App-Test Wholeworldband Per iPad weltweit mit den Stars rocken

So kann heute ein Song entstehen: Komponisten und Musiker sind weltweit verstreut, kennen sich nicht, doch mit einer App spielen sie zusammen ein Lied ein. Das ermöglicht die App Wholeworldband - sogar Musiker von Police und Rolling Stones machen mit.

Andreas Brohme

Von Andreas Brohme


Kommt ein Musiker in den Übungsraum: "Leute, gestern hab ich ein Solo für Ron Wood aufgenommen, einen Rhythmus für Stewart Copeland und einen Track für Passenger!" Möglich, dass er schon das erste Bier intus hat. Oder er hat die App Wholeworldband (WWB) ausprobiert und all das tatsächlich getan.

Mit WWB können Musiker weltweit über einen Cloud-Dienst gemeinsam Songs schreiben und produzieren. Kevin Godley, der ehemalige 10cc-Sänger und Videoregisseur, hatte die Idee. Ein irisches Start-up hat sie jetzt umgesetzt. Das Programm ist für iOS-Geräte (ab Version 6.0) kostenlos erhältlich; etwa hundert Musiker nutzen es schon fleißig. Prominente Unterstützung bekommen sie von Rockern wie dem Rolling Stones-Gitarristen Ronnie Wood, Police-Drummer Stewart Copeland und dem Singer-Songwriter Passenger - sie alle haben Songideen zum Mitspielen und Weiterentwickeln hochgeladen.

Rocken mit den ganz Großen

Ich habe die Einladung angenommen, ein Gitarrensolo zu Woods "Fill Her Up Honey" ins iPad improvisiert, ein bisschen mitgeschrubbt zu einem Copeland-Rhythmus und Ukulele geklimpert zu Passengers neuer Ballade "Where The Lights Hang Low". Der technische Ablauf ähnelt einer Aufnahme im Heimstudio und funktioniert erstaunlich gut.

Jede Aufnahme findet ihren Ursprung in einem "Seed Take". Den nimmt der registrierte User über die App mit seinem Apple-Gerät als Video auf - dazu muss das Gerät online sein. Das Bild liefert die kleine Kamera über dem Touchscreen. Für den Ton reicht im Prinzip das eingebaute Mikrofon. Überzeugende Klangergebnisse erzielen aber erst für Apple-Geräte geeignete Audio-Interfaces wie etwa iRig (30 Euro), über das sich Gitarren, Mikrofone oder andere Instrumente ans iPad anschließen lassen. Den besten Sound habe ich mit dem Profigerät RME Babyface (circa 540 Euro) hinbekommen, das auch hochwertige Studiomikrofone mit Spannung versorgen kann. Ist der "Seed Take" im Kasten, stellt man ihn in den öffentlichen Bereich der Wholeworldband-App. Jetzt kann ihn jeder Nutzer sehen, mitmachen und ein "Mosaic" daraus machen, einen individuellen Mix aus verschiedenen Aufnahmen.

Und… Aufnahme!

Die Entwickler von WWB betonen, dass alle Musiker willkommen sind. Aber spielerische Sicherheit sollte man mitbringen. Um den "Seed Take" zu lernen, empfiehlt es sich, eine Audio-Aufnahme vom Kopfhörerausgang des iPads mitzuschneiden und dazu zu üben. Bei den ersten "Seed Takes" hatte sich außerdem kein Musiker die Mühe gemacht, auf Tonart, Takt und Tempo hinzuweisen. Eine "Midi"-Spur, über die sich elektronische Instrumente synchronisieren ließen, gibt es (noch) nicht. Vermutlich auch deshalb spielen wenige Amateure und kaum offensichtliche Anfänger in der Wholeworldband. Auch ich habe meine Beiträge erst mal offline gelassen - die "Konkurrenz" war einfach spielerisch viel besser.

"Record, Mix , Earn" - die Macher von Wholeworldband versprechen: Wer mitspielt, kann mit seiner Kreativität sogar Geld verdienen. Wird aus der gemeinschaftlichen Aufnahme eine CD, verpflichtet sich der Künstler, der den Song geschrieben hat, die Mitmusiker am Gewinn zu beteiligen. In welchem Maße, darf er selbst entscheiden. Schon die Teilnahme an einer Session kann Geld bringen: Die "Session Fee" von 450 Euro wird fällig, wenn der Beitrag auf dem Endprodukt landet.

Wer in der Ganze-Welt-Combo mitmucken möchte, muss aber erst selbst bezahlen. Die Währung heißt "Tokens", und sie kann als In-App-Kauf erworben werden. Teuer ist der Spaß nicht: 1000 Tokens kosten 89 Cent. Wer einen Seed Track einstellt, kann selbst entscheiden, wie viel er anderen Musikern für die Teilnahme abknöpfen will. Das nennt sich dann "eine Recording Session kaufen" und kostet maximal 7000 Tokens, also 6,23 Euro. Rolling-Stones Gitarrist Ron Wood hat in seinem Beitrag "Fill Her Up Honey" die Latte niedrig gelegt, mit 1000 Tokens ist man dabei.

Eine App mit Hit-Potential

Die weltweite Band ist im Grunde die Fortsetzung einer der ambitioniertesten Ideen von Kevin Godley - 1990 war er maßgeblich beteiligt an dem Mammutprojekt "One World, One Voice": Das begann als musikalischer "Kettenbrief" mit einem Melodiefragment und verknüpfte am Ende die Beiträge von 250 Musikern zu einer knapp einstündigen Komposition. Wahre Weltmusik, die damals nur mit technischem Aufwand realisierbar war. Wholeworldband macht die Hürden ganz klein und trägt das Konzept so in die Übungsräume dieser Welt. Die App nutzt die Möglichkeiten mobiler und einfach bedienbarer Maschinen wie des iPad und eines cleveren Cloud-Dienstes.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
brut_dargent 02.01.2014
1.
Haha. Das iPad I kann nicht iOS 6. Das Teil ist keine 3 Jahre alt. Und definitiv mein letztes Produkt gewesen. Man muss es auch echt nicht übertreiben.
Dr. Clix 02.01.2014
2. Danke nochmals...
für wiederholte Applewerbung. Ich hab als "armeSau" ein Androiden und kein Kommunistenhandy !
chrisonsax 02.01.2014
3. Im App Store nicht auffindbar!
Komisch! Im App Store kann ich das nicht finden! Liegt das an IOS 7?
vermincaster 02.01.2014
4.
Immer wieder eine traurige Geschichte, die " Ich hatte mal ein Apple-Produkt, aber jetzt bin ich reich"-Typen. :-))))
forumnameWichtig 03.01.2014
5. Wunderbar!
Sieht wirklich interessant!
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