Tor-Browser Twitter hilft russischen Nutzern, die Zensur zu umgehen

Von Twitter gibt es nun eine speziell für den Anonymisierungsdienst Tor ausgelegte Version. Sie dürfte nicht zuletzt in Russland helfen, trotz Internetzensur auf den Kurznachrichtendienst zuzugreifen.
Twitter-App

Twitter-App

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

Für Menschen in Russland könnte es einfacher werden, Twitter auch bei einer allgemeinen Blockade des Dienstes weiterzunutzen: Das Unternehmen hat eine Version seines Angebots speziell für den Tor-Browser zugänglich gemacht.

Die Adresse der Tor-Version von Twitter lautet: https://twitter3e4tixl4xyajtrzo62zg5vztmjuricljdp2c5kshju4avyoid.onion/ .

Der Tor-Browser verschleiert, welche Seite jemand aufruft. Twitters spezielle Tor-Version (Onion Service genannt) dürfte in dem Browser besser und sicherer arbeiten als die Standardadresse.

So installiert man den Tor-Browser

Der Tor-Browser lässt sich auf https://www.torproject.org  herunterladen, die russischsprachige Version der Website findet sich unter https://www.torproject.org/ru/ . Angeboten werden Versionen für Windows, Linux, macOS und Android. Für iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer gibt es den Onion Browser  und seit Anfang März auch eine App namens Orbot . Die schickt sämtlichen Datenverkehr des iPhones durch das Tor-Netzwerk, nicht nur Browserdaten. Orbot ist auch für Android-Geräte erhältlich.

Einige Internetanbieter in Russland sperren bereits den Zugang zu Tor. Bei anderen ist der Tor-Dienst aber weiterhin verfügbar, wie das Projekt in einer Stellungnahme für die US-Website »Vice«  betonte.

Aber auch Menschen, deren Anbieter Tor bereits blockieren, haben möglicherweise noch eine Chance, in das Netzwerk zu gelangen. Für solche Fälle gibt es sogenannte Brücken. Das sind öffentlich nicht gelistete Zugangspunkte, die auch dort funktionieren, wo die bekannten Zugänge geblockt sind. Die Koordinaten erhält man sozusagen auf Antrag  – sie funktionieren so lange, bis die jeweiligen Zensoren die Brücken entdecken und ebenfalls blockieren.

Wie alle Knoten des Tor-Netzwerks werden die Brücken von Freiwilligen betrieben, die Anleitung zum Einrichten findet sich hier .

Noch ein Nischenphänomen

Nur ein Bruchteil der russischen Internetnutzerinnen und -Nutzer greift bisher auf Tor zurück. Trotz eines leichten Anstiegs in den vergangenen Tagen liegt die Zahl derer, die direkt auf das Netzwerk zugreifen, deutlich unter der Zahl  von Anfang Februar. Doch die IT-Sicherheitsexpertin Runa Sandvik sagte dem SPIEGEL: »Wenn man sich die Statistik zu Brücken-Nutzern  aus Russland ansieht, erkennt man einen Anstieg, der direkt zum Absinken direkter Zugänge passt«.

Russland hatte nach der Invasion in die Ukraine bereits Einschränkungen für Twitter eingeführt. Facebook wurde von der Medienaufsicht blockiert. Die Regierung versucht, die Verbreitung von Informationen zu dem Krieg, die von der offiziellen Linie der Regierung abweichen, zu unterbinden. Dazu gehört eine Gesetzesänderung, nach der angebliche Falschinformationen über die russischen Streitkräfte mit hohen Geldstrafen und bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden können.

pbe/dpa