Schluss mit Herzchen-Vergleich Instagram verbirgt Like-Zahlen in sechs weiteren Ländern

Die Fotoplattform steht vor einer kleinen Revolution: Bald sehen Instagram-Nutzer wohl nicht mehr, wie viele Menschen fremde Beiträge mit einem Herzchen markiert haben. Ein Test aus Kanada wurde nun ausgeweitet.

Allzu schöne Fotowelt: Instagram ist für viele Handynutzer eine der wichtigsten Apps.
picture alliance/ empics

Allzu schöne Fotowelt: Instagram ist für viele Handynutzer eine der wichtigsten Apps.


Instagram ohne Like-Zahlen, die für jeden sichtbar sind? Dass dies mehr ist als nur ein Gedankenexperiment, deutete sich schon Anfang Juli an. Instagram-Chef Adam Mosseri sagte damals in einem Interview, dass die Anzeige für Likes verschwinden könnte - denn man wolle nicht, "dass sich Nutzer zu sehr darauf fokussieren, miteinander zu konkurrieren". Instagram solle kein "Wettbewerb" sein, so Mosseri, "sondern ein Ort, an dem Menschen sich mit denjenigen verbinden können, die ihnen wichtig sind".

In Kanada hatte die Foto- und Videoplattform schon vor drei Monaten eine Testphase gestartet, während der die Like-Zahlen ausgeblendet werden. Nun weitet Instagram diesen Test offenbar aus, wie "TechCrunch"berichtet. Dem Magazin zufolge können nun auch Nutzer in Irland, Italien, Japan, Brasilien, Australien und Neuseeland vorerst bei fremden Beiträgen keine Likes mehr sehen. Eine Einblendung innerhalb der App informiert über die Streichung der Herzen.

Völlig verschwinden die Like-Zahlen aber auch in den Testmärkten nicht. Denn Nutzer können Fotos und Videos Dritter weiter mit Herzen versehen. Zu sehen sind die Likes aber nur noch bei eigenen Beiträgen, solange man in seinen eigenen Account eingeloggt ist. Unter Beiträgen von Dritten sieht man fortan nur noch die abgegebenen Kommentare - und ob der Post eigenen Freunden gefallen hat.

Aktuell gibt es keine Möglichkeit für Instagram-Nutzer, die Teilnahme an diesem Test zu verweigern. Es ist auch unklar, ob die Likes bald wieder öffentlich sichtbar sein werden oder ob Instagram sie Stück für Stück in immer mehr Ländern ausblendet. Ob oder wann in Deutschland eine Testphase starten könnte, ist nicht bekannt.

cva

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insgesamt 3 Beiträge
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oss1304 18.07.2019
1. Interessante Entwicklung
Spannend wäre es, wenn Facebook hier gleichziehen würde und seine oberflächliche Likemechanismen zumindest einmal versuchsweise abstellen würde. Einem Großteil der Nutzer wäre damit die Möglichkeit genommen, ihren auf Kleinkindniveau stehengebliebenern Zwang zu dauerhafter Selbstbestätigung auszuleben. Ein erster Schritt zur Normalisierung und Schaffung einer Netzkultur... und wahrscheinlich das Ende von Facebook.
Abel Frühstück 18.07.2019
2.
Zitat von oss1304Spannend wäre es, wenn Facebook hier gleichziehen würde und seine oberflächliche Likemechanismen zumindest einmal versuchsweise abstellen würde. Einem Großteil der Nutzer wäre damit die Möglichkeit genommen, ihren auf Kleinkindniveau stehengebliebenern Zwang zu dauerhafter Selbstbestätigung auszuleben. Ein erster Schritt zur Normalisierung und Schaffung einer Netzkultur... und wahrscheinlich das Ende von Facebook.
Naja, die Likes der eigenen Beiträge kann man ja nach wie vor sehen. Der Aspekt des Schulterklopfens bleibt also erhalten. Alles andere würde den Reiz solcher Plattformen ja auh nehmen. Fotos und Stories ohne Feedback zu präsentieren bracht kein "Social Media".
MarcAusBerlin 19.07.2019
3. Klasse!
Ich würde den Schritt begrüßen. Keine Jagd mehr nach sinnlosen Likes, keiner muss diese mehr ggf. kaufen, weniger retuschierte Bilder vielleicht, weniger oberflächliche Stilmittel. Das Ganze ähnelt dann mehr einer klassischen Website, wo man sich einfach die Inhalte betrachten kann und man selbst entscheidet was man für gut und sehenswert erachtet. Klasse! Dazu kommt noch, dass ich neulich mir die App-Charts von Apple angeschaut habe. FaceApp, eine App, um sin Gesicht zu retouchieren auf Platz eins, erschreckend einfach und sagt schon ziemlich alles.
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