Bieterrennen Oracle angeblich an TikToks US-Geschäft interessiert

Nach Microsoft und Twitter soll nun auch das Datenbankunternehmen Oracle am Kurzvideodienst TikTok interessiert sein. Wie das zusammenpasst, ist unklar, aber der Deal hätte einen prominenten Unterstützer.
"Ein toller Typ", findet Donald Trump: Oracle-Mitgründer und Chef Larry Ellison

"Ein toller Typ", findet Donald Trump: Oracle-Mitgründer und Chef Larry Ellison

Foto: STEPHEN LAM/ REUTERS

Oracle ist Insidern zufolge in das Bieterrennen für das US-Geschäft des chinesischen Kurzvideodienstes TikTok eingestiegen. Der SAP-Konkurrent habe sich den Kaufavancen einiger Investoren des TikTok-Eigners ByteDance, darunter General Atlantic und Sequoia, angeschlossen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Sie seien an den Nordamerika-Aktivitäten sowie dem Geschäft in Australien und Neuseeland interessiert und bereiteten derzeit ein Angebot vor. Damit würden sie dem weltgrößten Softwarekonzern Microsoft Konkurrenz machen, der bisher als aussichtsreichster Kandidat für den Zuschlag gilt. Dem Kurznachrichtendienst Twitter, der auch Interesse signalisiert haben soll, werden hingegen kaum Chancen zugerechnet

US-Präsident Donald Trump hat ByteDance aufgefordert, TikToks US-Geschäft innerhalb von 45 Tagen zu veräußern . Die US-Regierung sorgt sich um einen angeblichen Missbrauch der Nutzerdaten und will TikTok sowie das Angebot WeChat vom chinesischen Technologieriesen Tencent verbieten. 

"Ein großartiges Unternehmen"

Oracle-Mitgründer Larry Ellison ist einer der wenigen hochrangigen Manager eines Technologiekonzerns, der Trump offen unterstützt.

"Ich denke, Oracle ist ein großartiges Unternehmen", sagte Trump während einer Pressekonferenz in Yuma im US-Bundesstaat Arizona. Mit Blick auf den auf Datenbanklösungen für Unternehmen spezialisierten Konzern gab er sich zuversichtlich, "dass Oracle sicherlich jemand wäre, der damit umgehen könnte." Larry Ellison bezeichnete der US-Präsident als "tollen Typ".

Der Konzern könnte TikTok in den USA übernehmen. Für Oracle würde ein solcher Zukauf eine strategische Neuausrichtung darstellen. Bisher erwirtschaftet der US-Konzern den Großteil seiner Einnahmen mit Softwarelizenzen und Cloudanwendungen, die sich vor allem an Konzerne und weniger an Einzelkunden richten.

Was will Oracle von Tiktok?

Da sich Oracle bisher nicht zu den Gerüchten geäußert hat, machen nun Mutmaßungen die Runde, weshalb das Unternehmen an einer Übernahme des vor allem von jungen Menschen genutzten Dienstes interessiert sein könnte. So vermutet etwa "The Register ", der Konzern wolle die Daten der TikTok-Nutzer in seine Marketingprodukte übernehmen, um diese für Werbetreibende attraktiver zu machen.

Donald Trump hatte TikTok mit der Begründung, die Datensammelei des Unternehmens sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit, vor die Wahl gestellt, das US-Geschäft an eine amerikanische Firma zu verkaufen oder in den USA verboten zu werden. Vor wenigen Tagen hatte er dann angeordnet, dass der TikTok-Betreiber Bytedance die Daten aller Nutzer in den Vereinigten Staaten binnen drei Monaten vernichten müsse. Auch dürfe Bytedance in den USA kein Eigentum mehr besitzen, das für den Betrieb von TikTok genutzt werde.

ByteDance, TikTok, Oracle, General Atlantic sowie Sequoia waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die "Financial Times" hatte als Erstes über das Interesse von Oracle berichtet. 

mak/Reuters
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