DuckDuckGo, Ecosia und Co. Google lässt mehr Suchmaschinen auf Android

Google beendet einen alten Streit mit der Europäischen Kommission: Suchmaschinen-Konkurrenten müssen nun ihren Platz auf Android nicht mehr ersteigern.
Google-Suche auf dem Smartphone: In der Vergangenheit hatte sich das Unternehmen gegen Konkurrenz gesträubt

Google-Suche auf dem Smartphone: In der Vergangenheit hatte sich das Unternehmen gegen Konkurrenz gesträubt

Foto: Roman Möbius / imago images

Wenn Google-Konkurrenten als alternative Standard-Suche auf Android-Geräten erscheinen wollen, mussten sie sich ihren Platz bisher in einer Auktion ersteigern. Nun hat Google überraschend eine Änderung bekannt gegeben: Anbieter wie DuckDuckGo oder Ecosia müssen sich nicht mehr die Wahl-Option in Android erkaufen. Zudem bekommen mehr Konkurrenten einen prominenten Platz bei der Neuinstallation eines Android-Handys.

Mit dem Schritt zieht Google einen Schlussstrich unter einen Streit mit der Europäischen Kommission, der fast ein Jahrzehnt gedauert hat: Als das Unternehmen mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android immer größere Marktanteile eroberte, beschwerten sich Konkurrenten, Google bevorzuge seine eigenen Dienste. Die Europäische Kommission schlug sich bald auf die Seite der Beschwerdeführer und verhängte eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Zudem verlangte sie eine Entkopplung von Suche und Betriebssystem.

Schließlich setzten die europäischen Wettbewerbshüter eine Lösung durch, die sie vorher bereits Microsoft aufgebürdet hatten: Google musste den Kunden bei der Installation eines neuen Smartphones die Wahl geben, ob sie die Google-Suche auf ihrem Home-Screen platzieren oder ob sie ein Konkurrenz-Angebot vorziehen wollten. Der Haken an dem Angebot: Die Konkurrenten sollten für den prominenten Werbeplatz Geld bezahlen. Nur wer sich in einem Auktionsverfahren durchsetzte, konnte die eigene Suchmaschine in dem »Choice Screen« platzieren. In der ersten Runde setzten sich DuckDuckGo, GMX und Info.com durch. Die Konkurrenten beschwerten sich jedoch weiter über Google.

Nun will Google den Streit endgültig beenden: »Nach weiteren Rückmeldungen von der Europäischen Kommission haben wir den Choice Screen überarbeitet und machen die Teilnahme für berechtigte Suchmaschinen-Anbieter kostenfrei«, schreibt Google-Manager Oliver Bethell in einem Blogbeitrag . Zudem wird Platz für mehr Konkurrenten schaffen: Bis zu zwölf verschiedene Suchmaschinen will Google anzeigen. Die genaue Reihenfolge ist dabei zufällig. Als weltweit führende Suchmaschine hat Google allerdings einen Platz unter den ersten fünf Optionen sicher. Wer einen der Plätze besetzen will, muss eine kostenfreie App für Android bereitstellen, technische Spezifikationen bereitstellen und eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben. Google will die Neuerungen bis September umsetzen.

Die Europäische Kommission äußert sich auf Anfrage des SPIEGEL vorsichtig optimistisch. »Dies sind positive Entwicklungen bei der Umsetzung unserer Entscheidung«, erklärte ein Sprecher. Auch die Konkurrenz zeigte sich erleichtert, dass ihnen nun teure Auktionen erspart bleiben.

Christian Kroll, CEO von Ecosia, teilte mit: »Das hier ist eine echte David-gegen-Goliath-Geschichte – und David hat gewonnen. Suchanbieter haben nun die Chance, fairer auf dem Android-Markt zu konkurrieren, basierend auf der Attraktivität ihres Produkts, anstatt durch monopolistisches Verhalten ausgeschlossen zu werden.«

Der Gründer der Privatsphäre-orientierten Suchmaschine DuckDuckGo, Gabriel Weinberg, meldete auf Twitter aber bereits weitere Ansprüche an: So solle Google auch die Suchmaschinenplätze in der Desktop-Version des Browsers Chrome freigeben und die Wahl-Option nicht nur anbieten, wenn ein Smartphone neu installiert wird.

tmk/Reuters