Ermittlungen bei Missbrauch Kinderschützer wollen Facebook von Verschlüsselung abhalten

Politiker und Strafverfolger wollen verhindern, dass Facebook seine Apps sicherer macht. Der Kampf gegen Kindesmissbrauch würde erschwert.
Facebook-CEO Mark Zuckerberg will seine Dienste stärker verschlüsseln

Facebook-CEO Mark Zuckerberg will seine Dienste stärker verschlüsseln

Foto: Marcio Jose Sanchez/ dpa

Rund 130 Kinderschutzorganisationen und Wissenschaftler wenden sich gegen das Vorhaben von Facebook , alle seine Kommunikationsdienste mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sicherer zu machen. Mit einer Ausweitung dieser Verschlüsselung, die bereits Bestandteil von WhatsApp ist und es ausschließlich den jeweiligen Sendern und Empfängern erlaubt, eine Nachricht zu entschlüsseln, würden Facebooks Messenger sowie Instagram ein Austauschen von Missbrauchsbildern und -Videos erleichtern. Dies sei "kein vernünftiges Tauschgeschäft" für den besseren Schutz der Privatsphäre von Nutzern, schrieben die Unterzeichner in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

"Kinder sollten keinem Unheil ausgesetzt werden, weder als Ergebnis kommerzieller Entscheidungen noch von Gestaltungsentscheidungen", mahnten die Organisationen. Zwar hätten Nutzer der Facebook-Dienste ein berechtigtes Interesse am Schutz ihrer Daten. "Dennoch hat Facebook, wie Sie selbst festgestellt haben, eine Verantwortung, mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten und einer Nutzung Ihrer Seiten und Dienste für sexuellen Missbrauch vorzubeugen". Facebook solle seine Verschlüsselungspläne daher nicht umsetzen, bevor nicht Vorkehrungen für den Schutz von Kindern getroffen worden seien, heißt es in dem Schreiben weiter. Unterzeichnet ist es unter anderem von der britischen National Society for the Prevention of Cruelty to Children, dem International Centre For Missing and Exploited Children, Barnardo's, 5Rights sowie Child USA.

Es ist nicht die einzige Seite, von der diese Forderung an Facebook herangetragen wird. Auch mehrere Regierungen haben das Unternehmen aufgefordert, den Behörden Möglichkeiten einzuräumen, die Verschlüsselung im Kampf gegen Extremismus, aber eben auch Kindesmissbrauch zu umgehen. Facebook steht im Fokus, weil es auf seinen Plattformen bereits Millionen entsprechender Fotos und Videos entdeckt  hat.

US-Kongress droht mit Gesetzen gegen Verschlüsselung

Am Mittwoch hatte FBI-Direktor Christopher Wray laut "New York Times"  im US-Kongress die Verschlüsselungspläne einen "wahr gewordenen Traum" für die Täter genannt. Er sagte, Facebook dürfe nicht allein entscheiden können, ob es Strafverfolger derart aussperre. Unterstützung hat Wray im Senat. Bei einer Anhörung im Dezember hatte unter anderem der republikanische Senator Lindsey Graham mit gesetzgeberischen Maßnahmen gedroht. An Apple und Facebook gerichtet, sagte er : "Mein Rat an Sie ist: Beeilen Sie sich. Wenn Sie nächstes Jahr um diese Zeit keine Lösung gefunden haben, mit der Sie leben können, werden wir Ihnen unseren Willen aufzwingen". Wie realistisch das in einem Wahljahr ist, ist allerdings unklar.

Der Facebook-Sicherheitschef für Europa, den Nahen Osten und Afrika, David Miles, erklärte in Reaktion auf den offenen Brief, eine starke Verschlüsselung sei von entscheidender Bedeutung für den Schutz der Nutzer "vor Hackern und Kriminellen". Die im Frühjahr 2019 angekündigte Ausweitung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei ein "langfristiges Projekt". Dabei sei der Schutz von Kindern entscheidend und Facebook sei entschlossen, "starke Sicherheitsvorkehrungen in unsere Pläne einzubauen". Zuvor hatte Facebook angekündigt , in Zukunft nicht nur Inhalte an das National Center for Missing and Exploited Children in den USA zu melden, sondern Wege zu finden, die Kontaktanbahnung zwischen Tätern und potenziellen Opfern auf Facebooks Plattformen von vornherein zu verhindern.

pbe/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.