Umstrittene Videokonferenz-App So sichern Sie Ihre Zoom-Meetings

Durch die Coronakrise erlebt die App Zoom für Videoanrufe einen Boom. Gleichzeitig mehren sich die Sicherheitswarnungen. Mit drei Handgriffen können Sie Ihre Meetings besser vor Angreifern schützen.
"Es tut mir leid." Zoom-Chef Yuan entschuldigte sich für die Probleme bei Sicherheit und Datenschutz

"Es tut mir leid." Zoom-Chef Yuan entschuldigte sich für die Probleme bei Sicherheit und Datenschutz

Foto: OLIVIER DOULIERY/ AFP

Die Videokonferenz-App Zoom scheint in der Coronakrise allgegenwärtig: Regierungen halten damit ihre Kabinettsrunden ab, Lehrer unterrichten darüber und Unternehmen verlegen aufgrund der Homeofficeregeln kurzerhand alle Besprechungen in die virtuellen Meetingräume. So ist das kalifornische Tech-Unternehmen in den vergangenen Wochen zu einer der meistdiskutierten Internet-Erfolgsgeschichten geworden.

Das liegt nicht nur an den 200 Millionen Meetingnutzern täglich, die die Betreiber im März zählten, sondern auch an teils gravierenden Sicherheitsproblemen, die IT-Experten in den vergangenen Wochen in Zoom entdeckt haben. Google verbietet das Programm inzwischen auf den Firmenrechnern seiner Mitarbeiter. (Lesen Sie hier mehr zu einzelnen Sicherheitsproblemen oder Datenschutzbedenken.)

Für all diejenigen, die angesichts der Corona-Situation dennoch auf Zoom angewiesen sind, gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: Wer die folgenden drei Handgriffe beachtet, kann seine Sicherheit auf Zoom deutlich erhöhen und sich vor den meisten Angriffen schützen.

1. Meetings mit guten Passwörtern schützen

In der Onlineversion Ihres Zoom-Accounts können Sie unter Einstellungen an insgesamt drei Stellen einrichten, dass jede Ihrer Videokonferenzen mit einem Kennwort geschützt ist. Teilnehmer müssen dann ein Passwort eingeben, bevor sie die anderen sehen können. Die Funktion ist standardmäßig aktiviert. Den Passwortschutz sollten Sie nur deaktivieren, wenn Ihr Zoom-Account zum Chat-Roulette werden soll und Sie Lust haben, dass sich plötzlich unbekleidete Unbekannte ins Meeting einwählen könnten.

Erhöhen Sie für besonders sensible Meetings die Länge der Passwörter, die Zoom vor dem Beitritt zur Videokonferenz abfragt. Dazu nutzen Sie die Funktion "Planen", mit der Sie eine Videokonferenz vorbereiten können. Im Feld zum Meetingpasswort geben Sie dann ein Passwort mit der maximalen Länge ein, zehn Zeichen sind hier erlaubt. Achten Sie darauf, dass Ihr Passwort nicht ein bestehendes Wort, sondern eine willkürliche Zeichenfolge ist. Am besten enthält es auch Sonderzeichen, Zahlen und Groß- und Kleinschreibung. Normalerweise sind die Meetingpasswörter nur sechs Zeichen lang.

Auch Ihr Zoom-Account selbst sollte mit einem guten Passwort geschützt sein. Wie das aussehen sollte, lesen Sie hier. Am besten benutzen Sie gleich einen Passwortmanager.

2. Richten Sie ein virtuelles Wartezimmer ein

Wenn Sie der Gastgeber eines Meetings sind, können Sie einen sogenannten Warteraum einrichten. Wenn sich jetzt jemand in Ihr Meeting einwählt, müssen Sie dessen Teilnahme erst mit einem Klick bestätigen. Die Funktion aktivieren Sie in Ihrem Online-Account von Zoom unter Einstellungen und dort unter der Überschrift "In Meeting (erweitert)". Für größere Meetings dürfte die Funktion schnell unpraktisch sein, für kleinere Gruppen ist sie empfehlenswert.

Sobald alle Teilnehmer im Meeting sind, können Sie Ihr Meeting als Gastgeber außerdem sperren. Dann kommen keine ungebetenen Gäste mehr in Ihre Runde. Dazu klicken Sie auf "Teilnehmer verwalten" und anschließend rechts unten in der Ecke auf "Mehr". Dort aktivieren Sie die Funktion "Meeting sperren".

3. Teilen Sie die ID, nicht den Link

Datenschützer der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) empfehlen, möglichst nicht den Einladungslink zu einer Zoom-Konferenz öffentlich zu posten. Die EFF-Experten haben beobachtet , dass Zoom in dem Zeichensalat des Einladungslinks manchmal auch das Passwort für das Meeting einbindet. So ist auch der beste Passwortschutz dahin. Wenn Sie Ihr Meeting öffentlich ankündigen, sollten Sie daher einfach nur die ID des Meetings teilen. Diese ID besteht aus neun oder zehn Zahlen und steht oben in einem Anruf-Fenster oder ist durch einen Klick auf "Info" in einem Zoom-Anruf einzusehen.

Fazit: Zoom nutzen oder nicht?

Zoom hat verhältnismäßig souverän auf die bisherigen Sicherheitsprobleme reagiert. Anfang April entschuldigte sich Unternehmenschef Eric Yuan in einem ausführlichen Blogbeitrag und kündigte an, dass alle Zoom-Programmierer für die nächsten drei Monate nicht mehr an neuen Funktionen, sondern an den Problemen im Bereich Datenschutz und Sicherheit arbeiten. Gleichzeitig erklärte Yuan, dass sein Unternehmen bereits mehrere Sicherheitslücken geschlossen habe.

Beobachter gehen allerdings davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Sicherheitsprobleme bekannt werden könnten. Der Hype hat nämlich auch Hacker auf den Plan gerufen. IT-Sicherheitsforscher überall auf der Welt zerlegen das Programm in seine Einzelteile und prüfen es aktuell auf Schwachstellen. Wichtig ist dabei allerdings: Nicht jede bekannt gewordenen Sicherheitslücke ist für reguläre Nutzer gefährlich. Wer über Zoom lediglich Hausaufgaben bespricht, ist so zum Beispiel weniger gefährdet als die Finanzchefin eines Konzerns, die über Zoom sensible Unternehmensgeheimnisse und die passende Kontoverbindung im Chat postet. Das liegt daran, dass einige Angriffe erhebliches technisches Wissen und kriminellen Aufwand erfordern. Beides dürfte eher nicht gegen Schüler oder einzelne Privatnutzer eingesetzt werden.