Dating-App Tinder lässt US-Nutzer kriminelle Vergangenheit von Chatpartnern prüfen

Durch sogenannte Background-Checks will Tinder US-Nutzer davor bewahren, Vergewaltiger zu daten. Die ersten zwei Prüfungen soll es kostenlos geben. Experten warnen allerdings vor den Grenzen der Methode.
Tinder-App: »Schaden im digitalen Zeitalter verhindern«

Tinder-App: »Schaden im digitalen Zeitalter verhindern«

Foto: Denis Charlet / AFP

Die Dating-App Tinder will ihren Nutzerinnen und Nutzern in den USA die Möglichkeit geben, Hinweise auf eine mögliche kriminelle Vergangenheit ihrer Chatpartner abzurufen. Das Unternehmen hinter der App, die Match Group, kündigte eine entsprechende Funktion am Mittwoch an. Direkt aus der App heraus sollen die Nutzerinnen und Nutzer einen direkten Zugang zum Dienst Garbo erhalten. Dieser bietet sogenannte Background-Checks an, bei denen etwa US-amerikanische Sexualstraftäterkarteien durchsucht werden. Mithilfe von Datenbanken der US-Justiz soll zudem abgefragt werden, ob jemand für bestimmte Gewaltdelikte verhaftet oder verurteilt wurde, wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag erklärt .

Die Match Group hatte vor einem Jahr bekannt gegeben, Garbo für einen siebenstelligen Betrag gekauft zu haben. Wann und ob ein ähnliches Angebot je auch für Nutzerinnen und Nutzer in Europa zur Verfügung stehen könnte, erklärte das Unternehmen nicht. Die Funktion soll im nächsten Schritt für andere Apps des Unternehmens in den USA eingeführt werden.

Zwei Anfragen kostenlos

Garbo-Gründerin Kathryn Kosmides erklärte, die Ankündigung der Match Group sei »nur der erste Schritt, um unsere Mission zu erfüllen, proaktiv Schaden im digitalen Zeitalter zu verhindern«. Der Tinder-Muttergesellschaft zufolge sind je Nutzer die ersten zwei Suchanfragen kostenlos, insgesamt ist das Angebot auf 500.000 Suchanfragen gedeckelt. Danach soll eine Suche 2,50 Dollar kosten.

Auf der Plattform können die Nutzer den Namen, aber auch Telefonnummern und andere Details ihres Gegenübers eingeben. In den Garbo-Suchergebnissen werden bestimmte Straftaten wie Drogenbesitz oder Straßenverkehrsdelikte herausgefiltert. Auch persönliche Details wie Wohnadressen registrierter Straftäter werden von der Suchmaschine nicht angezeigt.

Tinder und andere Dating-Apps sehen sich immer wieder mit Berichten von Frauen konfrontiert, die über die Plattformen Männer kennengelernt haben, die sie anschließend sexuell missbrauchten. Experten weisen jedoch darauf hin, dass die US-Sexualstraftäterkartei keine definitiven Aussagen über die Gefährlichkeit eines Menschen zulässt.

Eine Recherche des Investigativ-Portals »Propublica«  zeigte 2019, dass auch verurteilte Sexualstraftäter die App benutzen und darüber Frauen kennenlernen. Laut einer Umfrage von »Propublica« hat jede dritte Frau, die Onlinedating-Apps benutzt hat, schon einmal sexuell übergriffiges Verhalten erlebt. Bei der Befragung zu dem lückenhaft dokumentierten Problem handelt es sich laut dem Magazin allerdings nicht um eine wissenschaftliche Studie.

US-Soziologin Nicole Bedera wies darauf hin, dass Sexualstraftaten häufig von Betroffenen nicht angezeigt werden und dass nicht alle Anzeigen zu einer Verurteilung führen. Die Professorin an der Rutgers School of Criminal Justice, Sarah Lageson, wies zudem auf strukturellen Rassismus im Justizsystem hin: »Viele weiße Sexualstraftäter haben keinen Strafregister-Eintrag und viele Schwarze haben einen irreführenden oder ungerechten.«

Gegen manche Straftaten, die oft über Tinder angebahnt werden, dürfte das Background-Check-System ohnehin nicht helfen. So versuchen Cyberkriminelle über Apps wie Tinder potenzielle Opfer aufzutun, denen sie anschließend betrügerische Geldanlagen anzudrehen versuchen. Auch gegen Betrüger wie den als »Tinder-Schwindler« bekannt gewordenen Shimon Hayut dürfte das System von Garbo wenig ausrichten können.

hpp/afp
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