Smartphone-Warnsystem für Notfälle So funktioniert Katwarn - oder auch nicht

Am Freitagabend warnten die Behörden die Bewohner Münchens auch mithilfe von Katwarn: Wie funktioniert das Informationssystem, wer bekommt die Pushmeldungen - und warum gibt es jetzt viele Beschwerden?
Smartphone-Warnsystem Katwarn

Smartphone-Warnsystem Katwarn

Foto: Stephan Jansen/ dpa

Sie sollten in ihren Wohnungen bleiben und öffentliche Plätze meiden: Die Münchner Behörden warnten die Bevölkerung am Freitagabend während der noch unklaren Lage nach dem Attentat. Dazu nutzten sie auch das Smartphone-System Katwarn (Katastrophenwarnsystem), über das laut Betreiber nach 20 Uhr vom Landkreis München und von der Stadt drei Warnungen ausgelöst wurden.

Etwa 250.000 Menschen hätten am Freitagabend in diesem Bereich das System genutzt, teilte ein Katwarn-Sprecher mit. Doch das elektronische Warnsystem war offenbar völlig überlastet. Es gibt Kritik: Die App habe nicht richtig funktioniert. Sie sei nicht gestartet, bestätigt eine Münchnerin SPIEGEL ONLINE, und wenn doch, habe man die Pushmeldungen nicht öffnen können.

Wie funktioniert das Informationssystem? Und was waren die Probleme am Freitagabend? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Katwarn?
Das Informationssystem Katwarn  soll bei Notfällen wie Unwettern, Bränden, Chemieunfällen, Bombenfunden oder Schießereien die Nutzer warnen und Verhaltensempfehlungen geben - per SMS, E-Mail oder Pushmeldung via Smartphone-App. Eingespeist werden die Nachrichten von Behörden, Rettungsdiensten oder dem Deutschen Wetterdienst.

Wer kann Katwarn nutzen?
Jeder, der ein Handy, Smartphone oder eine E-Mail-Adresse hat und dessen Stadt oder Region den Dienst verwendet. Seit 2010 ist Katwarn im Einsatz, mittlerweile in mehr als 65 Städten und Landkreisen (eine Übersicht finden Sie hier ). Etwa 1,5 Millionen Menschen haben sich bereits für den Warndienst angemeldet. Wer Warnungen für seine Umgebung erhalten möchte, muss sich vorher per SMS mit dem Inhalt KATWARN über die bundesweite Servicenummer (0163-7558842) registrieren oder die App fürs Smartphone runterladen - alles zur Anmeldung erfahren Sie hier . Die Meldungen können dann über soziale Medien wie Twitter geteilt werden.

Warnung in der Katwarn-Smartphone-App

Warnung in der Katwarn-Smartphone-App

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Woher weiß Katwarn, wer in Gefahr ist?
Behörden, die Katwarn nutzen, wählen im Notfall über ein spezielles System die betroffenen Empfängergruppen nach Postleitzahlen aus. Die Nutzer können vorab mehrere Postleitzahlen angeben, zudem wird ihr aktueller Standort über Basisstationen und WLAN-Zugangspunkte berücksichtigt - wer sich in einem aktuellen Gefahrenbereich befindet oder diesen betritt, wird laufend informiert. Diese Ortungsfunktion kann abgeschaltet werden.

Wer hat Katwarn entwickelt?
Das System wurde vom Fraunhofer-Institut im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelt, die es auch betreiben. Katwarn soll die vorhandenen - teilweise kostspieligen - Warnsysteme wie Lautsprecheransagen, Sirenen und Rundfunkmeldungen ergänzen oder ersetzen. Eine ähnliche Warn-App stammt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und heißt Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App).

Was kostet Katwarn?
Für die Nutzer ist der Dienst kostenlos. Landkreise, kreisfreie Städte, Bundesländer und Stadtstaaten zahlen für die Einführung einmalig 15.000 Euro sowie jährlich 3000 Euro für technische Unterstützung, eine Warnung per SMS kostet sie sechs Cent. Nachrichten per E-Mail und Smartphone-App sind kostenfrei.

Was waren die Probleme nach dem Amoklauf in München?
Katwarn ist seit 2014 für München freigeschaltet. Am Freitagabend war das System jedoch völlig überlastet, der Dienst war zeitweise nicht erreichbar. Grund sei die hohe Zahl von Nutzern in München und anderen Teilen der Republik gewesen, in denen es Unwetter gab. "Wir sind an die Belastungsgrenze gestoßen", sagte ein Katwarn-Sprecher am Samstag. "Das ist nicht gut - die Kritik ist berechtigt." Die Kapazitäten des Systems müssten schnellstmöglich erweitert werden.

Generell kann Katwarn jedoch technisch keine hundertprozentige Zustellsicherheit gewährleisten. Insbesondere bei Störungen des Mobilfunknetzes, des Internets oder der Stromversorgung kann es immer wieder dazu kommen, dass Warnungen die Empfänger nicht erreichen.

Update, 28. Juli: Nach dem Amoklauf in München haben die Katwarn-Betreiber die Serverkapazitäten ihres Systems verdoppelt. "Wir sind jetzt in der Lage, bis zu zwei Millionen Zugriffe gleichzeitig zu verarbeiten", sagte Arno Vetter, Geschäftsführer des Mitbetreibers Combirisk, der Zeitung "Heilbronner Stimme".

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Foto: Matthias Balk/ dpa
Mit Material von dpa und AFP