Messengerdienst WhatsApp verschlüsselt jetzt auch Back-ups

Sicherheitskopien von WhatsApp-Chats lassen sich künftig verschlüsselt in der iCloud und bei Google Drive speichern. Strafverfolger wird es ärgern.
Die neue Verschlüsselungsoption von WhatsApp ist in den Einstellungen unter »Chats« und dem Menü-Eintrag »Chat-Back-up« zu finden

Die neue Verschlüsselungsoption von WhatsApp ist in den Einstellungen unter »Chats« und dem Menü-Eintrag »Chat-Back-up« zu finden

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WhatsApp

Wer sein Smartphone verliert, bekommt seine WhatsApp-Nachrichten nur zurück, wenn es ein Back-up gibt. Das Problem: Wer seine Chatverläufe nicht einzeln als ZIP-Dateien auf dem Rechner speichern wollte, konnte seine Chats alternativ nur unverschlüsselt in der Cloud ablegen. Das soll sich jetzt ändern.

WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer können ihre Back-ups nun auch mit einer Verschlüsselung sichern, die nicht einmal WhatsApp selbst umgehen kann. Das teilte der Mutterkonzern Facebook am Donnerstag in einem Blogbeitrag mit . In der Mitteilung heißt es: »Weder WhatsApp noch dein Back-up-Anbieter können deine Back-ups auslesen oder auf den zur Entsperrung benötigten Schlüssel zugreifen.« Bisher waren bei WhatsApp die Kurznachrichten und Videoanrufe nur dann mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert, solange sie von einem Gerät zu einem anderen gesendet wurden.

Wer seine Chats in einem Online-Back-up in der iCloud oder bei Google Drive speicherte, legte seine Daten dort unverschlüsselt ab. Für Strafverfolgungsbehörden war es – sofern sie einen richterlichen Beschluss vorlegen konnten – der einfachste Weg, an die Inhalte zu gelangen, zumal manchen Nutzerinnen und Nutzern nicht einmal klar gewesen sein dürfte, dass sie automatische, unverschlüsselte Back-ups aktiviert hatten.

Künftig verlangt WhatsApp einen 64-stelligen Schlüssel, um das Back-up ins Netz und wieder zurück auf das Telefon zu laden. Diesen Code muss man manuell eingeben. Daher können sich die Anwenderinnen und Anwender auch ein Passwort einrichten, das wiederum den 64-stelligen Schlüssel aus einem virtuellen Safe holt und abschickt .

Am Freitagmorgen stand die sichere Back-up-Funktion noch nicht für alle zur Verfügung. In den Apps für iOS und Android wurde noch der Hinweis angezeigt, dass die Chats »nicht mit der WhatsApp-Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert werden«. Auch ein Passwort wird nicht abgefragt. Wie lange sich die Nutzerinnen und Nutzer noch gedulden müssen, ist unklar. Auf eine Anfrage des SPIEGEL verwies ein Facebook-Sprecher auf die Aussage des WhatsApp-Chefs Will Cathcart, der am Donnerstag twitterte , dass man es langsam angehe, um es richtig zu machen, da man wisse, wie wichtig Back-ups den Menschen seien. Man arbeite aber »hart daran, die Funktion so schnell wie möglich an alle zu verteilen«.

Die Back-up-Funktion wird in den Einstellungen unter »Chats« und dem Menü-Eintrag »Chat-Backup« zu finden sein. Dort können Nutzerinnen und Nutzer auswählen, ob überhaupt eine Sicherung erstellt wird und ob das automatische Back-up jeden Tag, wöchentlich oder monatlich hochgeladen werden soll. Als Dateien versendete Videos lassen sich aushaken, damit die Sicherheitskopie in der Cloud nicht zu groß wird.

Telegram verschlüsselt nur auf expliziten Wunsch

WhatsApp ist mit rund zwei Milliarden WhatsApp-Usern und täglich rund 100 Milliarden verschickten Kurznachrichten der beliebteste Messengerdienst – und deutlich sicherer als Telegram. Wer dort nicht ausdrücklich einen »geheimen Chat« startet, muss beim Chatten auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verzichten. Die Nachrichten werden alle in der Cloud gesichert. Das Problem: Der Code ist nicht vollständig einsehbar, daher muss man darauf vertrauen, dass die Nachrichten ordentlich verschlüsselt werden.

Sichere Alternativen wie Signal und Threema setzen ebenso auf eine starke Verschlüsselung und haben einen Vorteil gegenüber WhatsApp: Dort werden deutlich weniger Metadaten gesammelt. WhatsApp überträgt nämlich zumindest die Telefonnummer und die Gerätekennung an Facebook, darf die Daten in Deutschland allerdings nicht zu Werbezwecken einsetzen.

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