Patrick Beuth

Abrissparty mit Elon Musk Warum Sie genau jetzt Twitter beitreten sollten

Patrick Beuth
Ein Kommentar von Patrick Beuth
Säurebad, Kernschmelze, Negativspirale: Wie auch immer Sie nennen wollen, was gerade mit Twitter passiert, es ist historisch, und Sie können live dabei sein.
Twitter-Büro in New York: Nichts mehr zu gewinnen

Twitter-Büro in New York: Nichts mehr zu gewinnen

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Brendan Mcdermid / REUTERS

Heute ist der beste aller Tage, um sich bei Twitter anzumelden. Wann sonst hat man die Gelegenheit, eine derart epische Abrissparty mitzufeiern?

Das mag zynisch klingen. Doch sachlich ist das, was im Unternehmen und im sozialen Netzwerk gerade passiert, kaum noch abzubilden. Ausnahmslos alles, was der neue Eigentümer und CEO Elon Musk von sich gibt, hat die Wirkung eines Brandbeschleunigers. Überhaupt verstärkt sich alles, was derzeit auf Twitter passiert, gegenseitig, seien es schlechte Nachrichten aus dem Hauptquartier oder gelungene Fakes auf Kosten von Unternehmen  oder Prominenten .

Es gibt praktisch keine positiven Signale mehr, die noch irgendwie durchdringen. Nicht für Unternehmen, die Twitter durch Werbung am Leben halten könnten, nicht für Twitters verbliebene Angestellte, nicht für Menschen und Minderheiten, die Twitter für ihre politischen und gesellschaftlichen Anliegen brauchen. Das ist keine Negativspirale mehr, das ist ein Säurebad. Eine Kernschmelze.

Musk selbst behauptet , die Nutzung von Twitter nehme weiter zu, und eines sei sicher: »Es ist nicht langweilig«. Klar, er bietet ja auch einen spektakulären Zirkus. Es ist ein historischer Moment, der viel über die Social-Media-Welt und ihre Mechanismen offenbart. Wer sich einloggt und zuschaut, kann eine Menge über das Internet lernen. Aber die Manege brennt.

Als Nächstes, wenn auch noch ohne Datum, dürfte irgendein spektakulärer Datenabfluss oder Cyberangriff  auf dem Programm stehen. Denn aufgegeben haben zuletzt Twitters Leiter des Bereichs »Vertrauen und Sicherheit«, der Datenschutzbeauftragte, die Leiterin der Abteilung Compliance sowie die Chefin für Informationssicherheit.

Kein Wunder, wer will schon mitverantwortlich sein für den Untergang einer insbesondere in den USA kritischen Kommunikationsinfrastruktur? Wer will schon die Befehle und ständigen Kehrtwenden von Musk mittragen, wenn darunter zuallererst die eigenen Teams leiden? Zu gewinnen hätten die zum Teil branchenweit hoch angesehenen Führungskräfte bei Twitter nichts mehr, aber noch ist reichlich zum Verlieren übrig. Und die Erfahrung mit großen sozialen Netzwerken zeigt: Alles, was nicht aktiv verhindert wird, passiert früher oder später.

Das gilt erst recht, weil sich Musk auf das Unternehmen Twitter konzentriert und versucht, es auf Kosten der Plattform Twitter  vor dem Kollaps zu retten. Die Plattform, das sind letztlich die Nutzenden. Sie werden Musk noch ein letztes Mal zeigen, dass eine Einzelperson niemals ein soziales Netzwerk kontrollieren kann – und dann, wenn alles abgerissen ist, was Twitter einst so interessant gemacht hat, werden sie gehen. Der Letzte macht das Licht aus, dann kann der Vogel schlafen.

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