Experiment vor US-Kongresswahl TikTok erlaubt Werbung mit Falschinformationen

Wissenschaftler haben getestet, wie Social-Media-Plattformen mit Fake News in Anzeigen zur Wahl umgehen. Teilweise wurde sogar Werbung mit falschem Wahltermin freigeschaltet.
TikTok-Logo: »Sie sollten fehlerhafte Informationen über Wahlen stoppen«

TikTok-Logo: »Sie sollten fehlerhafte Informationen über Wahlen stoppen«

Foto: Michael Dwyer / AP

Eine Untersuchung in den USA hat Mängel beim Umgang großer Techunternehmen mit falschen Informationen in politischen Werbeanzeigen offenbart. Die Kurzvideo-App TikTok etwa hat 90 Prozent aller getesteten Anzeigen freigeschaltet, obwohl diese den Richtlinien der Plattformen widersprachen. Das geht aus einem Bericht der NGO Global Witness und von Forschern der New York University hervor .

Für den Test reichten die Wissenschaftler laut ihrem Bericht Anzeigen mit Falschinformationen zur Wahl ein, die zu jener Desinformation passt, die momentan tatsächlich im Vorfeld der US-Kongresswahl Anfang November kursiert.

Falscher Wahltermin als Anzeige

In einem Beitrag wurde demnach etwa ein falscher Wahltermin beworben. Andere Beiträge zielten darauf, die Wahlbeteiligung zu senken oder die Legitimität des Wahlvorgangs anzugreifen. So wurde fälschlicherweise behauptet, dass das Wahlergebnis bereits feststünde oder gehackt werden könnte, berichtete CNN über die Untersuchung .

Die Anzeigen wurden so geschaltet, dass sie an Nutzerinnen und Nutzer in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Arizona oder Georgia ausgespielt würden.

Für die Untersuchung wurden Facebook, TikTok und YouTube mit englischsprachigen und spanischen Anzeigen getestet. Werbeanzeigen müssen bei allen Plattformen zunächst eingereicht und anschließend freigegeben werden, für Anzeigen zu politischen Themen gelten dabei meist zusätzlich weitere Regeln.

Laut den Forschern entsprach keine der eingereichten Anzeigen den Richtlinien der Techkonzerne. Die Anzeigen wurden von den Wissenschaftlern unmittelbar offline genommen, sodass durch das Experiment nicht tatsächlich Falschinformationen verbreitet wurden.

YouTube schneidet besser ab

Pro Plattform wurden nur zwanzig Anzeigen eingereicht, es lassen sich also nur begrenzt Rückschlüsse auf den gesamten Umgang der Konzerne mit Werbung vor der Kongresswahl ziehen. Allerdings kritisieren Experten schon länger, dass die zunehmend strikteren Regeln der Techunternehmen für Wahlwerbung nicht ausreichen, wenn diese nicht immer konsequent umgesetzt würden.

Facebook kam bei der Untersuchung deutlich besser weg als TikTok und schaltete laut dem Bericht der Forscher rund ein Viertel der Anzeigen frei. YouTube dagegen lehnte alle Anzeigen ab.

»Das Abschneiden von YouTube in unserem Experiment zeigt, dass es nicht unmöglich ist, schädliche Desinformation zur Wahl zu erkennen«, sagte Laura Edelson, stellvertretende Leiterin der beteiligten »Cybersecurity for Democracy«-Forschungsgruppe der New York University. »Wir fordern Facebook und TikTok auf, es besser zu machen. Sie sollten fehlerhafte Informationen über Wahlen stoppen, bevor sie zu den Wählern gelangen.«

TikTok dankt für das Feedback

Von TikTok hieß es zu der Untersuchung, dass die Plattform ein Ort für authentische und unterhaltsame Inhalte sei. Deshalb verbiete und entferne man Falschinformationen und bezahlte politische Werbung zur Wahl. »Wir schätzen das Feedback von NGOs, Wissenschaftlern und anderen Experten, das uns hilft, unsere Prozesse und Richtlinien kontinuierlich zu verbessern.«

Ein Sprecher des Facebook-Mutterunternehmens Meta sagte zu dem Bericht, dass er nur auf »einer sehr kleinen Stichprobe von Anzeigen basiert«. Der Prozess zur Überprüfung von Anzeigen umfasse mehrere Stufen der Analyse und Erkennung, sowohl vor als auch nach der Veröffentlichung einer Anzeige, so der Sprecher.

Immerhin eine positive Nachricht hatte die an der Untersuchung beteiligte NGO Global Witness. Im August hatte die Organisation einen ähnlichen Test im Zuge des brasilianischen Präsidentschaftswahlkampf durchgeführt. Dort schnitten YouTube und Meta laut einem Bericht der Organisation schlechter ab.

hpp
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