Magazin-Flatrate Readly hat keine Tageszeitungen mehr im Angebot

Seit Donnerstag fehlt Readly etwas: Alle vier Tageszeitungen sind aus dem Katalog der Lese-Flatrate entfernt worden, darunter "Bild" und "Welt". Eine fürs Lesen der Zeitungen versprochene Funktion gab es bis zum Schluss nicht.

Jeden Tag die "Bild"-Zeitung lesen: Mit diesem Foto warb Readly im März
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Jeden Tag die "Bild"-Zeitung lesen: Mit diesem Foto warb Readly im März

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Über Readly lassen sich seit Donnerstag keine Tageszeitungen mehr lesen. Im März hatte die Flatrate ihr Portfolio um "Bild", "Welt", "Welt Kompakt" und "B.Z." erweitert, seit dem 1. August aber sind diese Titel nicht mehr verfügbar. Auch ältere Ausgaben der vier Zeitungen lassen sich über Readly nicht mehr abrufen. Weiter zugänglich sind derzeit lediglich die Sonntagsausgaben der Titel.

Das aus Schweden stammende Readly ist primär eine Zeitschriften-Flatrate. Für einen Monatspreis von 9,99 Euro können Nutzer digitale Varianten von zahlreichen Zeitschriften wie "SportBild", "Rolling Stone" und "Cosmopolitan" abrufen, auch viele Hefte aus dem Ausland sind verfügbar. Magazine sind der Schwerpunkt von Readly, die App aber gliedert sich in "Magazine" und "Zeitungen".

Genaue Nutzerzahlen nennt Readly nicht. In einer Pressemitteilung des Dienstes hieß es kürzlich aber, im zweiten Quartal 2018 seien in Deutschland 8,8 Millionen via Readly "bezahlt gelesene Magazinausgaben" gezählt worden.

Eine Testphase ging zu Ende

Auf eine SPIEGEL-Nachfrage hin bestätigte Readly am Donnerstagnachmittag, dass die vier Tageszeitungen fortan nicht mehr auf der Plattform verfügbar sind. Sowohl Axel Springer als auch Readly hätten mit dem Anbieten der Zeitungen "die Flatrate-Umgebung als einen möglichen Vertriebskanal" getestet. Die Länge des Testzeitraums liege "im Ermessen des Verlages".

Von Readly heißt es außerdem, Kunden, die die nun verschwunden Zeitungen gelesen hätten, seien am 22. Juli per E-Mail über den Vorgang informiert worden - ob das wirklich in allen Fällen geschehen ist und vor allem wahrgenommen wurde, konnte der SPIEGEL nicht nachvollziehen. Mehrere Readly-Nutzer jedenfalls zeigten sich am Donnerstagmorgen überrascht oder verärgert.

Auf Twitter erklärte der deutsche Account von Readly in einer Reaktion, die Tageszeitungen seien "auf Betreiben des Verlages", also auf Betreiben von Axel Springer, entfernt worden: "Leider müssen wir diese Entscheidung akzeptieren."

Axel Springer teilte dem SPIEGEL mit, "wie angekündigt" habe man Readly "zeitlich begrenzt als zusätzlichen Kanal getestet, um daraus gemeinsam mit Readly weitere Erkenntnisse für den digitalen Vertrieb zu gewinnen". Diesen Test habe man nun für "Welt", Welt Kompakt", "Bild" und "B.Z." beendet. Im Fall von "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" laufe er noch bis Ende August.

Apple News+ gibt es noch nicht

Die Erweiterung des Angebots um die vier Springer-Tageszeitungen hatte im März wie eine Reaktion Readlys auf die damals unmittelbar bevorstehende Enthüllung eines Apple-Lesedienstes namens Apple News+ gewirkt. Die Apple-Flatrate startete letztlich aber zunächst nur in den USA und in Kanada. Eine derart direkte wie prominente Konkurrenz blieb Readly so zumindest auf dem deutschen Markt erspart. Lag es möglicherweise auch daran, dass ein im März versprochenes Feature für Leser der Zeitungen nie umgesetzt wurde?

Bei Bekanntgabe der Kooperation mit Axel Springer hatte Readly jedenfalls in Aussicht gestellt, die Tageszeitungen seien "ab April" sowohl im Original-Layout als auch in einer "mobil-optimierten Ansicht" lesbar: "Es genügt dann ein Klick auf das runde gelbe Icon, um sich den Artikel übersichtlich in einer einzigen Spalte und in frei einstellbarer Schriftgröße anzeigen zu lassen."

Freigeschaltet wurde diese, damals auch in einem SPIEGEL-Artikel erwähnte Funktion aber nicht. Als der SPIEGEL Anfang Mai noch einmal bei Readly danach fragte, hieß es, das Feature habe sich "tatsächlich verzögert und soll sehr bald (im Mai) kommen". Auch daraus wurde letztlich nichts.

Auf eine aktuelle Nachfrage zur Lesefunktion teilt Readly mit, man biete das "mobile Lesen" für "viele unserer Zeitschriften" an. Für Zeitungen aber habe man dieses Feature "verschoben". Dazu, ob bei Readly demnächst neue Tageszeitungen verfügbar sein werden, heißt es so allgemein wie unkonkret: "Wir fügen ständig neue Inhalte zu unserem Portfolio hinzu."

Update, 4. September 2019: Von Readly heißt es in einer aktuellen Stellungnahme übrigens, dass die Axel-Springer-Wochenzeitungen, also "Bild am Sonntag", "Welt am Sonntag", "Welt am Sonntag Kompakt" und "B.Z. am Sonntag", weiter auf der Plattform verfügbar bleiben werden.



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StefanGCZ 01.08.2019
1.
Ich kann zumindest bestätigen, dass ich eine Email dazu bekommen habe. Aber ich nutze die App eh nur für Magazine, von daher für mich nicht entscheidend.
fatherted98 02.08.2019
2. habe es nur kurz genutzt....
....wenn man die Magazine liest....gerade Sport und Life Style....es steht immer das Gleiche drin. Politik und Wirtschaft bekommt man über Portale kompakter und schneller.....letztlich mal ganz nett im Urlaub wenn man viel Zeit und Muße hat....aber auf Dauer abonniere ich es nicht mehr....die Tageszeitungen waren ein Anreiz....aber war ja nur Springer Presse....und zum Teil sehr unscharf eingescannt ohne Lupenfunktion....machte das lesen schwierig....
mixow 02.08.2019
3. Kommt nicht an read-it heran
Unberschämt, dass so ein großer Laden wie Readly die Lesefunktion ankündigt, aber nicht umsetzt. Und wenn man den Kommentaren im Internet glauben darf, haben sie das Entfernen der Zeitungen nicht einmal kommuniziert. Ich bin vor einigen Monaten zu read-it gewechselt. Die haben zwar keine Springer-Presse, sondern nur qualitative Tageszeitungen, bieten aber dafür den hier fehlenden Lesemodus an, mit Angebot sogar günstiger als Readly. Das kostenlose Modell bei read-it ist meiner Ansicht nach aber kaum verwendbar.
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