Musikstreaming Apple droht EU-Kartellstrafe

Die EU-Kommission beanstandet, dass Apple seine Marktmacht beim Musikstreaming missbrauche. Für den Konzern könnte es teuer werden.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: Apple droht eine Geldstrafe

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: Apple droht eine Geldstrafe

Foto: Francois Lenoir / REUTERS

Die EU-Kommission hat Apple auf eine Beschwerde des Konkurrenten Spotify hin den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung bei Musik-Streamingdiensten vorgeworfen. Die europäische Wettbewerbsaufsicht sei nach vorläufiger Einschätzung der Meinung, dass Apple in Europa den Wettbewerb zum Nachteil von Konkurrenten und Kunden stört, erklärte die Behörde am Freitag in Brüssel.

»Durch strikte Regeln im App Store zum Nachteil konkurrierender Musik-Streamingdienste nimmt Apple den Nutzern die Wahl, billigere Dienste zu nutzen«, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. So beanstandet die Kommission in ihrem Beschwerdeschreiben an Apple, dass Konkurrenten hohe Gebühren auf jede Transaktion im App Store zahlen müssen.

Musikstreaming-Marktführer Spotify, der mit Apple Music konkurriert, findet es unfair, dass für Apple beim gleichen Abopreis wegen der App-Store-Abgabe mehr Geld übrigbliebe.

Aboverkauf an Apple vorbei

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die meisten Streaming-Anbieter die Gebühr in Form höherer Preise an ihre Kunden weiterreichten. Spotify etwa bot eine Zeit lang seine Abos in der iPhone-App für 12,99 Euro statt 9,99 Euro pro Monat an. Schon vor einigen Jahren ging der Dienst aber dazu über, iPhone-Kunden das Abonnement stattdessen über seine Website zu verkaufen, um der Gebühr zu entgehen. Auch der Videostreaming-Dienst Netflix geht diesen Weg.

Bei diesem Modell kommt aus Sicht der Kommission ein zweiter Wettbewerbsverstoß zum Tragen: Die Anbieter dürften in ihren Apps keine Links zu Websites einbauen, auf denen man die Abos an Apple vorbei kaufen kann.

Apple kontert, es würde zum Beispiel auch kein Elektronikmarkt Werbung eines Konkurrenten neben den eigenen Preisschildern zulassen. Der iPhone-Konzern verweist auch darauf, dass Spotify seit dem Ausstieg aus In-App-Käufen 2016 mehr als 100 Millionen Abokunden gewonnen habe und man stolz auf die Rolle sei, die der App Store dabei gespielt habe.

»Für mehr als 99 Prozent seiner Abonnenten zahlt Spotify keinerlei Kommission an Apple. Nur für die übrigen Abonnenten zahlt Spotify eine Kommission in Höhe von 15 Prozent, da diese im App Store geworben wurden«, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Spotify wolle »wieder einmal« die »Vorteile des App Stores nutzen und meint, dafür nichts zahlen zu müssen«. Die Argumentation der Kommission zugunsten von Spotify bezeichnet Apple als das »Gegenteil von fairem Wettbewerb.«

Es könnte für Apple teuer werden

Die Mitteilung der EU ist eine Vorstufe zu einer Kartellstrafe, die bis zu zehn Prozent des relevanten Jahresumsatzes betragen kann. Die EU-Kommission war wegen einer Beschwerde des Musik-Streamingdienstes Spotify vor zwei Jahren aktiv geworden.

Das Verfahren ist eines von vier der EU-Wettbewerbshüterin gegen Apple, die im Juni letzten Jahres eröffnet worden waren. Die Kommission untersucht außerdem Regeln im App-Store für konkurrierende Apps, E-Books und Hörbücher sowie die Konditionen der Bezahlfunktion Apple Pay. Der US-Konzern hat jetzt Gelegenheit, zu der Beschwerde Stellung zu nehmen und Konzessionen einzuräumen. Erst danach fällt die Entscheidung über eine Geldbuße.

mak/Reuters/dpa
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