Verschlüsselter Messenger Signal testet Bezahlfunktion mit Kryptowährung

Die WhatsApp-Alternative soll in Zukunft nicht nur abhörsichere Kommunikation bieten, sondern auch nicht nachverfolgbare Transaktionen. Experten halten das für eine schlechte Idee.
Messenger-Apps

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Die für ihre Datensparsamkeit und starke Verschlüsselung bekannte Messenger-App Signal testet in Großbritannien eine Bezahlfunktion  mit MobileCoin. Nutzerinnen und Nutzer der Betaversion von Signal können sich die vergleichsweise unbekannte Kryptowährung gegenseitig schicken. Signals Ziel ist es laut »Wired« , eine Möglichkeit zu bieten, Geld so zu versenden, dass es außer Sender und Empfänger niemand sehen oder nachverfolgen kann.

Zwischen Signal und MobileCoin gibt es schon länger ein Verbindungsglied: Signal-Gründer Moxie Marlinspike war bezahlter Berater von MobileCoin und an der Entwicklung beteiligt. Die zugrunde liegende Technik soll sicherstellen, dass Überweisungen weitgehend anonymisiert und die Höhe der Transaktionen verschleiert werden.

Signal-Nutzerinnen und -Nutzer, die das System schon testen können, müssen dazu eine MobileCoin-Wallet einrichten und mit ihrer Signal-App auf dem Smartphone verknüpfen. Bisher kann man MobileCoin nur auf der Kryptowährungsbörse FTX kaufen. Der Wert schwankt stark , allein in den vergangenen 24 Stunden lag er mal bei 27 Euro und mal bei 61. Für Nutzerinnen und Nutzer ist das ein Problem, weil sie beim Umwandeln in im Alltag nützlichere, klassische Währungen mit starken Verlusten rechnen müssten.

Fachleute wie der Kryptografie-Professor Matthew Green halten den Schritt ohnehin für gefährlich, weil Signal damit eine weitergehende Regulierung geradezu anziehe: »Es entsetzt mich geradezu, dass sie diese wirklich saubere Story eines verschlüsselten Messengers mit dem Albtraum aus Gesetzen und Regularien vermischen, den Kryptowährungen mit sich bringen«, sagte er »Wired«. So sieht es auch der Sicherheitsexperte Bruce Schneier .

Marlinspike aber glaubt, dass Signal keine weitere Regulierung zu befürchten habe, da Signal keine Kontrolle über MobileCoin haben werde. MobileCoin-Gründer Josh Goldbard sagte »Wired« sogar, Signal müsse eine Bezahlfunktion einführen, »um wettbewerbsfähig mit den Top-Messaging-Apps der Welt zu bleiben«.

Bisher hat sich Signal allerdings eher nicht als übermäßig wettbewerbshungrig dargestellt. »Signal arbeitet nicht gewinnorientiert«, hatte Marlinspike im Februar im Gespräch mit dem SPIEGEL betont. »Wir werden mit Spenden direkt von denjenigen unterstützt, die unsere App nutzen. Und bisher sieht es so aus, als ob die Menschen Signal und ihre Privatsphäre für wichtig genug halten, um das Projekt am Laufen zu halten.«

pbe
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