Grindr LGBTQ-Dating-App verschwindet aus App-Stores in China

Die beliebte App steht in China offenbar nicht mehr zum Herunterladen bereit. Behörden hatten angekündigt, vor den Olympischen Spielen eine »festliche und glückverheißende Atmosphäre« im Netz zu schaffen.
Startbildschirm von Grindr auf einem Smartphone

Startbildschirm von Grindr auf einem Smartphone

Foto: Aly Song / REUTERS

Laut Medienberichten ist die Dating App Grindr in App-Stores in China nicht mehr verfügbar. Einem »Bloomberg«-Bericht  zufolge ist die App bereits seit dem 27. Januar nicht mehr in der chinesischen Version von Apples App Store erhältlich. Auch in chinesischen App-Stores für Android-Smartphones, die beispielsweise von Huawei und Tencent betrieben werden, sei die App nicht mehr zu finden. Googles Play Store ist in China nicht verfügbar.

Grindr ist eine beliebte und weit verbreitete Dating-App für schwule und bisexuelle, transgender und queere Menschen. Der chinesische Technologiekonzern Beijing Kunlun Tech hatte die amerikanische App im Jahr 2020 auf Druck von US-Behörden an Investoren verkauft . Washington befürchtete, die Nutzerdaten könnten missbraucht werden und damit eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen.

Ende 2021 hatte die norwegische Datenaufsichtsbehörde Grindr wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mit einer Millionenstrafe belegt. Weil sich das Unternehmen die nötige Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer für die Weiterleitung persönlicher Daten nicht besorgt habe, soll es eine Verwaltungsstrafe von 65 Millionen Kronen (umgerechnet 6,4 Millionen Euro) zahlen.

Aufräumkampagne vor den Olympischen Winterspielen

Obwohl Homosexualität in China seit 1997 nicht mehr strafbar ist, stehen nicht heterosexuelle Menschen dort oft im Visier staatlicher Überwachung und Zensur. Anders als in Taiwan ist die gleichgeschlechtliche Ehe in China weiterhin verboten und LGBTQ-Themen bleiben für Medien tabu. In Filmen etwa dürfen keine homosexuellen Liebesbeziehungen gezeigt werden.

Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele und der Neujahrsfeiern hatte die chinesische Internetbehörde am vergangenen Dienstag eine einmonatige Kampagne gegen Falschmeldungen, Pornografie und andere »sensible Webinhalte« angekündigt. Ziel sei es, »eine zivilisierte, gesunde, festliche und glückverheißende Atmosphäre im Internet« zu schaffen.

Laut Bloomberg stehen chinesische Alternativen zu Grindr, als Beispiel wird die App Blued genannt, weiterhin zum Herunterladen bereit.

Grindr und Apple reagierten zunächst nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur AFP.

mak/AFP