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Erneuerung der Bundes-IT Fast eine Milliarde Euro für Berater

Bei der geplanten Erneuerung der IT-Systeme von Ministerien und Behörden explodieren die Kosten. Das Projekt selbst komme trotzdem kaum voran, mahnen Kritiker.
aus DER SPIEGEL 17/2020
Foto: PAUL LANGROCK

Bei dem seit 2015 laufenden Krisenprojekt, die Computerarbeitsplätze und Rechenzentren von Bundesministerien und Behörden zu modernisieren, explodieren die Beraterkosten. Allein das Bundesinnenministerium von Horst Seehofer (CSU), aus dem das Vorhaben bis vor Kurzem geleitet wurde, hat bis Ende 2019 rund 250 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben; bis 2025 sind dort weitere knapp 400 Millionen Euro eingeplant, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht.

Aufgrund der exorbitanten Mehrkosten hatte das Kabinett das Not leidende Megaprojekt im November 2019 neu organisiert und dem Finanzministerium und dessen IT-Dienstleister mehr Aufgaben übertragen. Dies sorgt nun für weitere Mehrkosten und Verzögerungen.

Für dieses Jahr sieht das Haus von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) 238,7 Millionen Euro für "externe Unterstützung" vor, darunter auch Werkverträge für Wartung oder Programmierung. Anders als das Innenministerium will man dort in den kommenden Jahren noch keine Auskunft über die Beraterkosten geben. Derzeit würden "Grundlagendokumente für das weitere Vorgehen erarbeitet".

Das Kanzleramt, das im Herbst das Controlling an sich gezogen hatte, will für seine neue Aufsichtsrolle ebenfalls Know-how von außen einkaufen, im laufenden Jahr für rund 590.000 Euro.

Bis 2025 summierten sich die bekannten Beraterkosten damit auf fast 900 Millionen Euro, kritisieren die Grünen Abgeordneten Sven-Christian Kindler und Tobias Lindner: "Für das Geld, das die Bundesregierung in den letzten Jahren im Projekt IT-Konsolidierung des Bundes nur für Berater verpulvert hat, hätte man wahrscheinlich die gesamte IT aller Bundesbehörden komplett neu kaufen können."

Dabei habe das eingekaufte Wissen "nur wenig genützt". Auch die Neuplanung laufe "im Schneckentempo". Unter diesen Umständen werde es "noch mehr als zehn Jahre dauern, bis die IT der 130 Behörden konsolidiert ist".

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