Chatten übers Chatten "Instagram ist jetzt das schlechtere Snapchat"

Instagram führt eine Funktion ein, bei der Fotos und Videos nach 24 Stunden verschwinden. Schon wieder eine Snapchat-Kopie? Teresa Sickert und Angela Gruber sind sich uneins, was die Funktion bringt.
Frau mit Smartphone

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Foto: Sophia Juliane Lydoplh/ picture alliance / dpa

Auch bei Instagram sind die Inhalte künftig flüchtig: Das Netzwerk hat sein Angebot um eine Funktion namens Stories erweitert. Damit lassen sich aus Fotos und kurzen Videos zu Geschichten zusammenbauen, die nach 24 Stunden auf der Plattform wieder verschwinden. Außerdem können Nutzer ihre Inhalte bearbeiten, und zum Beispiel Text oder selbstgemalte Zeichnungen hinzufügen.

Diese neue Funktion dürfte vielen Snapchat-Nutzern bekannt vorkommen. Snapchat ist als das Netzwerk groß geworden, das auf Inhalte setzt, die von selbst verschwinden. Und auch bei Snapchat gibt es einen Bereich namens Stories, in dem veröffentlichte Geschichten 24 Stunden lang sichtbar bleiben.

Die neue Instagram-Funktion scheint aktuell noch nicht überall verfügbar zu sein, Stories soll aber in den kommenden Wochen für alle Nutzer ausgerollt werden.

Die beiden Netzwelt-Redakteurinnen Teresa Sickert und Angela Gruber haben Stories schon getestet - und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Angela Gruber: Als ich am Morgen Instagram aufgemacht und Stories ausprobiert habe, habe ich mich richtig geärgert. Facebook hat schamlos bei Snapchat kopiert, finde ich.

Teresa Sickert: Ist das wirklich so ärgerlich? Wenn man so will, gibt es jetzt zwei Apps in einer. Instagram kann jetzt eben auch Snapchat. Das hat den Vorteil, dass Instagram-Nutzer, denen Snapchat bislang zu kompliziert war oder die keine Lust auf ein weitere App hatten, jetzt auch Geschichten erzählen können - wenn sie wollen.

Angela Gruber: Klar, aber: Instagram ist jetzt das schlechtere Snapchat. Vieles, was Snapchat kann, kann Instagram immer noch nicht. Die Bearbeitungsmodi für Fotos und Videos sind so rudimentär, dass sie keinen Snapchat-User zum Umstieg bringen werden. Es gibt nur Farbfilter, keine für Geschwindigkeit oder die Geo-Location.

Teresa Sickert: Aber das ist doch Instagram-Nutzern egal! Die werden sich sicher über die neuen Funktionen freuen.

Angela Gruber: Da hast du einen Punkt. Für Instagram-Nutzer ist das erst mal eine Funktion mehr. Und Instagram hat schon häufiger bei anderen Apps kopiert: die Kurzvideos von Vine, die Daumenkino-Videos mit Boomerang von der Phhhoto-App. Jetzt ist Snapchat dran. Das benutzt du doch auch: Glaubst du, du schwenkst auf Instagram um?

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Vergleich zu Snapchat: So sieht Instagram-Stories aus

Teresa Sickert: Also bei Instagram-Stories fehlen mir die Sticker, die personalisierbaren Bitmojis und eine große Filterauswahl. In persönlichen Nachrichten kann man bei Instagram gar nicht kreativ werden. Da schick ich meinen Freunden lieber bei Snapchat Direktnachrichten, schön voll mit Filtern und Stickern. Die verschwinden auch gleich, nachdem man sie angeschaut hat.

Angela Gruber: Das ist es doch. Vieles, was ich bei Snapchat mache, würde ich nicht bei Instagram posten. Die Poser mit lauter Hochglanz-Essensfotos im Profil kritzeln ab jetzt bestimmt nicht auf ihren Bildern, auch wenn die nach 24 Stunden wieder weg sind.

Teresa Sickert: Wem das zu viel Rumgespiele ist, der braucht es ja auch nicht nutzen. Instagram-Stories erscheinen ja nicht mal im Feed und haben auch nichts mit dem normalen Foto-Tool zu tun. Das alles kann man nutzen wie zuvor.

Angela Gruber: Stimmt. Trotzdem hätte Instagram die Geschichten-Funktion liebevoller integrieren können. Bei mir wird sie in einer Leiste über dem normalen Feed angezeigt. Kaum scrollst du ein Bild nach unten, ist die Leiste weg. Wenn man sich, wie auch der Instagram-Chef zugibt , so offen bei der Konkurrenz bedient, sollte man das doch zumindest besser in sein Angebot einpassen.

Teresa Sickert: Aber Instagram ist eh bekannt dafür, eher schlank und "lifestylig" in seinem Auftritt zu sein - diese Abgrenzung scheint Strategie zu sein.

Angela Gruber: Oder sie haben Angst, mit zu viel Veränderung ihre alten Nutzer zu verschrecken.

Teresa Sickert: Immerhin sind bei Instagram schon viele Nutzer - die man auch finden kann. Bei Snapchat ist es total schwer, sich eine Community aufzubauen. Man muss wissen, wie jemand dort heißt. Fotos und Videos kann man auch nicht einfach so durchsuchen.

Angela Gruber: Vielleicht macht das die Instagram-Funktion noch interessant für mich: Ich glaube, die Nutzerschaft bei beiden Apps unterscheidet sich nach wie vor. Ich habe Freunde, denen ich gern auf Instagram folge, die Snapchat aber nie installieren wollten. Wird spannend, was die künftig posten.

Teresa Sickert: Es wird halt weniger bunt als bei Snapchat. Es gibt ja keine Hundefilter!

Angela Gruber: Wer weiß, ob das nicht auch noch kommt. Um Snapchat mache ich mir trotzdem keine Sorgen, das lässt sich dann eben wieder was Neues einfallen - etwas wirklich Neues, meine ich.