Neue Zahlen der Bundesnetzagentur Tausende Messungen zeigen zu lahmes Internet in Deutschland

Noch immer liefern viele Internetprovider weniger schnelles Internet nach Hause als vertraglich zugesichert. Mit einer App der Bundesnetzagentur kann jeder bei sich zu Hause nachmessen.
Arbeiten im Homeoffice (Symbolbild): »Leider gibt es noch immer eine große Kluft zwischen Marketing und Wirklichkeit«

Arbeiten im Homeoffice (Symbolbild): »Leider gibt es noch immer eine große Kluft zwischen Marketing und Wirklichkeit«

Foto: Marcel Mücke / MiS / IMAGO

Der heimische Internetanschluss hält nicht immer, was Provider versprechen. Das zeigen neue Zahlen der Bundesnetzagentur, die die Bonner Behörde auf eine dpa-Anfrage mitgeteilt hat. Demnach hatten sich von Mitte Dezember bis Ende Juni rund 22 000 Kunden und Kundinnen mithilfe der Breitbandmessung-App der Bundesnetzagentur über zu langsame Verbindungen beschwert – meist erfolgreich.

Ein Anspruch auf Preisminderung besteht, wenn das Internet schlechter ist als vertraglich vereinbart. Es gibt Vorgaben zur maximalen, zur minimalen und zur normalerweise zur Verfügung stehenden Bandbreite. Mit der Desktop-App können Verbraucher überprüfen, ob ihr Vertrag das hält, was er verspricht. (Lesen Sie hier mehr darüber, wie die Messungen funktionieren.)

Möglicher Preisnachlass bei zu schlechtem Internet

Die rechtsverbindliche Messmöglichkeit gibt es seit Mitte Dezember. Das Prozedere ist mit 30 Tests an mehreren Tagen zeitaufwendig. Erst dann ist eine Diagnose – auch »Messkampagne« genannt – abgeschlossen. Wie hoch die Preisminderung sein soll, besagen die Messprotokolle nicht. Das müssen die Verbraucher mit ihren Anbietern klären. Ein neuer Rechner  der Verbraucherzentrale soll hierbei helfen.

Die Zahl der eingereichten Messungen war zuletzt rückläufig. In den ersten zweieinhalb Monaten waren es laut Netzagentur rund 15.000 beendete Messkampagnen, nun sind es nach sechseinhalb Monaten rund 22.000.

Verbraucherschützer kritisiert komplizierte Messung

Der Verbraucherschützer Felix Flosbach findet die sinkende Nutzung bedauerlich. Er führt dies auch darauf zurück, dass das Mess-Tool umständlich zu handhaben sei. »Das ist eine Hürde, die für viele Verbraucherinnen und Verbrauchern zu hoch ist – obwohl ihr Internet daheim mies ist.« Zudem sei der Minderungsanspruch noch nicht bekannt genug, viele Bürger wüssten also noch nichts von dieser Möglichkeit, sagt Flosbach. »Binnen eines halben Jahres wurde amtlich erwiesen festgestellt, dass rund 22.000 Internetanschlüsse schlechter sind als vertraglich vereinbart – das ist keine kleine Zahl«.

Er appelliert an die Anbieter, nur das zu bewerben, was für sie technisch auch machbar sei. »Leider gibt es noch immer eine große Kluft zwischen Marketing und Wirklichkeit in der Kommunikation der Telekommunikationsbranche«.

Vodafone reagiert erfreut. »Wir sehen in einer sinkenden Zahl der eingereichten Geschwindigkeits-Tests ein positives Zeichen, dass unsere fortlaufende Netzaufrüstung bei unseren Kunden ankommt«, sagt ein Firmensprecher. Besonders der Bau neuer Glasfaserstrecken erhöhe die Stabilität des Netzes.

hpp/dpa
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