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Ärger um Instagram-Studie Facebook drohte kritischer NGO wegen Forschungsprojekt

AlgorithmWatch wollte untersuchen, welche Inhalte Instagram bevorzugt. Doch weil Facebook der Organisation »kaum verhohlen« juristische Schritte angekündigt habe, wurde die Studie beendet. Facebook widerspricht.
aus DER SPIEGEL 33/2021
Facebook »verhindert eine evidenzbasierte Debatte«, sagt AlgorithmWatch

Facebook »verhindert eine evidenzbasierte Debatte«, sagt AlgorithmWatch

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Elijah Nouvelage / REUTERS

Facebook hat ein Forschungsprojekt der deutschen NGO »AlgorithmWatch« beanstandet – und damit für dessen Ende gesorgt. Die Berliner Organisation wollte mehr über den Algorithmus der Facebook-Tochter Instagram herausfinden und bot dazu eine Browser-Erweiterung an, die 1500 Nutzer und Nutzerinnen herunterluden.

Erste Analysen  der so eingehenden Daten zeigten, dass Politiker-Posts auf Instagram besonders gut ohne Text funktionierten. Zudem schien der Algorithmus Bilder von spärlich bekleideten Menschen zu bevorzugen; Facebook bestritt die Ergebnisse und lud zum Gespräch. Dabei habe man ihnen vorgeworfen, gegen Facebooks Nutzungsbedingungen zu verstoßen und »kaum verhohlen juristische Schritte angedroht«, sagte Matthias Spielkamp von AlgorithmWatch. Auf einen Rechtsstreit mit dem Milliardenkonzern habe man es nicht ankommen lassen wollen und die Arbeit daher abgebrochen .

Aus: DER SPIEGEL 33/2021

Der gebremste Mann

Nach wie vor ist die Erziehungsarbeit in deutschen Haushalten ungleich verteilt. Ausgerechnet jene Väter, die sich für ihre Familien stark engagieren, stoßen häufig auf ein unterschätztes Hindernis: Mütter, die nicht loslassen wollen. Neue Väter, sagen Experten, kann es nur geben, wenn auch die Frauen ihre Rolle in der Familie verändern.

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Ende Juli hatte Facebook auch eine Wissenschaftlerin und einen Wissenschaftler der New York University von der Plattform verbannt . Die beiden hatten zu Desinformation und zur Werbebibliothek des Unternehmens geforscht – es handelt sich dabei um eine durchsuchbare Datenbank, die Wahlwerbung oder Werbung zu politisch relevanten Themen enthält. »Facebook geht weiter aggressiv gegen jeden Versuch vor, für mehr Transparenz auf den eigenen Plattformen zu sorgen«, kritisierte Spielkamp.

AlgorithmWatch: Facebook »missbraucht eindeutig seine Macht«

Auf Anfrage des SPIEGEL verteidigte das Unternehmen sein Vorgehen: »Wir haben AlgorithmWatch kontaktiert, da die von ihnen verwendete Browser-Erweiterung Informationen von Nutzer*innen auf eine Art und Weise gesammelt hat, die gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt und potenziell die Privatsphäre unserer Nutzer*innen gefährdet.«

Im Juni veröffentlichte Instagram einen allgemein gehaltenen Blogpost , in dem es erklärt, wie das Unternehmen sortiert, welche Beiträge Nutzerinnen und Nutzern prominenter angezeigt werden. Dazu gibt es auch ein Video von Instagram-Chef Adam Mosseri .

Facebook beteuerte: »Wir begrüßen Studien über unsere Plattform, solange die Privatsphäre unserer Nutzer*innen durch diese nicht beeinträchtigt wird.« Genau das sei aber im Experiment von AlgorithmWatch »potenziell« der Fall gewesen.

DER SPIEGEL

Die NGO fordert nun in einem offenen Brief EU-Parlamentarier auf, bei der anstehenden Neuregulierung der »Digital Services« den Zugang für unabhängige Forschung sicherzustellen. Facebook »missbraucht eindeutig seine Macht, um Forschung im öffentlichen Interesse zu unterdrücken«, heißt es in dem Brief, »und verhindert damit auch eine evidenzbasierte Debatte über den Einfluss von Plattformen auf demokratische Prozesse«.

Anmerkung der Redaktion: Am Freitagnachmittag, nach Redaktionsschluss für die gedruckte SPIEGEL-Ausgabe, teilte Facebook in einem »aktualisierten Statement« mit: »Wir haben nicht gedroht, sie zu verklagen«.

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