Reaktion auf EU-Rekordstrafe Google-Apps könnten Hersteller bald bis zu 40 Dollar kosten

Google muss ändern, wie es sein beliebtes App-Paket auf Smartphones mit Android bringt. Besonders stark betroffen sind laut einem Medienbericht Geräte, die in Deutschland verkauft werden.

Samsung Galaxy S9
Matthias Kremp

Samsung Galaxy S9


Es wirkt wie eine Retourkutsche für die Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission: Laut einem Medienbericht will Google von Android-Herstellern künftig bis zu 40 Dollar pro Gerät für die Installation seiner Apps in Europa verlangen.

Das App-Paket von Google umfasst zum Beispiel wichtige Anwendungen wie den Google Play Store, über den sich Android-Nutzer in aller Regel Apps aufs Smartphone laden.

Der Betrag unterscheide sich zum Teil stark je nach Region und Bildschirmauflösung, schrieb "The Verge" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen. Für einfache, günstige Geräte könnten beispielsweise statt der maximalen 40 Dollar nur 2,50 Dollar fällig werden.

Fällt der Betrag höher aus, könnten Hersteller versucht sein, einen Teil der Gebühren über Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterzureichen - zumal viele von ihnen kaum Gewinne erwirtschaften. Dagegen spricht der scharfe Wettbewerb bei Android-Geräten. Die Hersteller können zwar auch Geräte ganz ohne die beliebten Google-Apps verkaufen. Das dürfte aber zahlreiche potenzielle Käufer abschrecken.

Höchste Gebühren für in Deutschland verkaufte Geräte

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte dem Unternehmen in ihrer Entscheidung im Juli Auflagen beim Geschäftsmodell gemacht und außerdem eine Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro verhängt.

Google hatte als Reaktion den Schritt, über den "The Verge" nun berichtet, angekündigt: Es werde künftig für seine bislang für Hersteller kostenlosen Apps wie den Kartendienst Google Maps oder das E-Mail-Programm Gmail Geld verlangen. Ein Betrag wurde damals nicht genannt. Den Bericht von "The Verge" wollte Google am Wochenende nicht kommentieren.

Der Bericht von "The Verge" nennt weitere Details, wie Google angeblich vorgehen will:

  • Der Konzern soll die EU-Länder in drei Gruppen aufgeteilt haben: Für in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen und den Niederlanden verkaufte Geräte werde es die höchsten Gebühren geben.
  • Für Geräte mit hochauflösenden Displays soll in diesen Ländern die maximale Summe von 40 Dollar fällig werden. In diese Gruppe dürften vor allem teure Telefone mit einer hohen Display-Auflösung fallen. So kommt das Samsung -Topmodell Galaxy S9 auf 570 ppi Bildpunkt-Dichte.
  • Für Geräte, deren Bildschirme 400 bis 500 ppi haben, sinkt die Lizenzgebühr angeblich auf 20 Dollar. In weiteren Abstufungen geht die von "The Verge" zitierte Preistabelle dann auf nur noch 2,50 Dollar herunter. Die Gebührenordnung solle ab dem 1. Februar 2019 greifen.

Google änderte Geschäftsmodell nach Wettbewerbsstrafe

Auch Vestagers Auflagen für das Google-Geschäftmodell haben zu Änderungen geführt: Bisher war es so, dass interessierte Hersteller immer gleich alle Apps von Google auf ihre Geräte bringen mussten, samt der Anwendung zur Internet-Suche und dem Browser Chrome. Die EU-Kommission sah in dieser Bündelung aber einen unfairen Wettbewerb zum Nachteil von Googles Konkurrenten.

Der Konzern löst das nun so, dass Chrome und die Websuche nicht mehr zum App-Paket gehören. Hersteller, die eine Lizenz für die anderen Apps erwerben, können den Browser und die Such-App jedoch kostenlos dazubekommen.

So haben die Hersteller letztlich keinen finanziellen Anreiz, auf Chrome und die Internet-Suche zu verzichten - weil sie keine zusätzlichen Kosten bedeuten. Dafür teilt Google aber die Werbeerlöse aus der Websuche mit ihnen - jetzt gemäß der Forderung der EU-Kommission auch nicht mehr nur, wenn ausschließlich Google als Suchmaschinen-App vorinstalliert wurde.

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Google-Betriebssystem: Das ist Android 9 Pie

Die Brüsseler Behörde betonte nach Googles Ankündigung, dass es nicht zu ihren Forderungen gehörte, Android-Apps kostenpflichtig zu machen. Es sei die Angelegenheit von Google, wie genau die beanstandeten Wettbewerbsverzerrungen ausgeräumt würden.

Der Konzern argumentiert, mit den von der Kommission geforderten Änderungen am Geschäftsmodell bei Android sei die wirtschaftliche Grundlage für ein kostenloses Angebot der Google-Apps weggefallen.

Das Android-Betriebssystem selbst sollen die Hersteller weiterhin kostenlos bekommen. Android-Geräte haben einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent beim Smartphone-Absatz.

pbe/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Bueckstueck 22.10.2018
1. Ist doch ok
Wenn die Gerätehersteller dann die Spitzenmodelle für 50-60 Flocken teurer verkaufen - was solls? Wer über 1000 für ein Handy ausgibt, verkraftet das auch. Man muss es halt nicht bloss aus der eigenen Brieftasche heraus betrachten, sondern dem grossen Ganzen Rechnung tragen.
Envoye 18 22.10.2018
2. Prima...
jetzt muß man nur noch den ganzen Samsung-Mist loswerden, dann hat man ein schönes funktionierendes Telefon ;-)
nomac 22.10.2018
3. Geldsäckle
Bedeutet das, dass Google zukünftig meine Emails nicht mehr mitlesen wird (weil sie dann ja schon mit dem Verkauf ihres Email-Programms Geld verdienen)? Dann zahle ich gerne.
quark2@mailinator.com 22.10.2018
4.
Na da kann man doch hoffen, daß es einen höheren Sideload-Anteil gibt und dieses AppStore-Quasimonopol durchbrochen wird.
zeichenkette 22.10.2018
5. Die Sache ist doch die:
Bisher hat Google den Herstellern nur erlaubt, irgendwas von der Google-Software auf ihre Geräte zu packen, wenn sie dann alles installieren und das exakt nach den Vorgaben von Google, einschließlich Google-Suchleiste auf dem Startbildschirm. Sie durften das Gerät auch nicht alternativ mit einem anderen Betriebssystem anbieten. Genau das war, was der EU nicht passte. Jetzt muss Google entbündeln und es auch erlauben, wenn Hersteller sich Teile aussuchen und z.B. anstatt Chrome Firefox installieren oder eine andere Suchleiste vorinstallieren. Dafür möchte Google dann aber Geld sehen, denn mit dem Sammeln von Daten und mit Werbung verdient Google nunmal Geld. Anders gesagt: Diese 40 Euro sind es, die Google ansonsten an den Nutzern und ihren Daten verdient und wenn ein Hersteller das gefährdet, muss er diesen Betrag jetzt halt direkt zahlen. Wer weiterhin brav alles so installiert wie Google es möchte, zahlt weiterhin unter dem Strich nichts.
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