Luca und andere Apps Kanzleramtsminister drängt auf schnelle Lösung zur Kontaktverfolgung

Zur Kontaktverfolgung von Coronafällen plädiert Kanzleramtsminister Helge Braun für eine einheitliche Lösung – möchte sich aber auf keine Empfehlung festlegen. Kritiker halten die Luca-App für intransparent.
Kontaktverfolgung per QR-Code: Soll in Deutschland bald zentral geregelt werden

Kontaktverfolgung per QR-Code: Soll in Deutschland bald zentral geregelt werden

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Der Chef des Bundeskanzleramtes, Helge Braun (CDU), plädiert für eine schnelle Entscheidung zu einer Corona-Kontaktverfolgungslösung wie etwa der Luca-App. Der Start einer solchen App könnte zum 22. März erfolgen, sagte Braun am Dienstag auf einer Veranstaltung des Softwarekonzerns Microsoft. Ab dann soll in Regionen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt, die Außengastronomie wieder geöffnet werden.

Braun betonte, der Bund sei bereit, die Infrastruktur für die digitale Vernetzung der Gesundheitsämter in Deutschland zu finanzieren. Bei den diskutierten Kontaktverfolgungs-Apps wollte sich Braun aber nicht ausdrücklich auf das Luca-System festlegen.

Mit den Ländern sei vereinbart worden, dass die sich möglichst auf ein System einigen sollten. »Uns wäre es sehr recht, wenn die Länder eine möglichst einheitliche Lösung haben, die wir schnell an die Gesundheitsämter anbinden können – also kein Schnittstellen-Wirrwarr«, sagte Braun. Auch der Handelsverband Deutschland sprach sich für eine einheitliche Lösung aus.

Das Bündis »Wir für Digitalisierung« aus Programmierern, Start-ups und Interessengemeinschaften hält dagegen: Selbst mit verschiedenen Apps ließe sich ein »Schnittstellen-Wirrwarr« vermeiden, da mehrere Apps problemlos die gleiche Schnittstelle nutzen können. In einem Statement der Initiative heißt es: »Es muss egal sein, mit welcher App ein Betrieb digitale Kontaktdaten erfasst. Wichtig ist, dass das Gesundheitsamt über eine einheitliche, offene Schnittstelle darauf zugreifen kann.«

Mecklenburg-Vorpommern prescht als erstes Land vor

Am Mittwoch teilte Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland mit, die Lizenz für die Luca-App erworben zu haben. Mecklenburg-Vorpommerns Digitalisierungsminister Christian Pegel nennt die App »einen wichtigen Baustein bei weiteren Öffnungsschritten«, weil sie »eine verlässliche und datenschutzkonforme Kontaktnachverfolgung« ermögliche. Auch in Thüringen soll in der kommenden Woche über die Nutzung der Luca-App entschieden werden. In der Stadt Jena läuft zurzeit ein Modellversuch mit der App.

Mit Apps wie der Luca-App können sich Menschen bei Veranstaltungen oder Gastronomiebesuchen über einen QR-Code einchecken. Falls nötig, können sie so über einen Corona-Ausbruch informiert werden – ohne, dass handschriftliche Listen mit Kontaktdaten ausgewertet werden müssen. In anderen Ländern, beispielsweise England, ist die sogenannte »Clusternachverfolgung« über die offizielle Corona-Warn-App möglich. In Deutschland hat die Corona-Warn-App diese Funktion nicht, auch wenn Experten und Expertinnen dies immer wieder fordern.

Kritik von Datenschützern und Wettbewerbern

Kritisiert wird die Luca-App, weil sie nicht quelloffen entwickelt wurde. Wie die Verschlüsselung der Daten und die Anbindung an die Gesundheitsämter funktionieren soll, ist deshalb nicht öffentlich einsehbar oder überprüfbar. Die Linkenabgeordnete Anke Domscheit-Berg nennt die App »intransparent«: »Für mich ist damit keine Vertrauenswürdigkeit in die Luca-App gegeben«, schreibt sie auf Twitter.

Wettbewerber der Luca-App kritisieren derweil das undurchsichtige Vergabeverfahren und die Fokussierung vieler Politiker und Politikerinnen auf die eine App. »Es gefällt mir nicht, dass alle nur über Luca reden«, sagte Jan Kus von der Initiative »Wir für Digitalisierung« dem SPIEGEL. Er schlägt eine Plattform vor, an die alle Anbieter andocken können, um Daten gesammelt an die Gesundheitsämter zu schicken. Die Luca-App wurde unter anderem durch einen Auftritt von Smudo, Sänger der Fantastischen Vier, und einem der Entwickler bei »Anne Will« bekannt.

jlk/dpa/rtrs
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