Gesichts- und Stimmerkennung Warum TikTok in den USA biometrische Daten sammeln dürfen will

TikToks Datenschutzrichtlinie für die USA erwähnt jetzt die Erhebung biometrischer Daten von Gesichtern und Stimmen. Hintergrund dürfte ein juristischer Streit sein, der das Unternehmen 92 Millionen Dollar kostet.
TikTok: »Wir sammeln möglicherweise biometrische Identifikationsmerkmale«

TikTok: »Wir sammeln möglicherweise biometrische Identifikationsmerkmale«

Foto:

Dado Ruvic / REUTERS

Neue Datenschutzbestimmungen sind oft eher etwas für Juristen, doch die jüngste Aktualisierung von TikTok sollte alle Nutzerinnen und Nutzer in den USA aufhorchen lassen. Denn in den am 2. Juni aktualisierten Datenschutzbestimmungen für die USA  ist ein Abschnitt enthalten, den es zuvor nicht gab. Er lautet übersetzt: »Wir sammeln möglicherweise biometrische Identifikationsmerkmale und biometrische Informationen, wie sie im US-Recht definiert sind, wie etwa von deinem Gesicht und deiner Stimme, aus deinen Inhalten.« Im englischsprachigen Original ist von »faceprint« und »voiceprint« die Rede. »Bevor wir damit anfangen«, frage man jedoch nach dem Einverständnis, wenn dies gesetzlich nötig sei, fügte noch TikTok hinzu.

Auf eine erste Anfrage von »TechCrunch«  nach dem Hintergrund für diese Änderung und TikToks Pläne konnte oder wollte das Unternehmen zunächst nicht sagen, was es mit solchen Daten zu tun gedenkt. »Als Teil unseres ständigen Bemühens um Transparenz haben wir kürzlich unsere Datenschutzrichtlinien erneuert, um klarer zu machen, welche Informationen wir möglicherweise sammeln«, zitierte »TechCrunch« einen Sprecher.

Hintergrund dürfte eine Sammelklage sein, die mit einem Vergleich in Höhe von 92 Millionen Dollar endete  und TikToks Verstöße gegen das Gesetz über »Biometric Information Privacy« des US-Bundesstaates Illinois betraf. Dabei ging es um mehr als 20 Fälle, in denen TikTok biometrische Daten gesammelt und geteilt haben soll, ohne die Erlaubnis der Betroffenen einzuholen – offenbar auch für einen Gesichtsfilter für Spezialeffekte in der App.

Zwar wird im neuen Absatz der Richtlinien nicht aufgeführt, welche US-Gesetze gemeint sind, wozu TikTok die biometrischen Daten benötigen könnte und was genau die Begriffe »faceprint« und »voiceprint« umfassen sollen. Auch wie die entsprechende Einwilligung eingeholt werden soll, bleibt unklar. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass sich TikTok mit der Formulierung schon einmal etwas besser vor weiteren Klagen in Illinois schützen will. Im Vergleich heißt es , TikTok verpflichte sich, biometrische Daten nicht mehr zu sammeln, es sei denn, das stehe ausdrücklich in seinen Datenschutzbestimmungen und erfülle alle gesetzlichen Vorgaben.

In TikToks Datenschutzrichtlinie für den europäischen Raum  existiert der Biometrie-Abschnitt nicht und ist auch nicht geplant, wie eine Sprecherin dem SPIEGEL sagte: »Zu diesem Zeitpunkt wurden keine Aktualisierungen an unserer EU-Datenschutzrichtlinie vorgenommen. Wir überprüfen und aktualisieren unsere Datenschutzrichtlinien in regelmäßigen Abständen, damit sie unsere aktuellen Praktiken auf der Grundlage von Markt-, regionalen und gesetzlichen Anforderungen bestmöglich widerspiegeln.«

Der Rest des entsprechenden Absatzes der US-Bestimmungen hat ebenfalls keine Entsprechung in der Version für Europa. In dem heißt es, TikTok wolle möglicherweise erheben, welche Körperteile, Objekte und Hintergründe in einem Video zu sehen sind, welche Töne zu hören sind und welche Texte gesprochen werden. Das geschehe unter anderem, um Spezialeffekte anbieten zu können, für die Moderation der Videos sowie für Inhalte- und Werbeempfehlungen.