Wandern und Radfahren Diese Outdoor-Apps erleichtern Navigation und Routenplanung

Ob im Sommer der Berg ruft oder das Fahrrad gesattelt wird: Mit Komoot, Outdooractive, BRouter und OsmAnd gibt es verschiedene Apps zum Navigieren und Routenplanen. Ihre Vor- und Nachteile im Überblick.
Foto: Albert Hulm

Die Ente und ihre Freunde planen in dem Kinderbuch »Hier kommt die Ente Quatsch, Viel Glück mit dem Barschwein« einen Ausflug dahin, wo es am schönsten ist. Aber wo genau ist das? Routenplanungs- und Navigations-Apps helfen, der Antwort näherzukommen, indem sie Nutzern neue Wege zeigen, sie ihre Lieblingstouren speichern und interessante Wegmarken mit anderen teilen lassen.

Apps wie Komoot, Outdooractive, BRouter und OsmAnd nutzen dafür OpenStreetMap (OSM) als Karte, das Nutzern Material ohne Lizenzkosten, dafür aber mit den verwendeten Geodaten zur Verfügung stellt. Inhaber eines OSM-Benutzerkontos können zudem das Kartenmaterial bearbeiten und Geoinformationen hinzufügen.

OpenStreetMap stellt damit eine Alternative zu Google Maps dar, deren Material man nicht beliebig ändern und für eigene Projekte verwenden darf. Die Navigation-App von Google reagiert dafür besonders im Straßenverkehr sehr schnell auf Staus und Verzögerungen und schlägt alternative Routen vor. Sie bezieht ihre Informationen unter anderem aus dem Verhalten der App-Nutzer: Wenn beispielsweise an einer Stelle mehrere Maps-­Nutzer langsam fahren, vermutet Google dort eine Störung des Verkehrs.

Der Weg als Ziel

Mit Google Maps kommen auch Fußgänger und Radfahrer schnell von A nach B, allerdings führen die Routen oft an Autostraßen entlang. Wer nach einer schönen Tour mit Sehenswürdigkeiten, bestimmtem Untergrund oder Pausenmöglichkeiten sucht, für den eignen sich eher Tourenplaner wie Komoot oder Outdooractive.

Dank seiner großen Community enthält Komoot mittlerweile die meisten durchgeplanten Wanderungen und Radtouren in Deutschland. App-Nutzer holen sich Inspirationen für neue Wege, fotografieren und kommentieren ihre Lieblingstouren und teilen sie mit anderen. Beim Planen berücksichtigt Komoot verschiedene Bewegungsarten wie Wandern, Spazieren oder Radfahren, das Fitnesslevel und ob man nur hin oder auch wieder zurück möchte. Wer einfach nur seine Strecke aufzeichnen möchte, trackt seine Tour – die App erkennt automatisch, ob man joggt oder spazieren geht. Komoot ist kompatibel mit Sportuhren von Garmin und Polar, der Apple Watch, Navigationsgeräten von Garmin, Wahoo und Sigma und Bordcomputern von Nyon und Kiox für E-Bikes.

Komoot ist mit diversen Sportuhren, Navigationsgeräten und Bordcomputern von E-Bikes kompatibel.

Komoot ist mit diversen Sportuhren, Navigationsgeräten und Bordcomputern von E-Bikes kompatibel.

Foto: c't

Eine weitere App mit vielen vorge­fertigten Touren für verschiedene Bewegungsarten ist Outdooractive. Bei der Tourenplanung können Nutzer der kostenlosen Version mit zahlreichen Filteroptionen eine passende Route erstellen. Zu den auswählbaren Sportarten zählen auch Nordic Walking, Reiten und Kanu. Outdooractive zeigt auf der Karte verschiedene Symbole an, etwa Aussichtspunkte, die Nutzer in ihre Tour integrieren können. Auch eigene Routen lassen sich fix erstellen.

Outdooractive enthält umfangreiche Informationen zu den Zielorten, wie etwa Unterkünfte mit E-Bike-Ladestationen und die aktuelle Wetterlage. Manche Wege zeigt die App allerdings erst in der kostenpflichtigen Pro-Version an. Mit Outdooractive Pro+ erhalten Abonnenten zudem zusätzliche Touren von Kompass und aus ADAC-Wanderführern sowie Zugang zu den Karten der Alpenvereine.

Unbekannte Höhen

Nutzer von Outdooractive und Komoot kritisieren oft falsche Höhenmeterangaben bei den Touren. Bei der Berechnung von Höhenmetern spielen Trackpunkte und das verwendete Höhenmodell eine wichtige Rolle. Grundsätzlich werden alle Anstiege vom Start bis zum Ziel zusammengezählt. Liegen zu wenig Trackpunkte einer angefertigten Wegeaufzeichnung vor, gehen Anstiege dazwischen verloren, was die angezeigten Höhenmeter verfälscht – sind es zu viele, können die Höhenmeter zu groß ausfallen.

