Musik-Streaming Spotify wirft Apple Schikane vor

Spotify beschuldigt Apple, mit seinem App Store Politik zu machen: Als Konkurrenz zum Streamingdienst Apple Music werde man behindert. Der beschuldigte Konzern arbeitet laut einem Bericht derweil an der Übernahme eines weiteren Konkurrenten.

Spotify-App, Kopfhörer
DPA

Spotify-App, Kopfhörer


Spotify wirft Apple vor, den Genehmigungsprozess des App Store zu nutzen, um Konkurrenten des Streamingdienstes Apple Music zu behindern. "Wir können nicht einfach zusehen, wie Apple den Genehmigungsprozess des App Stores als Waffe benutzt", zitiert die Tech-Webseite "recode" aus dem Schreiben des Chefanwalts von Spotify.

Abgeschickt wurde der Brief bereits am 26. Juni. Erst jetzt wurde er auch einigen US-Politikern und "recode" zugeschickt. Das Timing dürfte kein Zufall sein. Genau vor einem Jahr zuvor hatte Apple sein Musikangebot online gebracht.

Von Anfang an gab es reichlich Kritik daran. Zum einen machten Software-Fehler vielen Nutzer zu schaffen: Songs wurden doppelt angezeigt, beim Aktivieren der iCloud-Musikbibliothek und beim Anlegen und Verwalten von Playlists gab es Probleme, die nur nach und nach per Update beseitigt wurden.

Viele User beklagten sich auch über die nicht klar genug strukturierte Benutzeroberfläche. Ein Mangel, der erst im Herbst mit iOS 10 und macOS Sierra ausgebügelt werden soll.

Spotify klagte schon kurz nach der Einführung von Apple Music über Apples Regel, dass man digitale Einkäufe, auch wenn es um Abos geht, auf Apple-Geräten grundsätzlich über Apples Bezahlmodell abwickeln muss. Der Konzern streicht dabei stets 30 Prozent Provision ein, egal ob man eine App für 99 Cent oder ein Jahresabo für 120 Euro kauft. Spotify hatte damals versucht, potenzielle Kunden mit einer Anleitung zu zeigen, wie man seinen Dienst unter Umgehung des App Stores abonnieren kann.

iOS-Apps müssen Apples Bezahlsystem nutzen

Dasselbe Thema ist nun Auslöser für Spotifys Brief an Apple. Laut "recode" beschuldigt Spotify Apple, die Veröffentlichung einer neuen Version der Spotify-App zu verweigern. Zur Begründung heiße es, die App verstoße gegen "Regeln des Geschäftsmodells". Außerdem würden die Schweden in dem Schreiben aufgefordert, Apples Abrechnungssystem zu verwenden, wenn sie neue Kunden gewinnen und Abos abschließen wollen.

Damit mussten Spotifys Entwickler allerdings auch rechnen, wenn sie eine eigene Bezahlfunktion oder Ähnliches in das Update ihrer App eingebaut haben. Punkt 3.1.1 der Apple-Entwicklerrichtlinien regelt klar, dass für alle Käufe innerhalb einer App Apples Bezahlsysteme zu nutzen sind. Deshalb kann man beispielsweise mit Amazons Kindle-App auf iPads Bücher lesen, aber nicht kaufen.

Spotify hat bereits vor einiger Zeit jede Abo-Möglichkeit aus seiner iOS-App entfernt. iPhone-, iPad- und Mac-Anwender haben derzeit kaum eine andere Chance, zahlende Kunden zu werden, als sich auf der Spotify-Webseite zu registrieren. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC hatte der Konzern einen Versuch gestartet, solchen Tendenzen entgegen zu wirken. Von Abos, die länger als ein Jahr laufen, will das Unternehmen bald nur noch 15 Prozent Provision einstreichen. Für Spotify geht das augenscheinlich nicht weit genug: Die Schweden wollen nicht mit Apple teilen.

Und jetzt auch noch Tidal?

