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Film "Late Shift": Ein Überfall und viele Entscheidungen

Interaktiver Film "Late Shift" Die Zuschauer bestimmen das Ende - per App

Eine App für alle, die bei Filmen ständig Tipps für die Protagonisten dazwischenrufen: Bei "Late Shift" kann man endlich bestimmen, was die Charaktere machen sollen. Ist das die Zukunft des mobilen Films?

Weglaufen oder stehen bleiben? Nach dem Weg fragen oder lieber schnell in die U-Bahn springen? Der Film "Late Shift"  überlässt es seinen Zuschauern, solche Entscheidungen für die Protagonisten des Films zu treffen. So bestimmt das Publikum selbst den Fortgang des Films, per App.

Und die Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Lässt sich der Zuschauer zu viel Zeit, trifft die Hauptfigur selbstständig eine Entscheidung und die Handlung läuft ohne die Kontrolle des Zuschauers weiter. Immer wieder schaffen es solche besonderen Erzählformate auf das Smartphone: von interaktiven E-Books bis zum Live-Chat mit einem Astronauten im Stil klassischer Text-Adventure-Spiele. "Late Shift" ist nun etwas für die Cineasten unter den Smartphone-Besitzern.

Die App kann man kostenlos für iOS herunterladen. Um den Film zu sehen, muss man dann die einzelnen Abschnitte in der App herunterladen. Das erste Kapitel ist kostenlos. Hier lernt der Zuschauer die Hauptfigur Matt kennen. Er ist Student und arbeitet nebenbei in einem Londoner Parkhaus als Wächter - ein eher langweiliger Job. Aber nicht in dieser Nacht, denn Matt wird überfallen. Dann ist es vorbei mit dem Gratisangebot. Wer wissen und bestimmen will, wie es weitergeht, muss 9,99 Euro bezahlen.

Sieben verschiedene Enden

Dafür erhält man - je nach Handlungsentscheidungen - zwischen 60 und 80 Minuten Film mit sieben verschiedenen Enden. So viele Möglichkeiten brauchen viel Speicherplatz: alleine das Erste von 13 Kapiteln benötigt 350 MB. Es genügt jedoch, nur jeweils das aktuelle Kapitel zu laden und die bereits angesehenen wieder zu löschen, so wird die Speicherproblematik entschärft.

Wer den Film trotzdem lieber in einem Kino sehen will, kann das tun, allerdings muss er dazu nach Großbritannien oder in die Schweiz fahren. Dort läuft der Film ab dem 17. März in einigen Kinos. Die Entscheidungen trifft das Publikum gemeinsam - mit einfacher Mehrheit, per App.

Filmerisch ist "Late Shift" gut gemacht. Und das, obwohl das Budget für einen Kinofilm - noch dazu mit sieben verschiedenen Enden - relativ gering ausgefallen ist: Eineinhalb Millionen Franken hat das Schweizer Start-up "CtrlMovie"  in die Produktion investiert, umgerechnet sind das aktuell rund 1,37 Millionen Euro.

Es ist aber auch noch Luft nach oben. Dass die Vielzahl an Entscheidungen doch nur zu sieben verschiedenen Enden führen kann, zeigt, dass jede Einzelentscheidung doch nicht so stark ins Gewicht fallen dürfte. Wenn sie egal ist, geht aber der Reiz verloren. Statt zum Mitspieler, zum Regisseur zu werden, bleibt der Zuschauer am Ende doch ein Beobachter, der gelegentlich nachweisen muss, dass er noch aufmerksam ist.


"Late Shift". Kostenlos für iOS. Der ganze Film ist nur durch einen In-App-Kauf in Höhe von 9,99 Euro zu sehen.

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