Outdooractive enthält umfangreiche Filteroptionen und vorgefertigte Routen für verschiedene Outdooraktivitäten.

Outdooractive enthält umfangreiche Filteroptionen und vorgefertigte Routen für verschiedene Outdooraktivitäten.

Foto: c't

Bei spontanen Richtungswechseln stoßen Komoot und Outdooractive an ihre Grenzen und fordern ihre Nutzer auf, auf die ursprüngliche Route zurückzugehen. Die entsprechenden Ansagen nerven erheblich und sind zum Teil sogar absurd, denn vielfach weicht man vom Weg ab, weil er versperrt ist oder weil man abkürzen will.

Offline-Navigation

Der Webdienst BRouter und die App OsmAnd reagieren flexibler auf spontane Abstecher in die Natur und berechnen die Route neu – ganz ohne Internetanbindung. Um beispielsweise eine Rennradtour mit BRouter Web zu planen, entwerfen Anwender eine Route unter brouter.de  am Rechner und exportieren sie anschließend als GPX-Datei. Dieses Dateiformat dient zur Speicherung von Geodaten und wird von den meisten Navigations- und Routenplanungs-Apps unterstützt.

Unter »Touren« und »Datei importieren« lässt sich eine GPX-Datei etwa in der Komoot-App verwenden. Falls die importierte Strecke Abschnitte enthält, die nicht das Komoot-Wegenetz benutzen, kann man der »Originalroute folgen« oder die »Route an bekannte Wege anpassen.« Im ersten Fall stellt Komoot für diese Strecken keine Navigation zur Verfügung. Sie sind auf der Karte gestrichelt dargestellt.

BRouter bietet vielfältige Einstellungsmöglichkeiten für Touren in der für Laien nicht unbedingt verständlichen OpenStreetMap-Notation. Experten wiederum können unter »Einstellungen« und »Profil« eigenen Code eingeben oder Schnipsel von GitHub verwenden. Der Quellcode im Repository des GitHub-Nutzers DRiKE  schließt beispielsweise Kiesstraßen von der Berechnung aus – ein für Rennrad­fahrer wichtiges Kriterium. BRouter gibt es auch als App. Zur Navigation muss man diese zusammen mit einer App wie OsmAnd, Locus-Maps oder OruxMaps nutzen.

Fortgeschrittene Nutzer entwickeln mit BRouter-Web eigene Profile fürs Fahrzeug.

Fortgeschrittene Nutzer entwickeln mit BRouter-Web eigene Profile fürs Fahrzeug.

Foto: c't

Eine weitere Touren-App, die sich gut zur Offline-Navigation eignet, ist OsmAnd. Die Bedienung von OsmAnd ist etwas komplexer als die von Komoot und Outdooractive, weshalb Einsteiger sich erst einmal in die App einarbeiten müssen. Wen das nicht abschreckt, der bekommt ein Tool mit zahlreichen Navigations- und Routenplanungsoptionen, einer detail­reichen Karte, deren Aussehen man passend zur aktuellen Sportart ändern kann (etwa Topo oder Offroad) sowie eine Points-­­of-­interest-Anzeige und eingeblendete Höhenlinien.

Nachdem Nutzer das für sie interessante Kartenmaterial heruntergeladen haben, speichert und berechnet OsmAnd Touren offline und lokal, also direkt auf dem Smartphone. Dabei ist darauf zu achten, nur Karten von Orten herunterzuladen, die man befahren oder bewandern möchte, da sonst der Speicher für Fotos und Videos nicht ausreichen könnte.

OsmAnd ist nicht ganz so einsteigerfreundlich wie Komoot oder Outdoor­active. Mit ein wenig Einarbeitung erhält man aber eine sehr umfang­reiche Navigations- und Touren­planungs-App.

OsmAnd ist nicht ganz so einsteigerfreundlich wie Komoot oder Outdoor­active. Mit ein wenig Einarbeitung erhält man aber eine sehr umfang­reiche Navigations- und Touren­planungs-App.

Foto: c't

Fahrradnavigation

Wer nach einer reinen Fahrradtouren-App sucht, für den gibt es Apps wie Bike Citizens. Je nachdem, ob man zügig zur Arbeit fahren möchte oder nach einer entspannten Spazierfahrt sucht, gibt es die Routenoptionen »Gemütlich«, »Normal« und »Schnell«. In der Premiumversion können Nutzer die Karten herunterladen und Heatmaps ihrer Fahrten erstellen.

Bike Citizens berücksichtigt auch E-Motoren und Schiebestrecken bei der Routenplanung.

Bike Citizens berücksichtigt auch E-Motoren und Schiebestrecken bei der Routenplanung.

Foto: c't

Vielleicht hätten die Tiere aus »Viel Glück mit dem Barschwein« eine passende Touren-App gebraucht – sie bleiben am Ende der Geschichte nämlich einfach, wo sie sind, weil sie es überall am schönsten finden.

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