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Max Hoppenstedt

Kritik von Lesern Haben wir Attila Hildmann eine zu große Bühne geboten?

Vom gefeierten Vegankoch zum ultrarechten Gegner der Coronamaßnahmen: Attila Hildmann hat eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Unsere Berichterstattung war einigen Leserinnen und Lesern zu umfangreich.
aus DER SPIEGEL 1/2022
Hildmann bei einer Kundgebung gegen Coronaeinschränkungen 2020

Hildmann bei einer Kundgebung gegen Coronaeinschränkungen 2020

Foto: Christophe Gateau / dpa

Wer jahrelang über die Aktionen des Hackerkollektivs Anonymous berichtet, ist Über­raschungen gewohnt. Was jedoch Mitte September auf einer virtuellen Pressekonferenz geschah, war auch für mich unerwartet: Der 22-jährige Kai Enderes, Mitglied der verschwiegenen Hackergruppe, packte darüber aus, wie er monatelang als IT-Administrator an der Seite des ultrarechten Gegners von Coronamaßnahmen Attila Hildmann unterwegs war. So etwas hatte es hierzulande noch nicht gegeben.

Gleichzeitig bekamen SPIEGEL und SPIEGEL TV Zugang zu mehr als zwei Terabyte an internen E-Mails, Chats und Daten des ehemaligen Vegankochs. Sie zeigen, wie er schon vor der Pandemie Ärger mit der Polizei und einer Lebensmittelkontrolle hatte und auch geschäftlich in Schieflage war.

Manche Leserinnen und Leser kritisierten uns: Wir sollten Hildmann doch bitte keine Bühne bieten. Das ist oft ein wichtiger Einwand, doch bei dieser Recherche sehe ich es anders.

Die Enthüllung gab neue Einblicke in Hildmanns Radikalisierung und seine Nähe zu Rechtsextremen. Sie widersprach zudem seinem Narrativ, dass es nur die Coronamaßnahmen gewesen seien, die ihn in einen Konflikt mit dem Staat getrieben hätten.

Schließlich wurde eine »Querdenkerin« in der Generalstaatsanwaltschaft Berlin enttarnt, die einen Haftbefehl an Hildmann durchgesteckt haben soll. Es zeigte sich, dass sie auf Telegram sogar zum Sturm aufs Kanzleramt aufgerufen hatte. Ich finde, all das gehört un­bedingt in die Öffentlichkeit.

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