Eben deshalb ging besagter Brief nun nicht nur an die Presse, sondern wurde auch einigen Politikern zugestellt. Offenbar will das Unternehmen damit seinen Standpunkt vermitteln, Apples Preispolitik sei wettbewerbsschädigend und diene dazu, Apple Music zu stärken.

Der beschuldigte Konzern äußerte sich dazu ebenso wenig wie zu Gerüchten, wonach man an den von Rapper Jay-Z gegründeten Streamingdienst Tidal übernehmen wolle. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, entsprechende Verhandlungen seien im Gange.

Tidal ist insofern interessant und anders als Spotify oder Apple Music, weil neben Jay-Z weitere 16 Künstler und Bands Anteile an dem Unternehmen halten. Darunter Kanye West, Beyoncé, Arcade Fire und Daft Punk. Diese Konstruktion hat es ermöglicht, bestimmte Alben der Anteilseigner zumindest zeitweilig exklusiv über Tidal anzubieten.

Dem Blog "9to5mac" gegenüber erklärte ein Tidal-Sprecher allerdings schnell, dass es keine Gespräche mit Apple gegeben habe.

App Store - Entwickler-Richtlinien

mak



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
tommix68 01.07.2016
1. Ganz einfach Spotify:
Entwickelt eure eigene Smartphone-Hardware, Entwickelt euer eigenes OS und vertreibt eure Musik dort. Sollte es aufgrund von Kompetenzen und/oder Geld nicht möglich sein, beschwert euch nicht auf anderen Plattformen zu vertreiben und dafür zu Zahlen.
Bürger Icks 01.07.2016
2. Kurze Frage:
Wer braucht sowas wie Spotify? Oder überhaupt Streamingdienste, egal wofür. Braucht man sowas um "hip" zu sein? Denn eins weiss ich ganz, aber wirklich ganz sicher: Um die Musik zu hören(Filme, Serien, Dokus zu schauen) die ich hören möchte, wann und wo ich das will, brauche ich sowas nicht, brauchte ich nie, werde ich nie brauchen.
crypto 01.07.2016
3.
Zitat von tommix68Entwickelt eure eigene Smartphone-Hardware, Entwickelt euer eigenes OS und vertreibt eure Musik dort. Sollte es aufgrund von Kompetenzen und/oder Geld nicht möglich sein, beschwert euch nicht auf anderen Plattformen zu vertreiben und dafür zu Zahlen.
Achso, wenn Apple seine User _zwingt_ seine eigenen Produkte zu nutzen und dafür auch noch Geld verlangt, soll sich bitte keiner beschweren. Aber wenn Google seinen eigenen Kartendienst in seiner Suchmaschine _bevorzugt_ oder Microsoft seinen Usern eben seinen eigenen Browser _empfiehlt_, dann geht die Welt unter.
crypto 01.07.2016
4.
Zitat von Bürger IcksWer braucht sowas wie Spotify? Oder überhaupt Streamingdienste, egal wofür. Braucht man sowas um "hip" zu sein? Denn eins weiss ich ganz, aber wirklich ganz sicher: Um die Musik zu hören(Filme, Serien, Dokus zu schauen) die ich hören möchte, wann und wo ich das will, brauche ich sowas nicht, brauchte ich nie, werde ich nie brauchen.
Dann erleuchte uns doch mal wie du Musik, Filme und Serien wann und wo du willst hörst/schaust.
cor 01.07.2016
5.
Zitat von Bürger IcksWer braucht sowas wie Spotify? Oder überhaupt Streamingdienste, egal wofür. Braucht man sowas um "hip" zu sein? Denn eins weiss ich ganz, aber wirklich ganz sicher: Um die Musik zu hören(Filme, Serien, Dokus zu schauen) die ich hören möchte, wann und wo ich das will, brauche ich sowas nicht, brauchte ich nie, werde ich nie brauchen.
Ich. Weil es flexibler und günstiger ist und diverse andere Vorteile bietet gegenüber Kaufen. Haben Sie überhaupt schon mal einen Streamingdienst getestet? Oder sind Sie einfach nur fleissiger Torrent-Pirat und haben es deswegen nicht nötig?
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