Digitale Kontaktnachverfolgung Bund und Länder erwägen Einsatz der Luca-App

Die App Luca, an der auch Rapper Smudo beteiligt ist, hat erst in einigen Gegenden Partnerschaften mit dem Gesundheitsamt. Aber jetzt ist Luca als bundesweite Ergänzung zur Corona-Warn-App im Gespräch.
App Luca: Von der Bundeskanzlerin als Beispiel erwähnt

App Luca: Von der Bundeskanzlerin als Beispiel erwähnt

Foto: Wedel / imago images / Kirchner-Media

Bund und Länder wollen sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet zufolge bis Montag über eine neue App zur Kontaktnachverfolgung austauschen. Das deckt sich mit Angaben aus dem Bundesgesundheitsministerium. »Wir haben uns verständigt, es muss bundeseinheitlich sein«, sagte der CDU-Vorsitzende Laschet im Landtag. Eine solche Lösung könne Besuche in Restaurants und Kinos erleichtern. Im Gespräch ist unter anderem die App Luca, an deren Entwicklung auch Rapper Smudo von den Fantastischen Vier beteiligt ist. (Mehr zu Luca und ähnlichen Angeboten lesen Sie hier.)

Bund und Länder hatten am Mittwoch einen Stufenplan beschlossen, mit dem die Menschen in Deutschland Schritt für Schritt aus dem Corona-Shutdown herauskommen sollen. Helfen soll dabei eine Smartphone-App zur »Kontaktnachverfolgung insbesondere für Besuche von Veranstaltungen, von Außengastronomie und Ähnlichem«, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach den Beratungen sagte. Eine Entscheidung für eine bestimmte App, die dann die Corona-Warn-App flankieren würde, gibt es bislang noch nicht. Kanzlerin Merkel erwähnte Luca am Mittwoch allerdings als Beispiel . Auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) soll nach Angaben der »Bild«-Zeitung  von Luca angetan sein.

Die Idee hinter Apps wie Luca: Es soll überflüssig werden, dass Menschen bei jedem Restaurant- oder Konzertbesuch ihren Namen und ihre Adresse auf einen Zettel schreiben, den der Wirt oder Veranstalter dann für eine mögliche Kontaktnachverfolgung aufheben und im Infektionsfall an das Gesundheitsamt übergeben muss. Stattdessen sollen Nutzer der App mit wenig Aufwand ihren Besuch im Restaurant dokumentieren können. Dazu scannen sie am Eingang einen QR-Code ein. Wenn sie das Restaurant oder die Konzertlocation wieder verlassen, checken sie aktiv aus; alternativ ist auch ein automatisches Auschecken über die Ortungsfunktion ihres Handys vorgesehen.

»Die Länder werden sich kurzfristig für ein solches System entscheiden«, sagte Angela Merkel. »Das Ganze wird mit den Gesundheitsämtern verbunden, sodass wir bundeseinheitlich eine elektronische Kontaktnachverfolgung in der Länderkompetenz durchsetzen können.«

»Autobahn ins Gesundheitsamt«

Mit der Luca-App, die an einigen deutschen Orten bereits getestet wird, lassen sich prinzipiell auch private Treffen dokumentieren. Dazu können in der App QR-Codes generiert und mit denen von Freunden und Familie verknüpft werden. Sinn ergibt das vor allem an Orten, an denen das Gesundheitsamt bereits eine Partnerschaft mit den App-Machern eingegangen ist.

Entwickelt wurde die App von den drei Berlinern Philipp Berger, Marcus Trojan und Patrick Hennig. Ihre Firma Nexenio ist eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, unterstützt werden sie von Kulturschaffenden wie Smudo. Nach Angaben der Macher soll die Luca-App die Corona-Warn-App des Bundes nicht ersetzen, sondern ergänzen, indem sie die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter vereinfacht.

