Refugee-Hackathon Hacken für Flüchtlinge

Beim Refugee-Hackathon haben 300 Programmierer und Entwickler Software für Flüchtlinge und ihre Unterstützer entworfen - von der Sprach-App bis zum digitalen Fluchthelfer. Wir stellen einige Teilnehmer und Projekte vor.
Programmierer beim Hackathon in Berlin: Hier entstehen digitale Helfer für Flüchtlinge

Programmierer beim Hackathon in Berlin: Hier entstehen digitale Helfer für Flüchtlinge

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Sie kamen aus Köln, München, Bukarest und San Francisco: 300 Programmierer und Entwickler haben sich am Wochenende in Berlin zum Refugee Hackathon getroffen. Netz-Aktivistin Anke Domscheit-Berg hatte zu dem Programmiertreffen für Flüchtlinge aufgerufen - und wurde von Zusagen überrollt.

265 Liter Club Mate und Kaffee später haben die IT-Spezialisten mehr als 18 Projekte für die Flüchtlingshilfe weiterentwickelt oder frisch aus dem Boden gestampft.

Wir stellen einige Projekte und Teilnehmer vor:

1. Fluchthelfer im Smartphone

Fast jeder Mensch auf der Flucht besitzt ein Handy. Das Projekt Transit will Flüchtlinge unterwegs mit zuverlässigen Informationen aus Helferhand versorgen: Wo sind die Kommunen heillos überfordert? Wo sind die Grenzen dicht? Anlaufstellen sollen mit Symbolen auf einer Karte angezeigt werden, Breaking News über einen Extra-Kanal eingespielt werden.

Die Grundidee stammt von einer Flüchtlingshelferin aus Kiel. Ein achtköpfiges Entwicklerteam hat sich des Projekts am Wochenende erstmals angenommen und bastelt jetzt an einem Prototypen. "Hätte es das bei meiner Flucht schon gegeben - ich hätte es sofort benutzt", sagt der 24-jährige Hekmat, der einen Monat lang aus Syrien über die Balkanroute nach Deutschland gereist ist.

2. Nummer ziehen und gehen

Im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) warten Hunderte Neuankömmlinge tage- und wochenlang darauf, dass ihre Nummer aufgerufen wird. Das Vergabesystem ist undurchsichtig. Wer seinen Termin nicht verpassen will, muss in der Nähe des Bildschirms bleiben. Fünf Berliner IT-Experten wollen Neuankömmlingen mit der Webseite LaGeSoNum  nun Freiheit verleihen: Flüchtlinge erfahren nach Eintragen ihrer Nummer und einem Klick online, wann sie an der Reihe sind.

Die Seite gibt es schon, beim Hackathon wurde außerdem der Grundstein für eine App mit Push-Benachrichtigungen gelegt. Das Problem: Das Amt muss kooperieren und die Nummern frühzeitig liefern. Eine Anfrage wurde vor Wochen gestellt, blieb bisher aber noch ohne Zusage. Deswegen tippen zurzeit Ehrenamtliche die Wartenummern vom Bildschirm vor dem Amt ab - wenn sie denn Zeit dazu haben.

3. Die richtigen Worte finden

Das Gemeinschaftsprojekt Refugee Phrasebook hat sich als Sprachhelfer für die ersten Wochen nach der Ankunft bereits bewährt. Das Booklet wird in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Kroatien, Albanien, Slowenien und Griechenland verwendet. In 28 Sprachen listet es Übersetzungen der häufigsten Sätze aus Medizin und Recht auf. Mit zum Teil überlebenswichtigen Spezialisierungen: Auf Kroatisch gibt es zum Beispiel eine Extrasparte zum Thema Minenfelder. Auf dem Hackathon arbeiteten die Entwickler daran, die Tabellen noch besser für das Drucken und Verteilen vor Ort aufzubereiten.

Ganz neu hingegen entstand das Konzept für die Sprachplattform Interpreteer. Flüchtlinge sollen hier einen passenden Übersetzer in ihrer Nähe finden - für Besuche auf dem Amt, Elternsprechabende oder auch Gespräche mit den Nachbarn.

4. Helfer für die Helfer

Ein besonderes Augenmerk legten die Programmierer auf die Koordination der Freiwilligenarbeit: Tools wie der Bedarfsplaner Berlin oder Help Chain sollen es Unterkünften und Ehrenamtlichen möglich machen, die enorme Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu koordinieren. Bedarf und Angebot können über sie konkret kommuniziert werden, bevor sich Bürger mit Spenden auf den Weg machen.

Das Berliner Projekt Volunteer-Planner  bereitet sich beim Hackathon schon auf die Expansion in andere Städte vor. Mit der drei Monate alten Plattform lassen sich Freiwilligendienste ausschreiben und unkompliziert besetzen. Obwohl es ähnliche Anwendungen gibt, hat das Projekt offensichtlich einen Nerv getroffen: Mehr als 19.000 Nutzer sind auf der Plattform angemeldet. Aussagekräftiger ist aber eine andere Zahl: Mehr als 50.000 Stunden freiwillige Arbeit wurden so schon vermittelt.

Eine Auflistung der Projekte und Ansprechpartner des Refugee-Hackathons findet sich hier .