Nach Protesten WhatsApp stoppt in Europa Datenweitergabe an Facebook

WhatsApp-Kundendaten werden vorerst nicht an den Mutterkonzern Facebook weitergegeben. Man wolle sich nun mit den Bedenken europäischer Datenschützer auseinandersetzen, heißt es von dem Unternehmen.
WhatsApp

WhatsApp

Foto: Marcelo Sayao/ picture alliance / dpa

Facebook hat nach dem Einschreiten von Datenschützern die Weitergabe von Daten europäischer WhatsApp-Nutzer an den Mutterkonzern ausgesetzt. Der vorläufige Stopp solle Behördenvertretern die Möglichkeit geben, ihre Sorgen vorzubringen, und Facebook die Zeit, diese abzuwägen, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

WhatsApp hatte Ende August angekündigt, künftig die Telefonnummer des Nutzers an Facebook weiterzugeben. Außerdem sollen mit der Konzernmutter Informationen darüber geteilt werden, wie häufig ein Nutzer den Kurzmitteilungsdienst anwendet. Dadurch sollten die Werbung und die Freunde-Vorschläge in Facebook-Diensten verbessert werden, hieß es. WhatsApp wird derzeit weltweit von rund einer Milliarde Menschen genutzt.

WhatsApp-Mitglieder konnten zumindest der Verwendung ihrer Daten für die Personalisierung von Facebook-Werbung und Freundesvorschlägen widersprechen. Die Telefonnummer werde allerdings in jedem Fall mit Facebook geteilt, wenn man die App weiternutzen wolle, hieß es bisher.

Datenschützer Caspar kritisiert Facebooks Vorgehen

In Deutschland ging der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar gegen den Plan vor. Er fordert, die Nutzer müssten selbst über die Weitergabe ihrer Daten entscheiden können. Aus Sicht von Facebook ist nicht Caspar zuständig, sondern die irische Datenschutzbehörde am internationalen Geschäftssitz des Netzwerks. Aber auch die Datenschützer in Irland prüfen die Datenweitergabe.

Facebook hatte WhatsApp vor rund zwei Jahren für etwa 22 Milliarden Dollar gekauft. Damals war erklärt worden, dass WhatsApp weiter unabhängig agieren soll und dass die Daten bis auf Weiteres getrennt bleiben sollen. Auch jetzt wurde versichert, dass Facebook keinen Zugang zu Inhalten der Kurznachrichten bekomme - schon, weil diese in der Regel verschlüsselt seien.

mbö/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.