Nach Bußgeld von 225 Millionen Euro Warum WhatsApp-Nutzer neue Datenschutz-Regeln vorgesetzt bekommen

Welche Daten die App sammelt, wohin sie gehen, wann sie gelöscht werden und warum das alles erlaubt sein soll: All das muss WhatsApp besser als bisher erklären. An der Technik ändert sich nichts.
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Foto: Nick Ansell / dpa

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Alle WhatsApp-Nutzerinnen und Nutzer in Europa werden in den kommenden Tagen beim Öffnen der App ein neues Banner zu sehen bekommen. Das Tochterunternehmen von Meta (früherer Name: Facebook) versucht damit, seine Datenschutzbestimmungen transparenter und verständlicher zu machen.

Drei Dinge sind WhatsApp besonders wichtig, weil es unbedingt vermeiden will, nach dem Kommunikationsdesaster von Anfang des Jahres zu den damals angekündigten neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien nun erneut in die Schlagzeilen zu geraten:

  • Niemand muss den künftigen Bestimmungen aktiv zustimmen, um WhatsApp weiter nutzen zu können.

  • Am Umgang mit Nutzerdaten und an der Funktionsweise von WhatsApp ändert sich überhaupt nichts.

  • Alle Chats bleiben Ende-zu-Ende-verschlüsselt und damit unlesbar für alle außer den jeweiligen Sendern und Empfängern.

Die Veränderung der Bestimmungen ist eine Reaktion auf ein Bußgeldverfahren der für WhatsApp zuständigen Aufsichtsbehörde, der Data Protection Commission (DPC) in Irland. Die DPC hatte WhatsApp im September ein Bußgeld von 225 Millionen Euro aufgebrummt, weil das Unternehmen seine Nutzerinnen und Nutzer nur unzureichend über die Verwendung ihrer Daten informiert habe.

Zwar wehrt sich WhatsApp juristisch gegen diese Entscheidung , doch der Rechtsstreit könnte Jahre dauern. Nun sollen – und müssen – die Nutzerinnen und Nutzer zumindest besser darüber aufgeklärt werden, was mit ihren Daten passiert.

35 Seiten zum Datenschutz

»Wir aktualisieren unsere Datenschutzrichtlinie für Menschen in Europa«, wird – übersetzt – auf dem Banner stehen, und zwar »auf Anweisung« der irischen Behörde. (Der SPIEGEL hat bis zum Sonntag nur die englischen Fassungen des Banners und der neuen Richtlinien zur Verfügung gestellt bekommen.)

Das Banner wird in den kommenden Tagen bei jedem Nutzer und jeder Nutzerin zu sehen sein, hierzulande in deutscher Sprache, und auf das umformulierte Dokument verlinken. Dieses wiederum unterscheidet sich von der bis dahin gültigen Fassung vor allem in einem Punkt: Es ist viel länger.

Die alte englische Fassung hatte knapp 7000 Wörter, die neue mehr als 11.000. Im PDF-Format hat sie 35 Seiten. In der deutschen Version dürfte das ein ähnliches Ausmaß annehmen. Wer selbst vergleichen möchte: Auf dieser Seite  verlinkt WhatsApp alle früheren Versionen.

Auf den zweiten Blick fällt auf, dass WhatsApp nun mit farblich abgesetzten Textblöcken zu Beginn der verschiedenen Abschnitte sowie mit Tabellen arbeitet, um die neue Richtlinie zumindest übersichtlicher zu machen. Ein WhatsApp-Sprecher teilte mit, man habe den Inhalt »neu organisiert und mehr Details hinzugefügt«, an der Funktionsweise der App und zum Beispiel auch daran, welche Daten WhatsApp mit Meta teilt, ändere sich aber nichts.

Die zusätzlichen Details betreffen nach Angaben von WhatsApp vor allem drei Bereiche:

  • Welche Daten das Unternehmen speichert und warum, wann sie gelöscht werden und wie WhatsApp mit Drittanbietern zusammenarbeitet,

  • Warum WhatsApp Nutzerdaten »über Ländergrenzen hinweg teilt« und wie sie dabei geschützt werden

  • und auf welche rechtlichen Grundlagen sich WhatsApp dabei beruft.

Ein Beispiel für den ersten Punkt ist ein bisher nicht enthaltener Absatz dazu, welche Daten nicht verschlüsselt und damit für WhatsApp selbst sichtbar sind, darunter das Profilbild sowie Namen und Beschreibungen von Gruppen. Der Abschnitt zu den rechtlichen Grundlagen für die Datenverarbeitung in den USA oder anderen nicht-europäischen Staaten hingegen ist lediglich etwas umformuliert.

Wie viele Textstellen insgesamt verändert wurden und ob sie dadurch für jede Nutzerin und jeden Nutzer verständlicher werden, ist aufgrund der neuen Sortierung und Formatierung vieler Abschnitte schwer zu sagen. Ebenso unklar ist daher fürs Erste, ob die irische Datenschutzbehörde damit zufrieden sein wird.

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