SXSW-Wettbewerb Deutsches Start-up gewinnt mit App gegen Tinnitus

Eine deutsche Firma hat den offiziellen Start-up-Wettbewerb der Technologiekonferenz SXSW im Bereich Medizin gewonnen. Den Preis gibt es für das Verfahren Tinnitracks, das störende Töne im Ohr beseitigen soll.
Tinnitracks-Erfinder Adrian Nötzel, Jörg Land und Matthias Lanz (v.l.): Nach Texas musste Land allein reisen

Tinnitracks-Erfinder Adrian Nötzel, Jörg Land und Matthias Lanz (v.l.): Nach Texas musste Land allein reisen

Foto: Sonormed

Auf der Digitalkonferenz South by Southwest wird im Deutschen Haus gejubelt, als Jörg Land endlich ankommt. Der Geschäftsführer der Hamburger Firma Sonormed  hat soeben einen Gründerpreis nach Deutschland geholt. Seine Firma hat sich in dem mehrtägigen Wettbewerb gegen viele internationale Start-ups durchgesetzt. Für den begehrten Gründerpreis treten junge Firmen aus aller Welt in mehreren Kategorien gegeneinander an. Sonormed war der einzige Kandidat aus Deutschland.

In der Kategorie "Digital Health and Life Science" konnte sich die Firma mit ihrem Produkt bis zum Schluss durchsetzen. Tinnitracks soll Tinnitus lindern, indem der Erkrankte regelmäßig seine Lieblingsmusik hört, aus der die Frequenz des Geräuschs in seinem Ohr herausgefiltert wurde. Das geht mittlerweile auch per App auf dem Smartphone. Klinische Studien haben gezeigt, dass dadurch der Tinnitus tatsächlich gelindert werden kann, oft auch schon nach relativ kurzer Therapiezeit. Die Behandlung per Android- oder iOS-App kostet die Patienten 19 Euro im Monat.

Jörg Land hat einen überdimensionalen Papp-Scheck über 4000 Dollar dabei, als er in der deutschen Dependance in Austin ankommt. Eine Trophäe hat er auch bekommen. Aber es geht überhaupt nicht um das bisschen Preisgeld: Bei der South by Southwest sind schon viele Start-ups groß geworden, hier haben Twitter und Foursquare ihren Durchbruch gefeiert.

Es geht um die Aufmerksamkeit, um Investoren, um Sichtbarkeit. "Das ist eine tolle Vorlage, wenn man in den USA loslegen will", sagt Land, "und es ist eine Bestätigung dafür, dass wir so lange durchgehalten haben und ein schönes Signal für alle unsere Unterstützer zu Hause."

"Das ist schon ganz schön geil"

In Deutschland hat Tinnitracks schon für einiges Aufsehen gesorgt. Der Betriebswirt Jörg Land, der Toningenieur Adrian Nötzel und der Informatiker Matthias Lanz haben mit ihrer Idee Wettbewerbe und Unterstützer gewonnen und den Kopfhörer-Hersteller Sennheiser als Partner.

Nach Texas ist der Geschäftsführer allerdings allein gereist, "die anderen beiden mussten zu Hause bleiben, sonst würden wir die ganze Arbeit kaum schaffen." Dass sie einen der wichtigsten Start-up-Preise der Welt gewonnen haben, werden seine Kollegen erst am nächsten Morgen erfahren - während in Texas gefeiert wird, ist es in Hamburg mitten in der Nacht.

Noch am Nachmittag vor dem Finale hatte sich Land wenig optimistisch gegeben. Die Konkurrenz war groß, unter anderem war in der Kategorie Gesundheit ein Start-up namens Biobots  mit im Rennen, das menschliches Gewebe und Organe mit einem 3D-Drucker herstellen will. "Das ist schon krass", findet Land. Letztlich wurde Biobots von den Veranstaltern mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Die Gründer mussten überredet werden

Land kommt aus Hamburg, da sei man eh eher fürs Understatement, sagt er, und das passe eigentlich nicht zu der Selbstdarstellung, die zu einem vernünftigen amerikanischen Start-up-Pitch gehöre. Wegen der harten und womöglich lauteren Konkurrenz wollten sich die Hanseaten zunächst gar nicht zum sogenannten SXSW Accelerator anmelden, ließen sich dann aber doch von ihren Unterstützern überreden.

"Letztes Jahr saß ich bei der Veranstaltung noch im Publikum und dachte: Da will ich auch irgendwann mal hin", sagt Land. Runde um Runde hat er in diesem Jahr dann absolviert, auf der Bühne einer Jury immer wieder in wenigen Minuten seine Idee vorgestellt - und letztlich alle Runden für seine Firma entschieden. "Das ist schon ganz schön geil", sagt Land und mischt sich unter das Partyvolk, um sich dann doch endlich mal feiern zu lassen. Bei allem hanseatischen Understatement.

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