Getrennte Feeds für News und Freunde So will sich Snapchat retten

Snapchat wächst zu langsam. Ein neues Design der App soll jetzt Nachrichten professioneller Anbieter und Mitteilungen von Freunden trennen. Die Neuerung soll auch die Verbreitung von Fake News eindämmen.

Snapchat im neuen Design
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Snapchat im neuen Design


"Die sozialen Medien haben Fake News befeuert", schreibt Snap-Chef Evan Spiegel in einem Text, in dem er die Neugestaltung seiner Foto- und Video-Messaging-App erklärt. Mit dem Umbau von Snapchat wolle er dieses Problem angehen.

"Inhalte, die gemacht wurde, um mit Freunden geteilt zu werden, sind nicht unbedingt darauf ausgerichtet, korrekt zu informieren", schreibt der Chef von Snapchats Betreiberfirma Snap weiter. Die Vermischung von privaten und nachrichtlichen Inhalten hätte die Beziehung der Nutzer zu ihren Freunden und zu Medienmarken gestört. Deshalb werde Snapchat künftig getrennte Seiten, sogenannte Feeds, für Privates und Nachrichtliches bieten.

Fake News einzudämmen, ist vermutlich nicht der Anlass gebende Grund für den Umbau von Snapchat. Der Konzern hatte im November miese Quartalszahlen vorgelegt, das Nutzerwachstum ist gering, die Videobrille "Spectacles" war ein Flop. Die Snapchat-App gilt, zumindest für ältere Nutzer, als schwer zugänglich und schwer bedienbar.

Erste Nutzer erhalten das Update noch in dieser Woche

Inhalte von Unterhaltungs- und Nachrichtenseiten will Snapchat künftig mithilfe von lernfähigen Algorithmen ordnen, die sich laut Spiegel auf die bisherigen Interessen des App-Nutzers stützen sollen. Snapchat vergleicht das mit Film- und Serienvorschlägen bei Videostreaming-Plattformen.

Im diesem sogenannten "Discover"-Bereich soll es einem Pressesprecher zufolge Clips von Medienmarken und Influencern geben sowie besondere, kuratierte Snap-Stories von Nutzern, die ihre Aufnahmen öffentlich machen. Snap-Mitarbeiter sollen sich zusätzlich darum kümmern, dass bei der Sortierung der Inhalte für Nutzer keine "Filterblasen" entstehen.

Fotos und Filmclips von Freunden sollen Snapchat-Nutzer auf einer separaten Seite austauschen können. Die neuen Funktionen werden einem Snapchat-Sprecher zufolge ab Ende dieser Woche für einen kleinen Teil der Nutzer verfügbar sein, in den Folgewochen sollen weitere Testnutzer hinzukommen.

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Anleitung für Einsteiger: So funktioniert Snapchat

Auch Facebook experimentiert mit dem Newsfeed

Facebook hatte in einigen Ländern jüngst ein vergleichbares Experiment gestartet und die Inhalte von Medien in einen zusätzlichen Newsfeed ausgelagert. Medienschaffende hatten das Experiment massiv kritisiert, unter anderem weil sie um Reichweite und Umsatz bangten.

Diese Sorge will ihnen Snapchat offenbar nehmen. Ein getrennter Feed für Nachrichten sei ein "besserer Weg", um Inhalte zu verbreiten und damit auch Geld zu verdienen, beteuert Spiegel.

Snapchats Umbau geschieht auch vor dem Hintergrund eines neuen Verantwortungsbewusstseins sozialer Medien in den USA. Anfang November mussten sich etwa Facebook, Google und Twitter vor dem US-Kongress verantworten, weil sie offenbar russische Propaganda im US-Wahlkampf geduldet hatten. Den Konzernen könnten schärfere Gesetze zur Regulierung ihrer Plattformen drohen.

Konzerne kopieren erfolgreiche Snapchat-Funktionen

Eine Verbesserung der sperrigen Bedienungsweise von Snapchat hatte Spiegel bereits angekündigt - auch wenn das bisherige Nutzer abschrecken könnte: "Wir sind bereit, dieses Risiko einzugehen."

Parallel zu den Bemühungen des Konzerns kopieren die Konkurrenten seit Jahren fleißig erfolgreiche Snapchat-Funktionen, allen voran Facebook. Eine der erfolgreichsten Kopien sind die Instagram-Stories. Eine abgewandelte "Stories"-Funktion soll neuerdings unter dem Namen "Reels" auf Googles Videoplattform YouTube getestet werden.

mei

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