Ärger über »Produktivitätswert« Microsoft entschärft Mitarbeiterüberwachung per Office

Nach heftiger Kritik will Microsoft nun doch nicht ermöglichen, die Produktivität einzelner Mitarbeiter per Software zu bewerten. Im Hintergrund forscht die Firma aber offenbar weiter an solchen Möglichkeiten.
Zusammenarbeit im Team: Microsoft will messen, wie gut Unternehmen dazu seine Software nutzen

Zusammenarbeit im Team: Microsoft will messen, wie gut Unternehmen dazu seine Software nutzen

Foto: AndreyPopov / Panthermedia / imago images

Als Microsoft vergangenen Woche das neue Office-Tool Productivity Score – zu Deutsch »Produktivitätswert« – präsentierte, sah sich das Unternehmen offenbar unerwartet heftiger Kritik ausgesetzt. Gewerkschaften, Datenschützer und Juristen waren entsetzt von den Möglichkeiten, die das neue Werkzeug bieten sollte. Unter anderem hatte Jared Spataro, der Microsoft 365 und damit Microsofts Office-Programme verantwortet, in einem Video gezeigt, wie sich mit dem Tool jene Angestellte identifizieren lassen, die besonders stark auf digitale Kommunikation setzen. Umgekehrt wäre das natürlich ebenso möglich.

Das Statistik-Tool zeigt unter anderem an, wann und wie viele E-Mails die Angestellten an welchen Tagen des vergangenen Monats mit Outlook verschickt haben und wie lange und oft sie über Teams miteinander gesprochen oder gechattet haben. Vom SPIEGEL angefragte Experten rieten davon ab, diese Art der Mitarbeiterkontrolle in Deutschland zu nutzen.

Solche Kritik ist augenscheinlich bei Microsoft angekommen. Am Dienstag erklärte Jared Spataro in einem Blogpost , wie man das Tool nun verändern wolle, »um die individuelle Privatsphäre zu schützen«. Dazu gehört in erster Linie, dass Nutzernamen komplett aus der Software entfernt werden sollen. Die Anzeige des Nutzungsverhaltens einzelner User soll so nicht mehr möglich sein.

Keine Sammlung individueller Daten

Daten über die Nutzung von Onlinemeetings, über Kommunikationsmöglichkeiten, über den Datenaustausch untereinander sowie über die Online-Zusammenarbeit und Ähnliches sollen nun nur noch auf Unternehmensebene gesammelt werden. »Niemand in der Organisation wird in der Lage sein, den Produktivitätswert zu verwenden, um auf Daten darüber zuzugreifen, wie ein einzelner Benutzer Anwendungen und Dienste in Microsoft 365 nutzt«, versichert Spataro.

Zudem wolle man die Benutzeroberfläche insofern verändern, dass sie besser reflektiert, dass der Produktivitätswert »ein Maß dafür ist, wie ein Unternehmen Technologie für sich nutzbar macht – nicht der einzelne Anwender«. Es habe wohl einige Verwirrung darüber gegeben, was der Produktivitätswert sei, schreibt der Manager weiter und erklärt, der Wert sei nie dazu gedacht gewesen, einzelne Nutzer zu bewerten. Stattdessen gehe es darum, wie gut ein Unternehmen die technischen Möglichkeiten einsetzt.

Microsoft forscht weiter

Aus dem Ideenpool des Unternehmens scheint der Gedanke, das Verhalten einzelner Nutzer zu analysieren, dennoch nicht verschwunden zu sein. Das Techblog »Geekwire « verweist auf kürzlich von Microsoft eingereichte Patentanträge, die unter anderem ein System beschreiben, das die Qualität von Meetings bewerten soll. In diese Bewertung sollen Informationen wie »die Körpersprache, Gesichtsausdrücke, Raumtemperatur, Tageszeit und die Anzahl der Personen in der Besprechung« einfließen.

Aus einem solchen Patentantrag muss allerdings kein konkretes Produkt werden. Laut »Geekwire« gibt es derzeit auch keinen Hinweis, dass Microsoft plant, die in der Patentschrift skizzierte Technologie jemals zu nutzen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.