Letsact App verkuppelt ehrenamtliche Helfer und Vereine

Soziale Projekte klagen über fehlende Ehrenamtliche, zugleich wissen viele Menschen nicht, wo und wie sie sich engagieren können. Die App Letsact will beide Gruppen zusammenbringen.

Die App Letsact bringt Ehrenamtliche und Vereine zusammen
letsact

Die App Letsact bringt Ehrenamtliche und Vereine zusammen


"Wir wollen die Welt verbessern und Probleme lösen" - ein Satz wie dieser ist meist Teil pathetischer Sonntagsreden. Paul Bäumler und Ludwig Petersen, beide 20 Jahre alt, sagen ihn hingegen mit ungewöhnlichem Ernst. Und tatsächlich könnten die beiden etwas bewegen. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern haben sie Letsact entwickelt: Eine App die potenzielle Freiwillige mit Organisationen, Vereinen und Verbänden verkuppelt. Eine Art Tinder fürs Ehrenamt sozusagen.

"Als Schüler haben wir selbst im Ehrenamt gemerkt, dass sich die Organisationen wahnsinnig schwertun, Leute zu finden. Und auf der anderen Seite haben wir bei unseren Freunden gesehen, dass viele Leute Gutes tun wollen, aber nicht die Verbindung finden", schildert Bäumler die Ausgangslage vor knapp zwei Jahren. Diesen "riesigen Missmatch" soll die App beheben.

Nach einer Pilotphase in München und anschließend in den sieben größten Städten Deutschlands wird das Angebot nun bundesweit ausgeweitet.

Bekanntes Funktionsprinzip

Die Zielgruppe ist groß: Knapp 60 Prozent aller Menschen, die sich nicht ehrenamtlich engagieren, sind dem Deutschen Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministeriums zufolge grundsätzlich dazu bereit. Vor allem Jugendliche und Erwachsene bis zum mittleren Alter können sich vorstellen, ihre Zeit ohne Bezahlung für gute Zwecke zu opfern und ihre Expertise einzubringen. Genau auf diese Altersgruppe zielt Letsact: Im Gegensatz zu vielen anderen Apps, hat sie die üblichen Funktionen sozialer Medien.

So können sich die Nutzer untereinander vernetzen, chatten, zu Projekten einladen und ihre "Timeline" präsentieren. Die Organisationen wiederum stellen ihr jeweiliges Projekt kurz vor, und wer sich nach Filtern und Durchwischen für eines entscheidet, kann sich mit einem einzigen Klick anmelden - langwieriges E-Mail-Schreiben oder Rumtelefonieren entfällt.

Für die Gründer ein Vollzeitjob

Dass die App professionell aufgesetzt ist, sogar mit einem eigenen Web-Interface für die Organisationen, ist Teil des Konzepts der Macher aus Gauting bei München. "Wenn man Brücken bauen will, die die Leute nutzen wollen, dann muss man auf dem Qualitätsniveau abliefern", ist Petersen überzeugt. Ihr Studium haben er und Bäumler deshalb auf Eis gelegt. Auch ihre vier Mitstreiter sind Vollzeit dabei, hinzu kommen noch vier Werkstudenten.

"Wir haben jetzt über 10.000 Nutzer, die aktiv nach Projekten suchen, und über 200 Organisationen", berichtet Petersen. Mehr als 3000 Vermittlungen habe es bereits gegeben. Ziel sei es, bis Jahresende bundesweit ein flächendeckendes Angebot bereitzustellen und 50.000 aktive Nutzer zu haben.

Doch die Pläne reichen noch weiter, wie Bäumler betont: "Langfristig wollen wir auf jeden Fall in mehreren Ländern aktiv sein und die Mehrheit dazu bringen, Gutes zu tun und das Ehrenamt ins tägliche Leben zu integrieren."

Eine App, auf die junge Leute gewartet haben

Definitiv der richtige Ansatz, findet Klaus Hurrelmann, Mitautor der renommierten Shell-Jugendstudien. "Das müsste eigentlich voll zünden. Das ist die Form und das Format, auf das die jungen Leute gewartet haben." Studien zufolge meiden die 15- bis 25-Jährigen nämlich zunehmend große, schwerfällige Organisationen wie die Parteien und die Kirchen, aber auch große Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder Amnesty International, die früher hoch im Kurs waren.

"Die Barriere liegt einmal natürlich in der inneren Motivation - warum soll man das tun, was hat man davon?", erläutert Hurrelmann. "Aber es liegt auch in der Sorge, dass man da in eine Apparatur hineinkommt, in eine Bürokratie, und wenn man dann noch in irgendeiner Form Mitglied sein muss, hört der Spaß auf, denn alle Jungen haben Angst, als Mitglied ein Leben lang gebunden zu sein." Die Organisationen müssten den Freiwilligen deshalb das Gefühl geben, dass sie selbst die Dinge in der Hand hätten und etwas bewirken könnten - am besten in möglichst kleinen Strukturen.

Die Letsact-Gründer reden deshalb gern vom Volunteering - und ermutigen die Organisationen, auch kürzere, zeitlich klar abgegrenzte Projekte in der App anzubieten. So könne jeder sich einbringen, auch wenn er nur einige wenige Stunden Zeit übrig habe.

Letsact steht sowohl für Android, als auch für iOS kostenlos zum Download bereit.

Elke Richter, dpa/cva

Mehr zum Thema


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.