Datenweitergabe an Facebook Verbraucherschützer verklagen WhatsApp

WhatsApp hat im Sommer verkündet, künftig die Telefonnummern seiner Nutzer mit Facebook teilen zu wollen. Deutsche Verbraucherschützer liefen Sturm - und verklagen den Dienst nun wegen der Datenweitergabe.
Telefonfunktion von WhatsApp

Telefonfunktion von WhatsApp

Foto: dpa/ picture alliance / dpa

Deutsche Verbraucherschützer ziehen in ihrem Streit mit WhatsApp vor Gericht: Wegen der angekündigten Weitergabe der Telefonnummern von Nutzern an den Mutterkonzern Facebook hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) vor dem Landgericht Berlin Klage gegen das Unternehmen eingereicht.

WhatsApp hat über eine Milliarde Nutzer weltweit. Die Firma hatte Ende August angekündigt, künftig die Telefonnummern seiner Kunden an Facebook weiterzugegeben. Außerdem sollen mit der Konzernmutter Informationen darüber geteilt werden, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst von seinen Mitgliedern genutzt wird. Dadurch sollen Werbung und die Freunde-Vorschläge in Facebook-Diensten verbessert werden, hieß es. Aus Sicht der Verbraucherschützer ist diese Weitergabe nicht rechtens.

Konkret stört sich der VZBV daran, dass die Daten weitergegeben werden, auch wenn ein WhatsApp-Nutzer gar kein Facebook-Konto hat. Besonders kritisch sei, dass auch Nummern von Verbrauchern, die lediglich im Telefonbuch eines WhatsApp-Kunden gespeichert sind, an die Facebook-Unternehmensgruppe gingen.

Datenweitergabe an Facebook aktuell ausgesetzt

Nach dem Einschreiten von Datenschützern und einer Abmahnung durch den VZBV hatte Facebook im vergangenen November die Weitergabe und Nutzung von Daten europäischer WhatsApp-Nutzer an den Mutterkonzern ausgesetzt. Der vorläufige Stopp solle Behördenvertretern die Möglichkeit geben, ihre Sorgen vorzubringen - und Facebook die Zeit, diese abzuwägen, erklärte das Netzwerk damals.

Mit der Klage wollen die Verbraucherschützer nun zum einen erreichen, dass die bereits weitergeleiteten Daten gelöscht werden. WhatsApp soll außerdem insgesamt acht beanstandete Klauseln aus den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie nicht mehr anwenden. Beispielsweise behalte sich WhatsApp das Recht vor, seinen Nutzern ohne deren Einwilligung Werbematerial aus der Facebook-Unternehmensgruppe zukommen zu lassen.

"Facebook hat im Jahr 2014 öffentlichkeitswirksam erklärt, die Nutzerdaten zwischen den beiden Diensten nicht auszutauschen", erklärte Carola Elbrecht, Rechtsreferentin beim VZBV. Darauf hätten viele Verbraucher vertraut. "Dieses Versprechen hat nicht lange gehalten."

WhatsApp sieht keinen Rechtsverstoß

Ein WhatsApp-Sprecher erklärte, die geänderten Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen seien nicht illegal. "Sie geben den Anwendern eine klare und einfache Erklärung, wie der Dienst funktioniert und außerdem eine Entscheidung darüber, wie die Daten verwendet werden." Die Regelungen erfüllten außerdem die Anforderungen der EU-Regulierungsbehörden.

WhatsApp will laut eigenen Aussagen aber nicht, dass Facebook Zugang zum Inhalt von Kurzmitteilungen bekommt. Mit der Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Frühjahr seien sie ohnehin nur für die beteiligten Nutzer und nicht einmal für WhatsApp selbst einsehbar, hieß es.

Kennen Sie eigentlich die AGB von WhatsApp, Facebook und Co.?
gru/dpa/AFP