Corona-Warn-App auf iOS Warum Sie nach dem Update weniger Risikokontakte sehen

Wer seine Warn-App aktualisiert hat, dem werden auf einen Schlag oft weniger Risikokontakte angezeigt. Das sorgt für Kritik – auch wenn dahinter eigentlich eine wichtige Neuerung steckt.
Eine grüne Anzeige in der Warn-App bedeutet ein niedriges Infektionsrisiko (Archivbild einer älteren Version der Warn-App)

Eine grüne Anzeige in der Warn-App bedeutet ein niedriges Infektionsrisiko (Archivbild einer älteren Version der Warn-App)

Foto: Eibner-Pressefoto/ imago images/Eibner

Wo gestern noch vor mehreren potenziell gefährlichen Kontakten gewarnt wurde, steht heute plötzlich »keine Risiko-Begegnungen«. Diese Erfahrung dürften zahlreiche iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer bei einem Blick in ihre Corona-Warn-App nach einem aktuellen Update gemacht haben.

Hintergrund ist die seit Mittwochabend unter iOS verfügbare Version 1.9.1 der Warn-App. Mit dem Update haben SAP und die Deutsche Telekom die Risikoberechnung innerhalb der von ihnen entwickelten App angepasst und präzisiert . Wird eine Nutzerin oder ein Nutzer positiv auf das Coronavirus getestet, berechnet die App für alle anderen Nutzerinnen und Nutzer, die der infizierten Person zuvor begegnet sind, wie hoch jeweils das Risiko einer Ansteckung war.

Der SPIEGEL konnte für mehrere Geräte nachvollziehen, dass die Zahl der Begegnungen mit geringem Risiko, in der App grün hinterlegt, nach dem Update der Warn-App von einer Handvoll auf null zurückging. Auf Twitter berichten Nutzer auch, dass aus roten Risikokontakten – also Begegnungen mit einem hohen Ansteckungsrisiko – grüne Risikokontakte wurden.

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Informiert werden Nutzerinnen und Nutzer über den Grund für den plötzlichen Rückgang ihrer Risikokontakte in der App nicht. Lediglich ein allgemeiner, technischer Satz im App Store weist auf die Änderung der Risikoberechnung hin. Dort steht, dass »die App auf die Version 2.0 des von Apple bereitgestellten Exposure Notification Frameworks (ENF) umgestellt« wurde.

Warn-App nutzt jetzt ein seit Sommer verfügbares Update

Gemeint ist damit ein von Apple und Google zur Verfügung gestelltes Rahmenprogramm, welches die Warn-App zur Risikoberechnung nutzt. Dieses Rahmenprogramm wurde von Apple und Google Ende Juli in einer verbesserten Version zur Verfügung gestellt. Diese aktualisierte Version des Frameworks, die unter anderem die zur Entfernungsmessung verwendete Bluetooth-Kalibrierung vieler Geräte verbessern soll, wurde erst jetzt, mit dem aktuellen Update, für die Warn-App übernommen.

Für Nutzerinnen und Nutzer, die sich nicht mit den Details der Warn-App auskennen, dürfte nicht deutlich werden, was dies bedeutet. Dementsprechend kritisierte der Informatiker Henning Tillmann auf Twitter, dass die Neuerungen »nicht klar und deutlich in der App kommuniziert werden.« Das Update sorge so für unnötige Verwirrung, was zum Beispiel mit einem Pop-up in der App vermeidbar gewesen wäre.

Das Update kann bisher nur auf iOS-Geräten installiert werden, soll aber demnächst auch auf Android-Geräten bereitstehen. Die Warn-App wird dabei nach und nach automatisch aktualisiert, sie kann aber auch sofort manuell als Update über den App Store auf den neuesten Stand gebracht werden.

Mehr Informationen über Zeitpunkt von Risikokontakten

Mit dem Update auf Version 1.9.1. sollen außerdem einige Fehler behoben und Texte aktualisiert werden. Neu ist auch, dass bei roten Risikokontakten angezeigt werden soll, an welchem Tag und an wie vielen Tagen insgesamt solche Kontakte mit erhöhtem Risiko stattfanden. Das könnte Nutzerinnen und Nutzern helfen, ihr Infektionsrisiko besser einzuschätzen.

Außerdem wurde die Funktion überarbeitet, mit der Nutzerinnen und Nutzer nach einem positiven Coronatest ihr Ergebnis mit der App teilen können. Weil das bisher längst nicht alle tun, können auch nicht alle anderen Nutzerinnen und Nutzer, denen die infizierte Person begegnet ist, von der App gewarnt werden.

Update: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, dass das Update auf Version 1.9.1. nicht automatisch installiert werde. Tatsächlich wird es lediglich nicht bei allen Nutzern sofort automatisch installiert, sondern nach und nach ausgerollt.

hpp
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