Foto-App »Rossgram« soll Russlands Instagram-Alternative werden

Weil Instagram in Russland gesperrt ist, wollen russische IT-Unternehmer nun eine eigene App auf den Markt bringen. Derweil landen weitere Internetseiten und Medien auf der Sperrliste der Behörden.
In Russland auf normalem Wege nicht mehr aufrufbar

In Russland auf normalem Wege nicht mehr aufrufbar

Foto: - / AFP

Eine Initiative russischer Programmierer möchte eine Alternative zur inzwischen gesperrten Foto-App Instagram in Russland auf den Markt bringen. Der neue Dienst mit dem Namen Rossgram soll am 28. März starten und zusätzliche Funktionen wie Crowdfunding und einen kostenpflichtigen Zugang zu bestimmten Inhalten bieten, hieß es am Mittwoch auf dem Telegram-Kanal der Betreiber.

Die russischen Behörden sperren seit Anfang der Woche die gerade bei jungen Russen und Russinnen populäre Foto-App Instagram. Mark Zuckerbergs Meta-Konzern, dem neben Facebook auch Instagram gehört, wurde zuvor von russischen Behörden als »extremistische Organisation« eingestuft. Meta hatte angekündigt, Nutzerinnen und Nutzer in der Ukraine nicht für Beiträge wie »Tod den russischen Invasoren« zu sperren.

Die Rossgram-App soll sich offenbar nahe an Instagram orientieren. Ihre Werbeseite auf der russischen Social-Media-Plattform VK haben die Betreiber gleich »Russisches Instagram« genannt. »Wir wollen die Gelegenheit nicht verpassen, ein russisches Äquivalent des beliebten sozialen Netzwerks zu schaffen«, so Alexander Sobow, einer der Entwickler hinter dem Projekt, auf VK. »Mein Partner Kirill Filimonow und unsere Gruppe von Entwicklern waren bereits auf diese Entwicklungen vorbereitet«, erklärte Sobow, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Initiative, in Bezug auf die Sperre der russischen Behörden.

Russland verschärft Internetzensur

Unterdessen haben die russischen Behörden die Sperrung von mindestens 15 weiteren Websites angeordnet. Russische und ausländische Medien wie die preisgekrönte Enthüllungswebsite Bellingcat, zwei russischsprachige israelische Nachrichtenseiten und regionale Portale wie Permdaily.ru waren am Mittwoch von russischen IP-Adressen aus nicht erreichbar. Die Websites werden auf der offiziellen Sperrliste der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor geführt.

Unter den geblockten Medien sind auch mehrere ukrainische Medien und ein estnisches Portal, das eine russischsprachige Version betreibt. Über virtuelle private Netzwerke (VPN), mit denen sich Netzsperren durch eine Art Datentunnel umgehen lassen, waren die Internetseiten weiterhin zu erreichen. (Lesen Sie hier mehr darüber.)

Seit dem Beginn der Militäroperation in der Ukraine haben die russischen Behörden den Zugang zu Onlinemedien massiv eingeschränkt. Betroffen sind auch internationale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram. Anfang März hatte Präsident Wladimir Putin zudem ein Gesetz unterzeichnet, das drakonische Freiheitsstrafen bei »Falschinformationen« über die russische Armee vorsieht.

hpp/reuters