Neue Nutzungsbedingungen WhatsApp will auch nach dem 15. Mai niemanden komplett aussperren

Wer den künftigen Richtlinien von WhatsApp bis zum Stichtag nicht zustimmt, wird die App trotzdem noch nutzen können – zumindest kurzzeitig und stark eingeschränkt. Manche könnte das vom endgültigen Abschied abbringen.
»Für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten«: WhatsApp

»Für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten«: WhatsApp

Foto: RITCHIE B. TONGO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bis zum 15. Mai müssen WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer den neuen Nutzungsbedingungen zustimmen, um die App weiter wie gewohnt verwenden zu können. Doch ganz ausgesperrt werden diejenigen, die den Schritt verweigern, zunächst doch nicht.

Vor rund einem Monat hatte WhatsApp auf SPIEGEL-Anfrage noch mitgeteilt: »Alle Nutzer müssen die neuen Nutzungsbedingungen akzeptieren, wenn sie WhatsApp weiterhin verwenden wollen. Wer vor dem 15. Mai nicht zugestimmt hat, muss es dann tun, um WhatsApp weiterhin nutzen zu können. Die Konten werden zu diesem Zweck sowie für Updates weiter aktiviert bleiben.«

Das klang eindeutig: Nutzerkonten werden nach dem 15. Mai nicht gesperrt, aber wer den dann geltenden Nutzungsbedingungen nicht zugestimmt hat, kann nur das noch nachholen und sonst nichts mit der App anfangen. Davon rückt WhatsApp aber doch ab, wie »TechCrunch« zuerst berichtete.

Offenbar will WhatsApp Abwanderungsbewegungen bremsen

In einem neuen FAQ von WhatsApp  heißt es: »Du wirst zwar für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können.« Laut TechCrunch soll »kurze Zeit« so viel wie »einige Wochen lang« bedeuten.

Gelöscht würden Accounts nach den bisherigen Regeln  »normalerweise nach 120 Tagen Inaktivität«.

Die Möglichkeit, die App vorübergehend passiv oder eingeschränkt nutzen zu können, ohne den neuen Richtlinien zugestimmt zu haben, könnte Abwanderungsbewegungen bremsen, die WhatsApp offenbar befürchtet: Wer noch angerufen werden kann oder sieht, dass neue Nachrichten vorliegen, wird das Netzwerk möglicherweise doch nicht ganz verlassen wollen und lieber nachträglich zustimmen.

Nachdem WhatsApp im Januar die Änderungen erstmals angekündigt hatte, hatten manche Medien und einzelne Nutzer diese fälschlicherweise so interpretiert, dass WhatsApp sich künftig mehr Daten mit dem Mutterkonzern Facebook teilen wolle, um die Werbung des sozialen Netzwerks gezielter ausspielen und Freundschaftsvorschläge aus Telefonkontakten generieren zu können.

WhatsApp hatte daraufhin den Stichtag vom 8. Februar auf den 15. Mai verschoben und versucht seither zu erklären, dass sich hinsichtlich der Datenweitergabe an Facebook nichts ändern wird und dass WhatsApp-Nachrichten weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt und damit auch für WhatsApp selbst nicht einsehbar bleiben. Die neuen Bestimmungen sollen vor allem transparenter machen, wie WhatsApp Daten erfasst und verwendet, wenn private Nutzerinnen und -Nutzer über die App direkt mit Unternehmen kommunizieren, etwa im Kundenservice.

Sticheleien gegen konkurrierende Messenger

Allerdings hat WhatsApp die Details dazu bis heute nicht auf einer übersichtlichen Seite gesammelt und erklärt. Die bisher vorliegenden Informationen verteilen sich auf mehrere Blogposts, wie etwa diesen , diesen  und diesen .

Am vergangenen Donnerstag hatte WhatsApp in einem Blogpost weitere Bemühungen angekündigt, die Missverständnisse und Falschinformationen zu den neuen Nutzungsbedingungen einfangen und dafür die App selbst benutzen zu wollen. Im selben Beitrag stichelte die Facebook-Tochter außerdem indirekt gegen die Konkurrenten Telegram und Signal, die im Januar sprunghafte Anstiege ihrer Downloadzahlen verzeichnen konnten.

pbe