Medienbericht Russische TikTok-Stars sollen Kreml-Propaganda verbreitet haben

Russische Influencer lesen einen wortgleichen Text über die angebliche Befreiung des Donbass vor. Und auch das Weiße Haus hat einige Plattform-Prominente zu einem Videoanruf geladen.
Die TikTok-App des chinesischen Unternehmens ByteDance spielt im Informationskrieg eine besondere Rolle

Die TikTok-App des chinesischen Unternehmens ByteDance spielt im Informationskrieg eine besondere Rolle

Foto: Ivan Abreu / Bloomberg / Getty Images

Russische TikTok-Stars sollen in einer über die Chat-App Telegram koordinierten Kampagne Putin-treue Propaganda zum Ukrainekrieg verbreitet haben. In Videos vom Anfang des Monats lesen mehrere Influencerinnen und Influencer auf ihren eigenen Kanälen einen wortgleichen Text vor, mit dem der russische Angriff auf die Ukraine als Befreiungsaktion bezeichnet und gerechtfertigt werden soll.

Die Aktion soll in einem geheimen Telegram-Kanal, über den das US-Magazin »Vice News« berichtet , abgestimmt worden sein. Dort wurden demnach auch detaillierte Vorgaben gemacht, welche Inhalte verbreitet, welche Tonspuren oder welche Emojis genutzt werden sollten. Veröffentlicht wurden die Videos auf Kanälen von Influencern mit teils über einer Million Abonnenten.

Nachdem die Journalisten den Betreiber des Kanals am Mittwoch kontaktiert haben, verschwanden offenbar alle Beiträge. Auch viele Videos, die Teil der Kampagne sein sollen, wurden gelöscht, wozu die Betreiber des Telegram-Kanals laut dem Medienbericht aufgerufen haben sollen.

Russische Nutzerinnen und Nutzer machten sich unterdessen mit eigenen Videos darüber lustig, dass die Influencer offensichtlich einen Text abgelesen hatten und warfen ihnen vor, ihre Follower hinters Licht zu führen: Dieser Beitrag der ukrainischen Fotografin Christina Magonowa  dokumentiert, wie in einigen der Videos ein wortgleicher Text vorgelesen wird:

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Laut dem Medienbericht von »Vice News« wurden den Influencern auf Telegram auch Tipps gegeben, wie sie den Bann von TikTok umgehen könnten, der eigentlich den Upload neuer Inhalt in Russland blockiert. TikTok teilte am 7. März mit, dass User in Russland wegen der verschärften Gesetzeslage keine neuen Videos mehr hochladen und keine Livestreams veröffentlichen könnten.

Unklar blieb, ob die Influencer bezahlt wurden, und, wenn ja, von wem. Der unbekannte Betreiber der Gruppe soll die rund 500 Mitglieder gefragt haben, wie viel Geld sie für einen Post auf ihrem TikTok-Konto verlangen würden. Außerdem sei für die Videos jeweils eine Mindestzahl an Aufrufen verlangt worden, hieß es in dem Bericht.

DER SPIEGEL

TikTok steht in der Kritik, weil dort auch Falschinformationen zum Krieg teils millionenfach angesehen werden. Das Unternehmen sieht sich eigentlich gern als Plattform für Unterhaltung, der russische Angriffskrieg zeigt jedoch, dass die App nicht unpolitisch ist. Tatsächlich begünstigt die App mit ihrem Algorithmus und ihrer Funktion unter Umständen, dass irreführende Inhalte ein Millionenpublikum über Ländergrenzen hinweg erreichen können. (Lesen Sie hier mehr über den Informationskrieg auf TikTok.)

TikToks Regeln verbieten eigentlich eine koordinierte Kampagne, wie sie offensichtlich im Fall der über Telegram abgestimmten Aktion zu beobachten ist. Auf konkrete Fragen, wie das Unternehmen die Videos bewertet oder ob beteiligte Nutzerkonten abgestraft wurden, hat TikTok bisher nicht geantwortet.

Weißes Haus lädt TikTok-Stars zu Videoanruf ein

Auch der US-Regierung ist offenbar die Macht von TikTok als Informationsquelle im Krieg bewusst. Das Weiße Haus hat am Donnerstagnachmittag 30 prominente Influencerinnen und Influencer zu einem Videoanruf eingeladen, wie die »Washington Post «  berichtete . Bei dem virtuellen Meeting informierten demnach Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, über das Vorgehen der USA, die Zusammenarbeit mit der Nato und wie die USA auf einen russischen Einsatz von Atomwaffen reagieren würden.

Anders als im Falle der russischen Kampagne kommentierten die an dem Videoanruf beteiligten Influencer in nachfolgenden Videos und Statements die US-amerikanische Politik auch kritisch.

hpp