Neue App Summly kürzt die Nachrichten

Nachrichten für unterwegs, aber bitte schön kurz: Summly kürzt Artikel auf iPhone-Bildschirmlänge zusammen. Die App versteht sich vorerst nur auf englische Texte. Von der eleganten Oberfläche und einfachen Bedienung können andere Medien lernen.
Summly-App: Nachrichten, automatisch eingekürzt auf maximal 400 Zeichen

Summly-App: Nachrichten, automatisch eingekürzt auf maximal 400 Zeichen

Ein 17-jähriger Brite zeigt Medienunternehmen gerade, wie eine moderne Nachrichten-App für Smartphones aussieht. Summly heißt das iPhone-Programm von Nick D'Aloisio und seinen Mitarbeitern. Hinter der eleganten Oberfläche verbirgt sich ein Algorithmus, der Nachrichten automatisch auf 400 Zeichen eindampft - und zwar so, dass der Kern der Nachricht erhalten bleibt, noch dazu in lesbaren Sätzen. Die passen dann genau auf eine iPhone-Bildschirmseite.

Mehr als eine Twitter-Nachricht, weniger als der ganze Artikel - das funktioniert erstaunlich gut. Eine "Venture Beat"-Meldung von 2497  Zeichen kürzt Summly auf 346 Zeichen ein. Dabei werden zwei Sätze aus der ursprünglichen Meldung genommen, ein dritter Satz entsteht durch die Kombination zweier Sätze. Der Kern der Nachricht ist getroffen, wer mehr lesen will, gelangt durch Tippen auf eine etwas längere Summly-Zusammenfassung der Meldung. Wischt man eine Zusammenfassung nach unten, lädt die Originalseite.

Natürlich funktioniert das nur für den Nachrichtenkern, auf jede Hintergrundinformation muss der Leser verzichten. Oft sind drei Sätze eben nicht ausreichend - die meisten Nachrichten sind komplizierter. Für einen allerersten Überblick aber reicht es.

Die Grundannahme von Summly: Smartphone-Nutzer wollen sich in kurzer Zeit über viele Dinge informieren, die Websites von Medien mit ihren langen Artikeln sind einfach unpraktisch für unterwegs. Schon der Download einer solchen Nachrichtenseite kann dauern. Auf die Bedürfnisse von Smartphone-Nutzern setzen auch die Entwickler von Circa, einer App für News-Häppchen, oder die Macher der "Evening Edition ", einer auf mobile Nutzer ausgerichteten Tageszusammenfassung der Nachrichten.

Teilen-Menü von Summly: Die Oberfläche der App sieht elegant aus und reagiert schnell


Teilen-Menü von Summly: Die Oberfläche der App sieht elegant aus und reagiert schnell

Im Unterschied zu diesen redaktionellen Angeboten ist Summly eine Nachrichtenmaschine. Statt Journalisten entscheiden Algorithmen, welche Nachrichten nun wichtig sind - und wie sie gekürzt werden. Das wiederum unterscheidet Summly von Aggregatoren wie Flipboard, die Links aus sozialen Netzwerken oder von Websites auswerten und Fotos und Überschriften anzeigen.

In einem Test gab Summly bei mehreren Wirtschaftsmeldungen als Quelle Google News an - tatsächlich handelte es sich bei den zusammengefassten Meldungen um Artikel von den Websites großer Tageszeitungen wie der "New York Times".

Summly sortiert die Nachrichten in Themengebiete. Für jedes lässt sich einstellen, in welcher der vorgegebenen Quellen Summly nach News suchen soll. Die Quellen von Summly lassen sich allerdings nicht frei wählen, das Unternehmen arbeitet mit Nachrichtenseiten zusammen, die ihre Artikel von der App zusammengefasst haben wollen. So sollen Nutzer auf Inhalte stoßen, die sie sonst nicht entdecken würden.

Außerdem kann der App aufgeben werden, nach eigens gewählten Themen zu suchen. Hält man seinen Finger länger über einer Meldung, fächert sich ein Menü auf. So lassen sich der Artikel und die Zusammenfassung über Twitter, Facebook oder E-Mail verbreiten oder in eine Favoritenliste speichern.

Mehr als eine Million Dollar  Startkapital soll D'Aloisio gesammelt haben. Bereits vor einem Jahr hatte der damals noch 15-Jährige seine Textkürzungs-App Trimit präsentiert. Im Dezember 2011 folgte ein erster Summly-Prototyp, nun steht die kostenlose App im iTunes-Store zum Download bereit .

Bisher gibt es Summly nur als iOS-App, Versionen für Android und andere mobile Betriebssysteme sollen folgen. Genau wie weitere Sprachversionen - und ein Geschäftsmodell.

ore

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