Dating-App Tinder führt Background-Checks ein

Erst prüfen, dann treffen: Um Onlinedating sicherer zu machen, sollen Tinder-Nutzerinnen und -Nutzer in den USA demnächst Hintergrundinfos zu ihren Matches bekommen. Datenschützer haben Bedenken.
Tinder-Icon auf dem Smartphone: Prüfen, ob das Gegenüber Einträge im Strafregister hat

Tinder-Icon auf dem Smartphone: Prüfen, ob das Gegenüber Einträge im Strafregister hat

Foto:

Thomas Trutschel / imago images / photothek

Die Dating-App Tinder führt in den USA eine Funktion zum Background-Check potenzieller Dates ein. Das teilte der Mutterkonzern Match Group auf seinem Blog mit.  Mithilfe von Vornamen und Telefonnummer oder dem vollen Namen sollen Nutzer und Nutzerinnen so überprüfen können, ob ihr Gegenüber Eintragungen im Strafregister hat. Auch andere Dating-Apps des Konzerns wie OkCupid oder Hinge sollen die voraussichtlich kostenpflichtige Funktion erhalten.

Dafür arbeitet das Unternehmen mit der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation Garbo zusammen. Laut der Website der Organisation ist ihr Ziel, »genderbasierte Gewalt im digitalen Zeitalter zu verhindern«. Die Organisation sammelt öffentlich verfügbare Informationen und Berichte über Gewalt und Missbrauch, über Festnahmen, Urteile oder einstweilige Verfügungen. »Vom Onlinedating bis zur Fahrgemeinschaft haben wir mehr Kontakt zu Fremden als je zuvor«, heißt es auf Garbos Website. »Wir können nicht wissen, ob jemand in der Vergangenheit gewalttätig war, bevor es zu spät ist.«

Nicht alle Daten sollen geteilt werden

Die neue Funktion könnte erheblichen Einfluss darauf haben, welche Nutzerinnen und Nutzer auf den Dating-Apps erfolgreich sind. Um bestehende Ungleichheiten im Strafjustizsystem nicht zu verschärfen, gibt die Organisation nicht alle gesammelten Daten weiter: Verurteilungen wegen Drogenbesitzes werden beispielsweise nicht in die Datenbanken aufgenommen. »Wir distanzieren uns von einer Praxis, die Rassismus, Hass und Unterdrückung vorantreibt«, heißt es im zugehörigen Blogpost.  In den USA würden überproportional viele nicht weiße Personen wegen Drogenbesitzes verurteilt. Außerdem bestehe »kein Zusammenhang zwischen Drogenbesitz und genderbasierter Gewalt.«

Die Zusammenarbeit zwischen der Match Group und Garbo solle vorerst nur in den USA stattfinden. Langfristig wolle man aber auch in Europa ähnliche Funktionen einführen, teilt ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage mit. Man sei auf der Suche nach einem Partner, der eine solche Funktion auch international erfüllen könne.

Kritik gibt es an dem Vorstoß besonders wegen Datenschutzbedenken. Im englischen »Guardian« schreibt die Kolumnistin Arwa Mahdawi : »Garbo arbeitet nun mit einer unglaublich ausbeuterischen Industrie zusammen, die in der Vergangenheit persönliche Daten ohne informierte Einwilligung an Drittparteien weitergegeben hat.«

Tinder und andere Dating-Apps wurden in der Vergangenheit mehrfach dafür kritisiert, zu viele Daten über ihre Nutzerinnen und Nutzer zu sammeln und mit Dritten zu teilen. In einem im Januar 2020 veröffentlichten Bericht hatte der norwegische Verbraucherrat unter anderem OkCupid und Tinder als besonders datenhungrig gerügt. Beide gehören zur Match Group.

jlk
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.