Soziale Netzwerke Instagram testet Verzicht auf Like-Anzeige bald weltweit

Wird Instagram angenehmer, wenn Likes weniger wichtig sind? Die Facebook-Tochter probiert es demnächst auf globaler Ebene aus - aber nicht mit allen Nutzern.

"Grundlegende Änderung": Instagram-Likes sorgen für sozialen Druck
Charles Platiau/REUTERS

"Grundlegende Änderung": Instagram-Likes sorgen für sozialen Druck


Instagram wird demnächst bei einigen Nutzern weltweit testweise die Zahl der Likes nicht mehr anzeigen. "Nutzer, die Teil des Tests sind, sehen nicht mehr die Gesamtzahl der Likes und Views von Fotos und Videos anderer in ihrem Feed", teilte die Facebook-Tochter mit. Die Likes für eigene Beiträge bleiben für die Nutzer weiterhin sichtbar.

Zunächst hatte Instagram das nur in Australien, Brasilien, Kanada, Irland, Italien und Neuseeland ausprobiert. Die Reaktionen der beteiligten Nutzer seien positiv gewesen, hieß es am Donnerstag. Da es sich aber um eine "grundlegende Änderung" handele, solle noch mehr Feedback gesammelt werden. Unklar ist, wie viele Nutzer genau Teil des Tests mit den versteckten Instagram-Likes sein werden.

Notfalls darf die Maßnahme auch dem Geschäft schaden

Ein Hintergrund sei, "den Menschen zu helfen, sich auf die Fotos und Videos zu konzentrieren, die sie teilen, und nicht darauf, wie viele Likes sie dafür bekommen", erklärte Instagram.

Der Chef der Plattform, Adam Mosseri, hatte bei einem Auftritt vergangene Woche betont, man werde auch Maßnahmen ergreifen, die dem Geschäft schaden, wenn sie dem Wohlbefinden der Nutzer dienten. Die Zählerstände können für sozialen Druck sorgen: Manche Nutzer wollen möglichst populäre Posts produzieren und löschen Beiträge, die aus ihrer Sicht zu wenige Likes bekommen.

Für Influencer oder Autoren von Inhalten, die Instagram als Plattform geschäftlich nutzen, werde nach einer Lösung gesucht, hieß es weiter. Sie sind oft darauf angewiesen, potenziellen Geschäftspartnern ihre Reichweite zu demonstrieren - und brauchen dafür auch eine sichtbare Zahl der Likes. Sie können zwar selbst die Likes für ihre Beiträge sehen und zum Beispiel Screenshots davon anfertigen. Doch für Werbe- und Geschäftspartner ist das möglicherweise zu intransparent, schließlich können Screenshots auch gefälscht werden. Ihnen dürfte es lieber sein, wenn sie die Like-Zahlen selbst einsehen können. Eine denkbare Alternative wäre eine Schnittstelle (API), über die Agenturen und andere Geschäftspartner direkt auf die Zahlen zugreifen.

Auf der Hauptplattform von Facebook wird gerade in Australien der Verzicht auf die Anzeige von Like-Zahlen getestet.

pbe/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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knok 15.11.2019
1. Überschrift
Die Idee ist vernünftig und könnte Selbstoptimierungswahn und Mobbing unter Jugendlichen vermindern. Eine ähnliche Methode halte ich für Youtube, Facebook und Twitter ebenfalls für sinnvoll, da sie eventuell der Verbreitung von Fake News und Hetze Einhalt gebieten könnte. Wer für seine unnatürlichen, gestellten Fotos keine 10.000 Likes mehr bekommt, ist dann vielleicht kein Influencer mehr, der vor allem jungen Frauen unter Druck setzen kann. Endlich mal eine gute Idee aus den sozialen Netwerken.
Enes Scholkaldetten 15.11.2019
2. @Fefe: Wir brauchen mehr Schnittstellen
" Eine denkbare Alternative wäre eine Schnittstelle (API), über die Agenturen und andere Geschäftspartner direkt auf die Zahlen zugreifen." Der Erfolg von solchen fnord Schnittstellen ist ja spätestens seit Cambridge Analytics belegt.
wehavetotalk 15.11.2019
3. Kleine Korrektur
Der Test wird bereits ausgerollt. Ich jedenfalls kann gerade die Anzahl der Likes nicht mehr sehen.
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