Rechtes Onlinenetzwerk Parler ist wieder online

Die bei den Anhängern von Donald Trump beliebte Plattform Parler ist nach einer rund einmonatigen Zwangspause wieder online – und hat vorläufig einen neuen Chef. Wer der technische Dienstleister ist, ist noch unklar.
Parler war Mitte Januar nach dem Sturm des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger vom Netz gegangen

Parler war Mitte Januar nach dem Sturm des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger vom Netz gegangen

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Die bei Anhängern von Ex-Präsident Donald Trump und der amerikanischen Rechten populäre Twitter-Alternative Parler ist nach einer gut einmonatigen Zwangspause wieder online. Am Montag konnten wieder Nachrichten abgesetzt werden. Widersprüchliche Informationen gab es zunächst dazu, ob auch bereits neue Accounts angelegt werden konnten. Parler war Mitte Januar nach dem Sturm des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger vom Netz gegangen, weil Amazon als Infrastruktur-Dienstleister die Plattform unter Verweis auf Gewaltaufrufe von den Servern warf. Zunächst blieb unklar, wer jetzt der technische Dienstleister ist.

Die neue Plattform basiere auf einer »nachhaltigen, unabhängigen Technologie«, hieß es seitens des Onlinenetzwerks. In einer Erklärung, die den Relaunch ankündigte, hieß es laut der Nachrichtenagentur Reuters zudem, dass Mark Meckler zum vorläufigen Geschäftsführer ernannt worden sei. Dieser ersetzt den vormaligen CEO John Matze, der Anfang Februar entlassen wurde. Meckler hatte 2009 die rechte Gruppierung »Tea Party Patriots« mitgegründet.  

Parler war im Jahr 2018 gestartet und ist eine Heimat für Rechtsextremisten und andere stark rechtsgerichtete Gruppierungen. Seitdem Konzerne wie Facebook und Twitter aktiv gegen Falschmeldungen sowie rassistische und gewaltverherrlichende Inhalte vorgehen, hatte Parler verstärkten Zulauf bekommen.

Nach der Erstürmung des Kapitols in Washington durch militante Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump am 6. Januar hatten die Internetgiganten Amazon, Apple und Google dann ihre Verbindungen zu Parler gekappt.

Trump war nach der Attacke auf das Parlamentsgebäude bei Twitter und Facebook gesperrt worden. Twitter – die für ihn bis dahin mit Abstand wichtigste Plattform – betonte vergangene Woche bereits, dass es für den Ex-Präsidenten keinen Weg zurück gebe. Facebook lässt die Blockade noch von einem unabhängigen Gremium prüfen, das die Entscheidungen des Onlinenetzwerks rückgängig machen kann.

Laut Medienberichten umwarb Parler Trump bereits, als er noch Präsident war – mit dem Vorschlag, die App zu seinem exklusiven Kommunikationskanal zu machen. Personen in Trumps Umfeld hatten Parler immer wieder als Alternative zu Twitter oder Facebook beworben, weil diese vermeintlich konservative Ansichten unterdrückten.

ngo/dpa/Reuters/AFP