Kontaktnachverfolgung Luca-Betreiber wollen App mit Preisnachlässen anbieten

13 Bundesländer müssen entscheiden, ob sie ihre Lizenzen für das Luca-System verlängern. Nicht alle wollen das. Die Betreiber machen nun Sonderangebote – und planen für die postpandemische Zeit.
Luca-Check-in: Pro Gesundheitsamt künftig 9000 Euro im Jahr statt bislang 18.000 Euro

Luca-Check-in: Pro Gesundheitsamt künftig 9000 Euro im Jahr statt bislang 18.000 Euro

Foto: Marijan Murat / dpa

Winterschlussverkauf bei Luca: Die Macher der umstrittenen Kontaktnachverfolgungs-App kommen den Bundesländern bei den laufenden Verhandlungen über Vertragsverlängerungen entgegen. Die Länder müssen sich nicht mehr für ein volles Jahr auf die Nutzung des Luca-Systems verpflichten, sondern können sich Monat für Monat entscheiden, ob ihre Gesundheitsämter die Luca-Daten nutzen sollen, teilte die Betreibergesellschaft Cultur4Life am Montag in Berlin mit.

Gleichzeitig halbierten die Luca-Macher die Kosten: Pro Gesundheitsamt werden künftig 9000 Euro pro Jahr fällig statt bislang 18.000 Euro. Damit könne die Infrastruktur und Software des Luca-Systems erhalten bleiben, sagte Culture4Life-Geschäftsführer Patrick Hennig der Deutschen Presse-Agentur.

Die Luca-App sollte vor rund einem Jahr die in den meisten Infektionsschutzverordnungen vorgeschriebene Erfassung der Kontaktdaten von Restaurantgästen und Eventbesuchern möglichst datenschutzfreundlich und effizient erledigen. An dem System entzündete sich aber immer wieder heftige Kritik, etwa wegen Sicherheitslücken und der Kommunikation der Betreiber dazu. Außerdem bezweifeln Expertinnen und Experten, dass das Luca-System die Gesundheitsämter tatsächlich wirkungsvoll unterstützen kann.

Berlin, Brandenburg und Bremen verlängern wohl nicht

Die Luca-Verträge mit 13 Bundesländern (alle außer Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen) hatten bislang ein Jahresvolumen von rund 20 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Bislang hat von den 13 Luca-Vertragsländern nur Schleswig-Holstein eine Kündigung schriftlich ausgesprochen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass auch Bundesländer wie Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Bremen vor einer Vertragskündigung stehen.

Hennig sagte, damit dem Gesundheitsschutz weiterhin maximal gedient sei, wolle Luca den Bundesländern die Flexibilität geben, das System immer dann einzusetzen, wenn sie es brauchen. »Luca wird die Basisversorgung mit der Luca-Technologie in jedem Bundesland langfristig aufrechterhalten und jedem Bundesland die Möglichkeit geben, jederzeit nach Bedarf das System für einen quasi beliebigen Zeitraum einzusetzen.« Eine entsprechende Information sei bereits an die Bundesländer verschickt worden.

Gleichzeitig wolle sich Luca stärker als Digitalisierungspartner der Gastronomie und Kulturbranche positionieren. Gastronomen und Veranstalter müssten heute »den Impfnachweis kontrollieren, daneben sich den Personalausweis und gegebenenfalls eine Reservierung und ein Ticket zeigen lassen«, heißt es in der Pressemitteilung. Das alles könne Luca in einem Schritt abbilden: »Mit der Funktion einer digitalen ID, basierend auf dem Personalausweis«.

Außerdem würden auch die Gesundheitsämter »in einer endemischen Situation eine digitale Lösung brauchen, mit der sie möglichst viele Bürger:innen digital informieren können«. Im vergangenen August hatte Hennig dem SPIEGEL noch gesagt, es gebe kein postpandemisches Geschäftsmodell für Luca.

pbe/dpa
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