Messengerdienst Annehmen oder ausgesperrt werden – Verwirrung um neue WhatsApp-Richtlinien

Wer WhatsApp nutzt, muss neuen Regeln zustimmen – andernfalls funktioniert die Chat-App in wenigen Wochen nicht mehr. Doch sind die Anpassungen wirklich so drastisch und neu, wie man es vielerorts liest?
Logos von WhatsApp und Facebook: Beide Apps gehören zum selben Unternehmen

Logos von WhatsApp und Facebook: Beide Apps gehören zum selben Unternehmen

Foto: AP/dpa

Für WhatsApp werden ab dem 8. Februar neue Nutzungsbedingungen sowie eine neue Datenschutzrichtlinie gelten. Wer die weitverbreitete Chat-App ab diesem Datum noch nutzen will, der muss den Änderungen also irgendwann in den nächsten Wochen zustimmen.

Deutsche Nutzerinnen und Nutzer werden derzeit beim Start des Programms auf die Anpassung der Richtlinien aufmerksam gemacht. Jener Hinweis auf dem Display kann mit »Zustimmen« beantwortet werden – dann werden die neuen Regeln angenommen – oder durch »Nicht jetzt« bis auf Weiteres ausgeblendet werden.

WhatsApp-Hinweis: »Nicht jetzt« und »Zustimmen« als Optionen

WhatsApp-Hinweis: »Nicht jetzt« und »Zustimmen« als Optionen

Foto: WhatsApp

»Wesentliche Updates« gibt es dem Pop-up in der App zufolge nur in zwei Punkten: bei der Frage, wie WhatsApp Nutzerdaten behandelt, und bei der, »wie Unternehmen mit von Facebook gehosteten Services ihre WhatsApp-Chats speichern und verwalten können«. Beim ersten Punkt geht es einer offiziellen WhatsApp-Erklärseite zufolge  um die Rechtsgrundlage der Datenverarbeitung. Der zweite Punkt richtet sich demnach an Unternehmen, die WhatsApp als Kommunikationstool nutzen.

Im Netz liest man derweil viel Drastischeres: Angeblich sollen die neuen Regeln die Folge haben, dass fortan automatisch mehr WhatsApp-Daten an Facebook weitergegeben werden, etwa zum Optimieren der Werbung in dem sozialen Netzwerk. Doch stimmt das?

Das steht in der Datenschutzrichtlinie

Im Detail lassen sich die neuen Nutzungsbedingungen für WhatsApp hier einsehen . In der neuen Datenschutzrichtlinie, die sich hier in Ruhe durchlesen lässt,  wurde tatsächlich der Abschnitt »So arbeitet WhatsApp mit anderen Facebook-Unternehmen zusammen« überarbeitet, der aufzeigt, dass WhatsApp und andere Facebook-Dienste bestimmte Informationen austauschen, »um die Sicherheit und Integrität aller Produkte von Facebook-Unternehmen  zu fördern« – etwa um Spam und Missbrauch zu bekämpfen.

Zudem stellt der Dienst noch klar: »WhatsApp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.«

Dann jedoch kommt eine entscheidende Einschränkung: »Keine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden.« Facebook bekommt demnach von WhatsApp also durchaus technische Daten und – wie es auf dieser Erklärseite steht  – sogar Telefonnummern und Gerätekennungen, aber es darf solche Informationen nicht zum Verbessern seines Anzeigensystems einsetzen. Diese Regelung gibt es schon länger .

Das sagt WhatsApp selbst

Ein WhatsApp-Unternehmenssprecher teilt dem SPIEGEL auf Anfrage mit, es gebe »keine Änderungen an den Praktiken der Datenweitergabe von WhatsApp in der europäischen Region (einschließlich Großbritannien), die sich aus den aktualisierten Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie ergeben«.

Außerdem sagt er: »Zur Vermeidung von Zweifeln: Es ist weiterhin der Fall, dass WhatsApp keine WhatsApp-Nutzerdaten aus der europäischen Region mit Facebook teilt, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder von Anzeigen nutzen kann.« Diese Aussage deckt sich mit aktuellen Tweets einer WhatsApp-Managerin . Auch sie suggeriert, dass für Nutzer in Europa im Kern alles beim Alten bleibt, was die Datenweitergabe angeht.

Zu einer SPIEGEL-Nachfrage, wie es eigentlich um die Daten jener Nutzer steht, die 2016 per Opt-out-Möglichkeit explizit einem Teil der Datenweitergabe an Facebook widersprechen konnten , hat sich WhatsApp bislang nicht öffentlich geäußert. Bislang deutet aber auch nichts darauf hin, dass ein solcher Opt-out nicht weiter zählen dürfte.

So löscht man einen WhatsApp-Account

Für Nutzer, die ihren WhatsApp-Account löschen wollen, heißt es in der Datenschutzrichtlinie übrigens: »Du kannst deinen WhatsApp Account jederzeit über unsere In-App-Funktion Meinen Account löschen löschen. Sobald du den Löschprozess deines Accounts einleitest, kann dieser Account nicht mehr genutzt werden (das heißt: Du kannst dich dann nicht mehr anmelden oder erneut registrieren).«

WhatsApp betont außerdem, »dass es ab dem Start des Löschprozesses bis zu 90 Tage dauern kann, bis deine WhatsApp-Informationen gelöscht werden«. Beachten sollte man darüber hinaus, »dass deine Informationen noch länger bei uns gespeichert werden, wenn du lediglich die WhatsApp App von deinem Gerät löschst, ohne unsere In-App-Funktion Meinen Account löschen zu nutzen«.

Die Löschfunktion findet sich im Menü Einstellungen als Teil des Punktes Account.

So kommt es zur Verwirrung

Zur derzeitigen Verwirrung im Netz über die neuen Regeln trägt vor allem bei, dass WhatsApp auf seiner Website auch eine aktualisierte Datenschutzrichtlinie auf Deutsch  präsentiert, die nur für Nutzer außerhalb der »Europäischen Region« und damit außerhalb Deutschlands gilt. Laut dieser Erklärung, die sich leicht mit der anderen verwechseln lässt, ist die Zusammenarbeit WhatsApps mit anderen Facebook-Unternehmen bei Märkten außerhalb von Europa enger, das zeigen Sätze wie: »Wir können mithilfe der von Ihnen erhaltenen Informationen und Sie können mithilfe der Informationen, die wir mit Ihnen teilen, unsere Dienste bzw. Ihre Angebote, einschließlich der Produkte von Facebook-Unternehmen, betreiben, bereitstellen, verbessern, verstehen, individualisieren, unterstützen und vermarkten.«

Die nicht für Deutschland gedachten Regeln gehen also deutlich weiter, was den Datenaustausch angeht.

Letztlich gilt also: Es ist wichtig, sich die richtigen Richtlinien anzuschauen, sonst wirken die Änderungen drastischer, als sie tatsächlich sind. Zugleich sollte man sich als Nutzer aber auch bewusst sein, dass man mit WhatsApp ein Produkt nutzt, das für einen theoretisch simplen Messenger schon seit Jahren relativ viele Daten erfasst – was sich etwa mit Apples neuer Datenschutz-Übersicht nachvollziehen lässt (mehr dazu hier). Andere Chat-Apps wie beispielsweise Signal sind deutlich datenschutzfreundlicher.