Markus Bublitz, der für die Luca-App Öffentlichkeitsarbeit betreibt, verglich sie am Donnerstag auf Twitter mit einer »Autobahn ins Gesundheitsamt«. Die App ermögliche es, »den Ursprung von Infektionsketten zu entdecken und in Minutenschnelle die entsprechenden Personen zu informieren«.

Die Corona-Warn-App, die ab einer gewissen Dauer auch Begegnungen jenseits von Orten wie Restaurants nachhält, bezeichnete Bublitz als »wichtig«. Die Luca-App sollte Bublitz' Meinung nach »nicht dazu führen, dass die Corona-Warn-App als tägliches, individuelles Warnradar deinstalliert wird«.

Während die Corona-Warn-App anonym genutzt wird, meldet man sich bei der Luca-App mit seiner Telefonnummer an. Die App ist für iOS, Android und als Web-Variante verfügbar und für die Nutzer, aber zum Beispiel auch für Restaurantbetreiber kostenlos. Die Daten werden nach Angaben der Entwickler verschlüsselt gespeichert. Anders als die Corona-Warn-App ist die Luca-App aber keine Open-Source-Lösung, bei der auch Dritte die technische Sicherheit überprüfen könnten.

Die Daten werden verschlüsselt

Von Restaurantbetreibern oder Veranstaltern können die Daten nicht eingesehen werden, heißt es von den Luca-Machern, wohl aber von angeschlossenen Gesundheitsämtern – wenn die Nutzer dies erlauben. Wird ein Infektionsfall gemeldet, kann das Gesundheitsamt Nutzer um eine Freigabe ihrer Daten bitten. Anhand der Aufenthaltsorte der letzten 14 Tage kann das Gesundheitsamt dann die Veranstaltungsorte kontaktieren und auch sie um eine Freigabe der verknüpften Datensätze bitten. So kann das Gesundheitsamt dann etwa alle anderen Nutzer warnen, die zusammen mit dem Infizierten im Restaurant waren.

Die Einbindung der Gesundheitsämter steht bisher aber noch am Anfang: Von etwa 400 Gesundheitsämtern in Deutschland machen nach Angaben der Luca-Entwickler derzeit erst 40 mit, etwa in Jena, auf den Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr und im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Behörden bei der Umstellung auf digitale Schnittstellen wie Sormas nicht hinterherkommen. Als erstes Bundesland flächendeckend zum Einsatz bringen  will die Luca-App offenbar Thüringen.

Erprobt wurde Luca nach Angaben der Macher schon in Bürgerämtern, bei Stadtratssitzungen, in Alten- und Pflegeheimen sowie in Büros. In Restaurants, Bars oder Konzerthallen kann die App wegen des Shutdowns aktuell ohnehin noch nicht unter Realbedingungen genutzt werden.

»Das muss auf regionaler Ebene passieren«

Aus dem Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn hieß es am Donnerstag, »Angebote zur digitalisierten Kontaktdatenerfassung« könnten »eine sinnvolle Ergänzung« zur Corona-Warn-App sein. Prinzipiell könnte jedes Bundesland die Luca-App oder ein vergleichbares Angebot auch schon jetzt nutzen. »Aber die Bundesländer müssen dafür auch ihre Corona-Schutzverordnungen anpassen, und die Gesundheitsämter müssen diese Systeme integrieren. Das muss auf regionaler Ebene passieren.«

Zudem wies das Ministerium darauf hin, dass die Bundesregierung an einer Eventregistrierungsfunktion für die Corona-Warn-App arbeite. Diese Funktion soll demnach »zeitnah nach Ostern« zur Verfügung stehen und den Nutzern wie bislang Anonymität bieten.

»Für ein bestimmtes Event wird ein QR-Code erzeugt, den alle mit der App einscannen«, beschreibt das Ministerium den geplanten Ansatz. »Dabei werden keine persönlichen Daten ausgetauscht. Aber wenn jemand positiv getestet wird und das in die App eingibt, werden alle anonym gewarnt.«

mbö/Reuters/AFP