WhatsApp-Überwachung Facebook verklagt israelischen Entwickler von Spionagesoftware

Die israelische Firma NSO entwickelt Überwachungssoftware, mit der unter anderem Journalisten und Dissidenten ausspioniert worden sein sollen. Weil die Infektion zeitweilig über WhatsApp erfolgte, klagt Facebook nun.
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Patrick Sison/AP

Erstmals wehrt sich Facebook vor Gericht gegen den Missbrauch seiner Dienste zu Überwachungszwecken. Das Unternehmen verklagt einen israelischen Anbieter von Überwachungssoftware, der sich über eine WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf Hunderte Smartphones verschaffen wollte. Allein innerhalb von zwei Wochen im April und Mai dieses Jahres habe die Firma NSO auf diesem Wege rund 1400 Geräte angegriffen, erklärte Facebook in der am Dienstag in Kalifornien eingereichten Klage .

Unter den Zielpersonen  seien Journalisten, Anwälte, Dissidenten, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und Regierungsbeamte gewesen. Sie kämen aus Ländern wie Bahrain, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Facebook hatte die Sicherheitslücke  bereits Mitte Mai geschlossen und öffentlich gemacht. NSO gelang es nach Angaben von Facebook, über WhatsApp-Anrufe eine Schadsoftware zu verbreiten, die einen weitreichenden Datenabgriff ermöglichte. Wer sie unbemerkt auf sein Smartphone gespielt bekam, konnte praktisch komplett überwacht werden. Die Sicherheitslücke bestand in den WhatsApp-Apps für Android, iOS, Windows Phone und Tizen.

Amazon könnte Facebook unterstützen

Das NSO-Programm, das unter dem Namen "Pegasus" bekannt wurde, installierte sich dabei auf den Geräten selbst dann, wenn die Zielpersonen den Anruf nicht annahmen. Danach stellte es eine Verbindung zu Servern der israelischen Firma her und gewährte ihnen unter anderem Zugang zu Kontaktdaten und Inhalten von Nachrichten auf den Geräten. Die erbeuteten Daten gab NSO an seine Kunden weiter.

Das Unternehmen wies Facebooks Vorwürfe zurück. Man werde sich "vehement dagegen wehren".

Tatsächlich könnte der juristische Streit sehr komplex werden. Facebook baut seine Klage auf dem Computer Fraud and Abuse Act in Verbindung mit einer Verletzung seiner Nutzungsbestimmungen auf, doch die genaue Prozessstrategie ist noch unklar. US-Rechtsexperten weisen darauf hin , dass es für Facebooks Argumentation möglicherweise keinen Präzedenzfall gibt und es schwierig werden könnte, die Richter zu überzeugen.

Hilfe könnte Facebook theoretisch unter anderem von Amazon bekommen. Dessen Cloudservice AWS habe NSO genutzt, um die zu überwachenden Smartphones mit jenen Servern zu verbinden, über die dann die eigentliche Spionagesoftware verteilt wurde, heißt es in der Klage.

Nicht nur müsste Amazon entsprechende Abrechnungsunterlagen haben, die im Prozess wichtig werden könnten. Amazon-Gründer Jeff Bezos ist auch Besitzer der "Washington Post", deren Kolumnist Jamal Khashoggi 2018 im Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul ermordet wurde. Khashoggi hatte zuvor Kontakt zu einem anderen Dissidenten, dessen Smartphone mit der NSO-Software infiziert war, wie kanadische Sicherheitsforscher nachgewiesen haben .

pbe/dpa