Chat-App WhatsApp ist bald für alle kostenlos

Bezahlen, für WhatsApp? Obwohl die Chat-App gerade einmal 89 Cent pro Jahr verlangt, finden manche Nutzer diese Gebühr abschreckend. Für sie hat der WhatsApp-Chef nun eine gute Nachricht.
Jan Koum (Archivbild): Das Gesicht hinter WhatsApp

Jan Koum (Archivbild): Das Gesicht hinter WhatsApp

Foto: Marc Müller/ dpa

Der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp schafft unter dem Dach von Facebook seine Abo-Gebühr von einem Dollar pro Jahr ab. "Die Übernahme hat uns erlaubt, uns aufs Wachstum zu konzentrieren und nicht ans Geldverdienen zu denken", sagte Mitgründer Jan Koum am Montag auf der Internet-Konferenz DLD in München. Umgesetzt werden soll die Änderung binnen der nächsten Wochen.

WhatsApp wolle künftig stärker in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Verbrauchern mitmischen, sagte Koum mit Blick auf ein mögliches künftiges Geschäftsmodell. Er begründet die Abschaffung der Gebühr auch damit, dass WhatsApp-Nutzer in manchen Ländern keine Kreditkarten oder nicht einmal Bankkonten hätten. Die Sorge, eines Tages bezahlen zu müssen, beunruhige die Nutzer, das wolle man beenden.

In Deutschland werden für WhatsApp-Nutzer derzeit 89 Cent pro Jahr fällig - zumindest offiziell, WhatsApp nennt das in seiner FAQ "eine kleine Abo-Gebühr". Das erste Jahr ist auch jetzt schon kostenlos gewesen. An der App selbst änderte sich nichts, sobald man zahlender Nutzer wurde. Online-Erfahrungsberichten zufolge ist es vielen Nutzern auch gelungen, die App länger als ein Jahr zu benutzen, ohne je zahlen zu müssen - entsprechende Hinweise hatten sie einfach ignoriert.

Koums Dienst hat weltweit 900 Millionen Nutzer, bei der Übernahme durch Facebook waren es rund 450 Millionen. Der Deal mit Facebook habe es WhatsApp erlaubt, die Infrastruktur des weltgrößten Online-Netzwerks zu nutzen - zum Beispiel bei der Einführung der Sprachtelefonie, die sonst viele eigene Ressourcen erfordert hätte.

Zugleich habe WhatsApp weitgehend die Unabhängigkeit bewahren können, betonte Koum. So laufe die Software-Entwicklung weiter auf einer eigenen Plattform.

Forderungen nach einer Möglichkeit für Behörden, die Verschlüsselung auszuhebeln, erteilte Koum eine Absage. "Gerede über Hintertüren ist nicht besonders produktiv, weil wir keine Hintertüren in unsere Software einbauen werden", sagte er. In dem Moment, in dem es einen solchen Zugang für Ermittler gebe, würde er auch von Online-Kriminellen entdeckt werden.

mbö/cis/dpa

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