WhatsApp-Alternative Signal-Gründer Moxie Marlinspike tritt als CEO zurück

Nach rund einem Jahrzehnt zieht sich der Gründer der verschlüsselten Chat-App Signal aus der Führungsposition zurück. Zunächst übernimmt einer der WhatsApp-Gründer den Chefposten.
Moxie Marlinspike will jemanden »mit frischer Energie« zu Signal holen

Moxie Marlinspike will jemanden »mit frischer Energie« zu Signal holen

Foto: Steve Jennings

WhatsApp-Mitgründer Brian Acton übernimmt die Führung beim konkurrierenden Chatdienst Signal – zumindest bis ein dauerhafter neuer Chef gefunden wird. Signal-Gründer Moxie Marlinspike kündigte am Montag in einem Blogpost  an, dass er den CEO-Posten binnen eines Monats räumen werde. Er wolle nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze von Signal jemanden »mit frischer Energie« in das nicht gewinnorientiert arbeitende Unternehmen holen und werde sich auf die Suche nach einem Nachfolger konzentrieren. Er bleibe aber Mitglied des Verwaltungsrats.

Signal kommt auf schätzungsweise 40 Millionen aktive Nutzer im Monat. Die App setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Chatinhalte nur für die beteiligten Nutzer im Klartext verfügbar sind. Im vergangenen Jahr profitierte Signal von der Kontroverse um die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp und dem darauffolgenden Zustrom neuer Nutzer.

Der bei Signal entwickelte Verschlüsselungs-Algorithmus wird auch von WhatsApp eingesetzt. Acton wiederum engagiert sich bei Signal, seit er 2017 den Facebook-Konzern – einige Jahre nach der WhatsApp-Übernahme – verließ und auf Distanz zum Onlinenetzwerk ging. 2018 steckte er 50 Millionen Dollar in die gemeinnützige Signal-Stiftung.

Signal schwenkte zuletzt auf ein umstrittenes Projekt ein: Nutzerinnen und Nutzern eine Möglichkeit zu bieten, eine Digitalwährung namens MobileCoin so zu versenden, dass es außer Sender und Empfänger niemand sehen oder nachverfolgen kann. Nach US-Medienberichten befürchteten  einige Signal-Mitarbeiter, dass dies dem Chatdienst große Probleme unter anderem mit US-Regulierungsbehörden einbringen könne. Marlinspike war bezahlter Berater von MobileCoin und an der Entwicklung beteiligt.

Er hatte außerdem vor einigen Tagen einen Blogpost mit seinen ersten Einschätzungen zur Entwicklung des sogenannten Web3  veröffentlicht und kommt darin zu dem Schluss, dass die Technik – anders als gern behauptet – keineswegs zu mehr Dezentralisierung im Internet beiträgt, sondern zentrale Flaschenhälse hat.

pbe/dpa

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