von Millionen Bürgern nicht missbräuchlich verwendet werden. Ascension verwaltet 2600 Einrichtungen des Gesundheitssystems, darunter 150 Krankenhäuser und 50 Seniorenheime.

Das in die Kritik geratene Projekt Nightingale ist nach der britischen Krankenschwester Florence Nightingale benannt, die in den 1850er Jahren im Krimkrieg Statistiken für eine bessere Versorgung von Patienten einsetzte. Google bestätigte, dass die Gesundheitsdaten von Patienten in einer Cloud abgelegt werden, die von der Organisation Ascension zentral verwaltet werden kann. Die Patientendaten würden derzeit nicht mit den Kundendaten von Google verknüpft - und dies werde auch künftig nicht der Fall sein, versicherte der für die Cloud zuständige Google-Manager Tariq Shaukat.

sop/AFP

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